Notstromaggregat für Zuhause: Der nächste Blackout kann kommen
Der Dieselgenerator kann ein ganzes Einfamilienhaus mit Strom versorgen.
Von Gernot Heigl
Plötzlich war das Licht weg. Mit einem kurzen Knacks verabschiedeten sich Heizung und Fernseher. Gefolgt von Herd und Kaffeemaschine. „Tot“ waren auch Computer und Internet. Statt redaktionellem Homeoffice: nur Dunkelheit und Stille. Bittere Eigenerfahrung beim Schneechaos am 20. Februar in Stegersbach, mit einem Stromausfall von satten zehn Stunden.
Tausende Firmen und Haushalte in rund 40 Gemeinden der Bezirke Güssing und Jennersdorf waren noch länger ohne Elektrizität. Teils über Nacht, manche sogar tagelang. Ein Unwetter-Blackout, ausgelöst großteils durch umstürzende Bäume, die Leitungen kappten. Ähnlich wie beim Sturm vom 27. März, bei dem es im Südburgenland zu regionalen Stromausfällen gekommen ist.
Das Aggregat wird montiert
Kämpft man als Betroffener im Winter vor allem gegen die Kälte in den Wohnräumen, sorgt man sich im Sommer insbesondere um Waren im Kühlschrank und in der Tiefkühltruhe. Zur Vermeidung solcher Szenarien empfahl Siegfried Klein von der Firma Funktechnik Klein aus Günseck ein Dieselaggregat zur Notstromversorgung.
15 Liter Diesel pro Tag schluckt das 9,5-kW-Notstromaggregat.
Zwar gibt es auch kleine Geräte, die bereits viel helfen – der KURIER berichtete –, in diesem Fall jedoch sollte nicht nur ein Teil, sondern gleich das ganze Haus versorgt werden. Stromautark durch einen Umschalter im Stromverteilerkasten und einen 4-Takt-Einzylinder-Stromerzeuger mit Elektrostart. Zwei Monteure inklusive Chef rollten das 173 Kilogramm schwere Aggregat an seinen Standort, verlegten Kabel über den Dachboden und verbanden das 9,5-kW-Gerät (Dauerleistung 7,2 kW) mit dem hausinternen E-Schaltkasten. Nach der Befüllung mit 15 Litern Diesel für eine Betriebsdauer von rund einem Tag (lastabhängig) wurde ein Stromausfall simuliert.
Der Stromerzeuger versorgt das gesamte Haus mit Energie.
Ein Dreh per Schlüssel startete das Aggregat, und nach dem Umlegen eines Schalters von „Netzbetrieb auf Notstrom“ kam wieder Licht ins Dunkel. Im ganzen Haus funktionierte alles so, als gäbe es keinen Energieausfall. Eine Anschaffung, die beruhigt und vor dem nächsten Blackout schützt.
Was zu beachten ist
Für eine reibungslose Funktion im Notfall empfiehlt Experte Sigi Klein: „Alle zwei Monate einen Probelauf von zirka einer halben Stunde durchführen. Niemals Heizöl verwenden, weil das ohnehin strafbar und verboten ist. Aber auch, weil es für die motorische Verbrennung nicht spezifiziert ist.“
Der Fachmann weiter: „Aber auch keinen normalen Diesel einfüllen, um die immer häufiger vorkommende Dieselpest zu vermeiden. Bei längerem Verbleib im Tank kann der Pilz nämlich den Treibstoff zähflüssig machen, wodurch es zu Verstopfungen kommt.“ Idealerweise verwendet man Premiumsorten ohne beigemengten Biozusatz.
74 Dezibel - leise ist das nicht
Akzeptieren muss man bei diesen kräftigen Stromerzeugern, dass sie nicht im Flüsterton arbeiten. Die Lautstärke von 74 Dezibel ist vergleichbar mit einem Staubsauger beziehungsweise einer Waschmaschine im Schleudergang. Daher empfiehlt sich ein Aufstellungsort abseits von Wohn- und Schlafräumen. Steht das Notstromaggregat im Freien, rät Sigi Klein generell zu Winterdiesel, „damit das Paraffin bei Minusgraden nicht kristallisiert und ebenfalls zu Defekten führt.“ Auch soll der Behälter „immer möglichst voll sein. Denn dort, wo Diesel ist, gibt es keinen Rost. Außerdem sorgt viel Luft im Tank für viel Kondenswasser, was dazu führen kann, dass der Motor nicht läuft.“ Was noch zu beachten ist?
„Empfehlenswert sind zudem mindestens zwei volle Diesel-Reservekanister sowie ein Erhaltungsladegerät, damit die Starterbatterie nicht zum Schwachpunkt des Stromerzeugers wird“, so der Experte. „Notfalls kann man über eine Pkw-Batterie Starthilfe geben.“ Nicht unerwähnt lassen will Sigi Klein, dass zur Verhinderung eines Computerabsturzes bei einem Energieausfall eine USV (unterbrechungsfreie Stromversorgung) hilft. „So ein Gerät versorgt den PC so lange mit Elektrizität, bis das Notstromaggregat in Betrieb ist.“
Die Kosten für Stromerzeuger mit Einspeisung in den Hausverteiler inklusive Umschaltinstallation beginnen bei rund 2.500 Euro, abhängig von Leistungsbedarf und gewünschtem Komfort.
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