© Burgenländisch Hianzische Gesellschaft

Serie
05/03/2021

Mundart: „Ui“, ist die Sprache kompliziert

Die burgenländische Mundart der Hianzen mit den typischen „Ui“-Lauten beruht im ganzen Land auf denselben Grundlagen - aber es gibt Unterschiede zwischen Norden und Süden.

von Claudia Koglbauer-Schöll

Gespannt warteten alle auf die Geburt der Nichte bzw. des Neffen der Kollegin aus dem Seewinkel. Endlich war es soweit. „Ist es ein Bub oder ein Mädel?“, war die erste Frage. „A Me(i)ntsch“, lautet die Antwort. Die Kollegen schauen verwirrt. Großes Gelächter bricht aus, nachdem die Lage geklärt wurde: „Das Me(i)ntsch ist – vor allem im Nordburgenland – die Bezeichnung für ein Mädchen.“

Unterhalb des Sieggrabener Sattels würde man wahrscheinlich eher den Ausdruck „Dian(dl)“ statt „Meintsch“ verwenden, weiß Erwin Schranz.

Als Südburgenländer hat der Ex-Landtagspräsident das Hianzische nicht nur im „Bluid“ (Blut): Schranz ist auch Präsident des Burgenländischen Hianzenvereins und beschäftigt sich wissenschaftlich mit der Mundart. Für die KURIER-Serie „Nord versus Süd“ gibt er ein paar Beispiele. Ob des Umfanges wird sich die Serie in weiteren Beiträgen mit dem Burgenlandkroatischen, Romanes und Ungarisch beschäftigen. Zurück zum „Ui-Dialekt“ der Hianzen, früher auch Heinzen oder Heanzen.

Was ihn auszeichnet, ist unter anderem der singende Tonfall, die – unterschiedlich starke – Nasalierung und vor allem der häufige Gebrauch des „Ui“-Lautes, dessen sich schon Maria Theresia befleißigte und der sich auch u. a. in Teilen Osttirols bis heute gehalten habe. So habe Ihre Majestät etwa „Bring ma des Buich“ (bring mir das Buch) gefordert. Allerdings, so muss gesagt werden, würde Ihre Durchlaucht ob der Entwicklung der Mundart wohl manchmal den „Huit“ (Hut) bzw . den „Huat“ draufhauen. Denn das „ui“, weiß Erwin Schranz, werde zusehends durch den „ua“-Laut verdrängt. Der Einfluss von Großstädten und modernen Kommunikationsmedien sei deutlich spürbar.

Von Kalch bis Kittsee

Prinzipiell seien die Grundlagen des Dialektes von Kalch bis Kittsee dieselben, weiß Schranz. An „lēidigan Wei“ (puren Wein) trinkt man im ganzen Land. Wie schnell die Flasche leer sein kann, darüber ist schon so mancher – ob im Norden oder im Süden – „dakēmma“ (erschrocken) – nicht nur die „Muida“ (Mutter) und ihr „Bui“ (Bub). „Deis is si kau Khertsi nīd“ (das gehört sich nicht, ist nicht in Ordnung), mahnt bei allzu großer Genusssucht wohl die Ānl (die Ahnfrau, Großmutter).

„Laffa“ oder „laffn“?

Aber es gibt auch sprachliche Unterschiede, die geografisch bedingt sind. So sei im Norden der Einfluss von Niederösterreich und Wien spürbar. Ausgeprägte Hianzische Dialekte gebe es beispielsweise in Apetlon und Illmitz. So endet im nördlichen Teil des Landes die Nennform generell mit „a“, im Süden mit „n“, sagt Schranz. Also: „Tuist laffa oder laffn (laufen)?“

Oder im Süden etwa sage man statt „dann“ „oft(en)“, im Norden heißt es „nocha“.

Der Begriff
Woher der Name „Hianzn“ rührt, ist nicht eindeutig geklärt. Am plausibelsten ist die Herleitung von  „hiaz“ für „jetzt“. Das Hianzische basiert auf dem Mittelhochdeutschen. Die sprachliche Grundlage ist   in allen Ortschaften im Land gleich,  Eigenheiten gibt es aber in der Aussprache 

Der Verein
Im Jahre 1996, zum 75-Jahr-Jubiläum des Burgenlandes, wurde die Burgenländisch-Hianzische Gesellschaft  gegründet, als kulturelle Vereinigung für die Hianzische Sprache und Volkskultur. Sitz ist seit 2003  das „Haus der Volkskultur“ in Oberschützen. 1.100 Mitglieder hat der Hianzenverein etwa. Und es gibt  etliche Publikationen, wie „Da Säickl-Hianz“ 

„Wo(u) bleibst?“

„Wo(u) bleibst da du?“ – diese Frage bezieht sich nicht etwa auf die erwartete Ankunft des Gegenübers, sondern auf dessen Wohnort. Während die Phrase im Mittel- und Südburgenland geläufig sei, werde sie im Nordburgenland kaum verwendet.

Auch der Pflück- bzw. Erntevorgang wird unterschiedlich zum Ausdruck gebracht. Während man im Landesnorden die „Äipfl grōst“, wird das Obst im Süden „broukt“. Im Mittel- und Südburgenland wird die Ernte „gfeixnt, im Norden „gārnt“. Dafür wird im Landesnorden das „Zausat“ oder „Kraud“ und im Süden das „Plutscha“ (Unkraut) gejätet. Im Süden spricht man von „an liawan Menschn“, das b wird zum w. Im Norden sei das „l“ fast ausgemerzt worden. Schranz nennt ein Beispiel: „Statt ’old’ (alt) sagt man ’oid’.“

Dass die Hianzn zu feiern wissen, belegt auch der jährliche Hianzntog: Da wird der Volkskultur mit Musik, Tanz und burgenländischem Brauchtum gefrönt. Also dann: „Tuits natuits, so la(u)ng, wias me(i)gds!“

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