Michael Steiger: Wie ein 26-Jähriger das Burgenland erobert

Von Michael Jackson über Elfriede Ott bis zur Kultfigur Gerti und dem „Grammelpogatscherl“.
Michael Steiger

Zusammenfassung

  • Michael Steiger, 26, wurde mit burgenländischen Comedy-Figuren auf Instagram zum Social-Media-Star.
  • Sein erstes Solo-Programm „Grammelpogatscherl – Eskalation“ war in Minuten ausverkauft, Zusatzshows folgten.
  • Vom Pflegeberuf zum Bühnenprofi: Steiger setzt nun ganz auf Comedy und träumt von der Stadthalle.

Gerti hat sich für den Fasching ein Kostüm bestellt. Natürlich online, natürlich Probleme mit der Post. In der Bäckerei bei der Gitti liegen inzwischen Fitnessstangerl neben den Punschkrapfen – ein Tiefpunkt! Und der Sohnemann Manfred? Der hat der Marlene an Weihnachten einen Heiratsantrag gemacht. 

Was klingt wie Dorftratsch beim Wirten, sind Szenen aus kurzen Instagram-Videos. Zehntausende Follower, Klicks und Likes zeigen: Diese burgenländische Miniwelt hat längst ihr Publikum gefunden. Und sie ist erfunden. Hinter Gerti, Manfred und dem „neuen Backhendl-Dealer im Ort“ steckt ein 26-jähriger Ruster namens Michael Steiger. 

In 5 Minuten ausverkauft

Die digitale Bühne war nur der Anfang. Was als Social-Media-Sketch begann, steht nun im hellen Scheinwerferlicht. Die Premiere von Steigers erstem abendfüllenden Solo-Programm „Grammelpogatscherl – Eskalation“ war binnen fünf Minuten ausverkauft. Zusatztermine folgten – und auch diese Karten waren innerhalb einer Stunde vergeben. 

Dabei war der Weg auf die Bühne alles andere als geradlinig. Steiger absolvierte zunächst eine Pflegeausbildung und wollte sein Diplom in der Klinik Oberwart machen. Erst während der Lockdowns begann er, sich intensiver mit Monologen auseinanderzusetzen. „Ganz ehrlich, davor hatte ich nicht einmal am Schirm, dass Schauspieler ein wirklicher Beruf ist“, sagt er heute. Kurzentschlossen trat er zur Aufnahmeprüfung an der Schauspielakademie Elfriede Ott an – und bestand. „Ich musste mich entscheiden: Pflege oder Schauspiel.“

Ruster Michael Jackson 

Theater war für ihn ursprünglich kein vertrautes Terrain. 14 Jahre lang spielte er Zugposaune im Ruster Musikverein. Beim Faschingsrummel am Hauptplatz wurde er vor Jahren gefragt, ob er nicht einmal etwas Neues ausprobieren wolle: „Plötzlich war ich Michael Jackson und hab mit 25 Zombie-Backgroundtänzern zu ‚Thriller‘ getanzt.“  

Bühnenreife - und dann?

Nach drei Jahren Schauspielausbildung hielt er die Bühnenreifeprüfung in der Hand. Und dann? „Dann ist mal nichts“, erinnert sich Steiger. Er bewarb sich „von hier bis Deutschland in jedem Kellertheater“ – ohne Erfolg. Die Ernüchterung war groß. 

Als Übergang nahm er eine Stelle in einer betreuten WG für Schwerbehinderte in Wien an. Im Sommer 2025 dann der Beginn: Während eines verregneten Urlaubs in Kroatien begann er, kurze Comedy-Videos aufzunehmen und auf Instagram hochzuladen. Was als Zeitvertreib startete, wurde zum Durchbruch. „Im Jänner musste ich dann leider  die Reißleine in der WG ziehen. Beides war mir einfach zu viel“, sagt er. 

Kein Wink mit dem Zaunpfahl

Seither konzentriert sich Steiger ganz auf die Bühne und sein Programm. „Ich mach jetzt genau das, was ich immer wollte: Ich stehe vor der Kamera oder jetzt bald auf der Bühne und kann meine Message rüberbringen. Ohne Wink mit dem Zaunpfahl oder Tätscheln mit dem Vorschlaghammer – einfach ehrlich.“ 

Frizzante zur Beruhigung

Die Nervosität gehört trotzdem dazu. „Ein Glas Frizzante wird es zur Beruhigung vor der Show wahrscheinlich geben.“ Und obwohl er andere zum Lachen bringt, bleibt er selbstkritisch: „Ich lache nicht über mich und mein Programm. Sonst bin ich eigentlich sehr leicht zu erheitern.“ 

Der 26-Jährige wurde innerhalb weniger Monate zu einem regelrechten Burgenland-Spitzenpromi. Daran musste sich Steiger erst einmal gewöhnen: „Es ist noch surreal. Wenn mich jemand beim Einkaufen zum Beispiel anspricht, hab’ ich im ersten Moment immer Angst, ob ich dem ins Wagerl geboscht bin.“ Die Gewöhnungsphase wird vermutlich noch etwas dauern. „Für mich ist es die Krönung, wenn mich Menschen erkennen und mit mir reden wollen“, erzählt der Burgenländer stolz.

Blick in die Zukunft

Und wohin soll die Reise noch gehen – in den nächsten fünf Jahren? Die Antwort kommt ohne Zögern: „Das erste Bild, das mir in den Kopf kommt, ist die Stadthalle.“ 

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