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Literaturtage Kohfidisch kämpfen mit den Finanzen

Die Literaturtage Kohfidisch gehen in ihre 13. Auflage. Lesungen, Musik und Wanderungen bitten neue literarische Stimmen vor den Vorhang und Besucher in die Region– trotz angespannter finanzieller Lage.
Ein Stapel bunter Bücher der Reihe „Junge Literatur Burgenland“ der edition lex liszt 12 liegt auf einem Holztisch vor einem Weinberg.

Von Vanessa Halla

Kohfidisch ist nicht Wien und nicht Graz. Und gerade darin liegt für die Organisatoren der Literaturtage eine Stärke. Wenn von 11. bis 13. September wieder Autoren auf den Csaterberg kommen, wird Literatur nicht im klassischen Veranstaltungssaal präsentiert. Gelesen wird zwischen Kellerstöckeln, in Buschenschenken und inmitten der südburgenländischen Landschaft.

Zum 13. Mal organisiert Verleger Horst Horvath von der „edition lex liszt12“ die Literaturtage. Die Veranstaltung habe sich über die Jahre fest etabliert, betont Bürgermeister Norbert Sulyok (ÖVP): „Die Literaturtage sind mittlerweile ein fixer Bestandteil unserer Gemeinde und bringen Menschen auf den Csaterberg, die unsere Region vielleicht sonst nicht kennenlernen würden“, sagt Sulyok.

Den Auftakt macht am Freitag, 11. September, eine Veranstaltung in und mit der Mittelschule Kohfidisch. Schreibimpulse und Einblicke in das literarische Schaffen sollen Schüler an Literatur heranführen. Erste Lesungen von drei Autorinnen stehen ebenfalls auf dem Programm.

Junge Stimmen

Am Samstag rückt ab 17 Uhr der literarische Nachwuchs in den Mittelpunkt. Dann wird bereits der zehnte Band der Reihe „Junge Literatur Burgenland“ vorgestellt. Das Projekt sucht nach neuen literarischen Stimmen im Land und ermöglicht erste Veröffentlichungen. Zu jenen, die hier ihre Anfänge machten, zählt auch Johanna Sebauer, die bereits im ersten Band vertreten war.

Danach wird Literatur buchstäblich erwandert. Mit musikalischer Begleitung ziehen Publikum und Autoren durch die Gassen und vorbei an den Kellerstöckeln. „Literatur und Natur“ lautet dabei das bewährte Zusammenspiel, das Horvath bewusst pflegt. „Wir wollen Literatur dorthin bringen, wo die Menschen sie in einer ganz anderen Atmosphäre erleben können – hinaus in die Landschaft und zu den Kellerstöckeln“, sagt Horvath.

Am Sonntag beschließt eine Matinee das Festival im Weinarchiv. Insgesamt wirken heuer elf Autorinnen, sechs Autoren sowie drei Musikerinnen und Musiker mit. Zu den Vortragenden zählt Elisabeth Lexer aus der Region Güssing, die sich in ihrem neuen Buch „Bakunins Töchter“ mit einer Landkommune beschäftigt. Drei Jahre hat sie daran gearbeitet. Stefan Weidinger wiederum greift in „Oh Yeah“ Themen wie Armut, Gerechtigkeit und Demokratie auf und verbindet sie mit einer Liebesgeschichte, die einen Sommer lang dauert.

Die in Pinkafeld tätige Psychologin Nadja Flickinger erzählt in ihrem Kurzgeschichtenband „Perlmuttliebe“ von Krankheit, Verlust, Trennung und anderen Einschnitten des Lebens. Dabei sucht sie bewusst nach kleinen Auswegen aus schwierigen Situationen.

Eva Schreiber widmet sich in „Wenn es Nacktschnecken regnet“ unter anderem dem Online-Dating und skurrilen Alltagssituationen. Der Mediziner Anton Zimmermann aus Mannersdorf bei Oberpullendorf wiederum bringt mit „Intensivstation“ Erzählungen mit medizinischem Hintergrund nach Kohfidisch. Dass die Literaturtage inzwischen über die eigentliche Veranstaltung hinaus wirken, zeigt für Bürgermeister Sulyok der Literaturwanderweg. Dieser werde zunehmend von Gästen erkundet, darunter immer mehr E-Bike-Fahrer. Auch der neu erschlossene Drei-Berge-Wanderweg führt immer wieder an Hinweistafeln des Literaturweges vorbei. Selbst im Unterricht der Schule von Kohfidisch habe dieser mittlerweile einen festen Platz.

Damit haben sich die Literaturtage auch zu einem Faktor für den Kulturtourismus entwickelt. Sie bringen Besucher auf den Csaterberg und lenken den Blick auf eine Region, die viele zunächst nicht mit einem Literaturfestival verbinden würden. Gleichzeitig sei das Interesse auch innerhalb der Bevölkerung gewachsen. Kunst und Literatur würden Menschen zusammenbringen und den Blick über die eigene Umgebung hinaus erweitern.

Eskapismus pur

Gerade das besondere Setting sei entscheidend, betont Elke Steiner vom Verlag „edition lex liszt 12“. Literatur und Natur ermöglichten hier auch eine Form des Eskapismus: „Gerade in Zeiten, in denen wir ständig mit schlechten Nachrichten konfrontiert sind, kann Literatur die Möglichkeit bieten, für eine Weile in eine andere Welt einzutauchen und sich etwas zu erholen“, sagt Steiniger.

Unbeschwert ist die 13. Auflage dennoch nicht. Finanziell sei die Situation schwierig, sagt Veranstalter Horst Horvath unverblümt: „Heuer sind wir schon am Zahnfleisch. Einen großen organisatorischen Apparat im Hintergrund, den gibt es für die Literaturtage in Kohfidisch nicht.“ Gerade deshalb könne man nicht mit großen Festivals konkurrieren – wolle das aber auch gar nicht.

Kohfidisch setzt stattdessen auf Nähe: zwischen Autoren und Publikum, zwischen Literatur und Landschaft und nicht zuletzt zwischen Kultur und einer Region, die durch das Festival jedes Jahr ein Stück stärker ins Blickfeld rückt.

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