Chronik | Burgenland
13.02.2014

Das Schicksal erträglicher machen

Auf dem Sterntalerhof können Familien ihre Trauer verarbeiten und Kraft tanken

Wenn wir es schaffen, den Familien ein bisschen Entlastung zu schenken, dann ist es für mich das Schönste, was es gibt", sagt Lisa Graschopf, fachliche Leiterin am Sterntalerhof – dem Kinderhospiz im Südburgenland. Über 100 Kinder werden jedes Jahr stationär und rund 1000 Kinder ambulant betreut. Dass Kinderhospiz nicht nur mit todkranken Kindern zu tun hat, zeigt das Beispiel zweier Familien, die eine Woche auf dem Sterntalerhof verbracht haben.

Trauerarbeit

"Mama, ich muss sterben", waren die letzten Worte, die Ilse Herzog von ihrem Sohn gehört hat. Das war am 1. November 2012. Der Neunjährige litt an einem bösartigen Nierentumor, die Heilungschancen waren aussichtslos.

Der Schicksalsschlag hat eine tiefe Wunde in der Familie hinterlassen. Ilse Herzog ist bereits zum dritten Mal mit ihren Kindern Katharina (7) und Manuel (4) auf den Sterntalerhof gekommen. "Ohne diese Unterstützung würde es nicht gehen", sagt die Alleinerzieherin. Für sie und ihre Kinder bedeutet diese Zeit im südburgenländischen Kitzladen Krafttanken, Erholung, aber auch die Trauer aufzuarbeiten.

"Ein Schwerpunkt bei uns ist die Trauerarbeit. Wir wollen jedem Familienmitglied die Möglichkeit geben, neue Perspektiven zu finden", erzählt Lisa Graschopf. Dabei helfen sollen pädagogisch-therapeutische Angebote und Arbeiten die das Miteinander fördern, wie zum Beispiel die tägliche Stallarbeit. "Es ist wichtig die Eltern miteinzubeziehen. Sie müssen die ganze Zeit über stark sein und sowohl dem kranken Kind, als auch den Geschwistern emotionalen Halt geben und handlungsfähig bleiben", sagt Graschopf.

Für den Enkel stark sein

Stark sein muss auch Werner Rauter. Der 57-Jährige kümmert sich um seinen Enkel Patrick, dessen Mutter 2011 gestorben ist. Vor dem Verlust seiner Tochter musste Rauter bereits einmal einen schweren Schicksalsschlag verkraften. Sein Sohn ist 2009 gestorben.

"Patrick lebt schon immer bei mir. Seinen Vater sieht er einmal in der Woche", erzählt Rauter. Seit dem Tod der Mutter kümmert er sich noch liebevoller um den Sechsjährigen und stellt seine eigenen Bedürfnisse hinten an. Auf dem Sterntalerhof bekommen beide die Unterstützung die sie brauchen. "Die Herzlichkeit, die wir hier erleben, ist unbeschreiblich. Das Team ist wie eine Familie und wir dürfen ein Teil davon sein", sagt Rauter.

Tiere spielen auf dem Sterntalerhof eine besondere Rolle. Vor allem die Pferde haben es den Kindern angetan. "Fio braucht noch Spangen in seiner Mähne", ruft Katharina und ihre Kinderaugen beginnen zu leuchten. Die Siebenjährige liebt die Tiere. Auch ihr Bruder Manuel darf alleine auf einem Pferd sitzen. "Pferde sind sehr feinfühlig. Bei dieser Therapieform kann das Getragensein wortwörtlich erlebt werden", sagt Graschopf.

Rituale

Generell ist der Alltag am Sterntalerhof geprägt von Ritualen, wie zum Beispiel dem Morgenkreis, dem Läuten der Mittags- und Abendglocke, dem Mittagessen und dem Versorgen der Tiere. Das gemeinsame Erleben steht im Vordergrund. Erst abends gehen die Familien getrennte Wege, wenn sie sich in eine der drei Wohneinheiten zurückziehen.

Ilse Herzog und Werner Rauter fahren mit ihren Kindern nach einer Woche wieder nach Hause. Alle ein Stück weit gestärkt, um ihr schweres Schicksal leichter tragen zu können.

Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleitung

Der Sterntalerhof wurde vom Seelsorger und Diakon Peter Kai und der Voltigier- und Psychotherapeutin Regina Heimhilcher gegründet. Sie kauften mit ihrem Ersparten einen kleinen Bauernhof im Südburgenland und begannen 1999 als unabhängiger mildtätiger gemeinnütziger Verein mit ihrer Arbeit. Der Sterntalerhof versteht sich als Kinderhospiz im ursprünglichen Sinn, nämlich als Herberge für Familien mit lebensbedrohlich, aber auch chronisch erkrankten Kindern. Es soll ein Ort sein, an dem die gesamte Familie zur Ruhe kommen kann, um wieder zurück in den Alltag zu finden. Noch heute wird der Sterntalerhof ausschließlich über Spenden finanziert.

Link: Sterntalerhof