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Karl Knor: Schulschluss für den „Direktor für das halbe Dorf“

42 Jahre lang war Karl Knor Pädagoge in Neuberg. Mehr als die Hälfte der heutigen Ortsbevölkerung hatte ihn als Lehrer.
Drei Frauen und ein Mann stehen lächelnd zusammen, während der Mann eine Torte mit der Aufschrift „42“ hält.

Ehemals waren die honorigsten Persönlichkeiten einer Gemeinde der Pfarrer, der Bürgermeister, der Polizist und der Schuldirektor. Einen ähnlichen Status könnte man auch einem zuteilwerden lassen, der das Leben in der knapp 1.000 Einwohner zählenden Gemeinde Neuberg 42 Jahre lang als Lehrer der Volksschule geprägt hat. Karl Knor erhielt am vergangenen Freitag sein „Abschlusszeugnis“ als Schulleiter.

Eine Frau liest vor einer Gruppe draußen aus einem Papier vor, während zwei Frauen ein gerahmtes Dokument halten.

Im Abschlusszeugnis stehen für Knor nur Einser.

Dass dieser Abschied weit über den Kreis der aktuellen Schülerinnen und Schüler hinausging, zeigte sich an den zahlreichen Besuchern der Schulabschlussfeier. Gekommen waren nicht nur Kinder, Eltern und Lehrkräfte, sondern auch zahlreiche ehemalige Schülerinnen und Schüler. In Neuberg ist das keine kleine Gruppe: Mehr als die Hälfte aller Bürger ist bei Karl Knor in die Schule gegangen.

Neuberger Gedächtnis

Darüber hinaus ist er auch so etwas wie das Gedächtnis von Neuberg. Er verfasste mehrere Chroniken über die Gemeinde, darunter Arbeiten zur Geschichte Neubergs seit der ersten urkundlichen Erwähnung 1576 – heuer wurde das 450. Jubiläum gefeiert. Selbstredend, dass Knor auch dabei tragende Rollen spielte – einerseits als Co-Autor der neuen Gemeindechronik, die im Oktober erscheint, andererseits als Autor des Kindermusicals „Na putu – Auf dem Weg“, das anlässlich des Jubiläums entstand.

Zu dieser Rolle passt auch, dass Knor über Jahre hinweg eine Art inoffizieller Pressesprecher der Gemeinde ist. Er versorgt Medien regelmäßig mit Informationen, Berichten, historischen Hintergründen und Hinweisen auf Veranstaltungen. Was in Neuberg passierte, blieb dadurch nicht nur im Ort. Es wurde nach außen getragen. Das hat viel zum positiven Image der Gemeinde beigetragen.

Zweisprachiger Autor

Besonders eng verbunden ist Knor mit der zweisprachigen Tradition der burgenlandkroatischen Gemeinde. Er absolvierte das Lehramtszeugnis für Kroatisch an Volksschulen, arbeitete an zweisprachigen Mathematikbüchern mit und war 2025 im Netzwerk Minderheitenschulen Süd Organisator und Leiter von Fortbildungen für zweisprachige Schulen in den Bezirken Oberwart und Güssing.

Auch literarisch war Knor vielfach tätig. Er schrieb zahlreiche Kinderbücher, viele davon auf Burgenlandkroatisch oder zweisprachig. Ebenso veröffentlichte und betreute er Gedichtsammlungen, übersetzte Adventgeschichten ins Kroatische und wirkte am „Hrvatski kulinarijum Nova Gora – Kroatisches Kulinarium Neuberg“ mit.

Für sein Engagement wurde Karl Knor mehrfach ausgezeichnet. 2006 erhielt er die Goldene Medaille des Landes, 2023 das Silberne Verdienstkreuz. Erinnerungen daran und auch viele andere standen dann beim geselligen Zusammensein nach dem offiziellen Teil im Mittelpunkt. Für Neuberg endet mit der Pensionierung ein Schulkapitel, das 42 Jahre gedauert hat. Das Dorfleben wird Karl Knor aber wohl auch im Ruhestand weiter mitschreiben.

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