© Manfred Imre

Chronik Burgenland
12/05/2011

Junger Manager für "alte Dame"

Lorenz Kirchschlager ist 31 Jahre alt, halber Burgenländer und führt seit 2010 die Geschicke beim ältesten Fußballverein Österreichs.

von Manfred Imre

Blau und Gelb. Nur selten eine kombinierte Größe auf dem internationalen Catwalk. Doch förmlich maßgeschneidert präsentiert sich das farbliche Duo für Lorenz Kirchschlager. Der 31-Jährige ist halber Burgenländer (Mama aus Oberschützen), halber Steirer (Papa aus Bad Aussee) und ein echter Viennaer.

Mit dem Studium (Publizistik und Sportmanagement) rückte 1999 die Bundeshauptstadt in den Lebensmittelpunkt. Das runde Leder seit Kindesbeinen ein treuer Begleiter, wurde parallel die Sportmanagementakademie der Fußballbundesliga absolviert. Die Rutsche zu den eingangs erwähnten Blau-Gelben war gelegt, Pressesprecher beim ältesten Klub Österreichs, First Vienna FC 1894, fortan das Metier.

Chance

"Aber ich wollte auch immer die Agenturseite kennen lernen", erläutert Kirchschlager seinen nächsten Transfercoup. Ein Wechsel ins Heinz Palme Management (HPM) war die Folge. Streetsoccercup und Wiener Stadthallenturnier wurden organisiert. Das Highlight sollte schließlich 2008 mit der Fußball-Europameisterschaft folgen. Die Initiative "Österreich am Ball" wurde in die bewährten Hände von Heinz Palme und seinem Team gelegt. "Die Verantwortung und der Druck waren in dieser Zeit enorm, aber ich habe sehr viel gelernt. Die Spiele live in den Stadion zu erleben, war dafür ein Genuss."

Das Comeback auf der "Hohen Warte", der legendären Vienna-Arena im 19. Gemeindebezirk, wurde am 15. Februar 2010 gefeiert - "Manager" sollte künftig die Visitenkarte zieren. "Eine Chance, denn der Markt im bezahlten Fußball ist in Österreich relativ klein", betont Kirchschlager. Die Vienna sei zudem ein sympathischer Verein, mit einer treuen Anhängerschaft, die positive Stimmung erzeuge.

Marke

"Man kann sich zwar von Tradition nichts kaufen, aber die Vienna ist eine Marke, die man kennt. Es ist schön, ein Stück Geschichte mitprägen zu können. Man ist Woche für Woche sehr emotional dabei." In der Ersten Liga, sprich zweithöchsten Spielklasse, wird derzeit auf Punktejagd gegangen. Als Nummer drei in Wien, hinter den Großklubs Rapid und Austria. Der Aufstieg in höchste Gefilde sei derzeit finanziell nicht machbar. "So ehrlich muss man sein."

Das Tagesgeschäft ist das Betätigungsfeld des 31-Jährigen: Transfers, Marketing, PR-Arbeit, Lizenzierung, sämtliche wirtschaftliche Belange und Meetings mit der Bundesliga. Der Stressfaktor sei ein durchaus hoher, vor allem in der Transferperiode und in englischen Wochen. "Dann gibt es Phasen, in denen man glaubt, dass es ruhiger wird, und plötzlich steht ein Trainerwechsel an", wird aus der Praxis geschildert. "Dann muss man der Freundin sagen, dass man doch erst am Sonntag in Urlaub fahren kann." Komplettes Neuland stellten Verhandlungen mit Spielern und ihren Beratern dar: "Da erlebt man schon seine Sachen. Es ist halt Learning by doing, und das wird auch nie aufhören."

Sechs Mal Meister und eine grandiose Rückkehr

Der 22. August 1894 sollte zu einem sporthistorischen Tag werden, denn der First Vienna Footballclub wurde aus der Taufe gehoben und ist somit der älteste Verein Österreichs. Als Klubfarben wurden die Farben des Hauses Rothschild gewählt, Blau-Gelb. William Beale entwarf das bis heute gültige Wappen, einen von drei Beinen umrahmten Fußball. Die "Hohe Warte" ist die legendäre Spielstätte der Vienna. Ein Highlight wurde am 15. April 1923 gesetzt: 85.000 Zuschauer sahen ein torloses Unentschieden zwischen Österreich und Italien.

Sechs Mal (1931, 1933, 1942, 1943, 1944, 1955) konnte der österreichische Meistertitel bejubelt werden, zudem stehen drei Cupsiege (1929, 1930, 1937) zu Buche. 1931 wurde der Sieg im Mitropacup, dem Vorläufer der heutigen Champions League, errungen.

Eine Vielzahl prominenter Spieler streifte das Blau-Gelbe-Dress über: Angefangen von Josef Uridil über Hans Buzek und Karl Decker bis hin zu Hans Krankl, Michael Konsel, Andreas Herzog, Ivica Vastic oder Peter Stöger. In der Saison 1986/87 gab sich sogar ein Weltmeister die Ehre - Mario Kempes, im WM-Finale 1978 zweifacher Torschütze für Argentinien, erzielte in 20 Partien sieben Treffer.

Titelträger 1992 verabschiedete sich die Vienna aus dem Fußball-Oberhaus, 2001 musste sogar erstmals der bittere Gang in die Drittklassigkeit, sprich Regionalliga Ost, angetreten werden. Erst zum 115. Geburtstag gelang die Rückkehr ins Profigeschäft. Im Jahr 2009 gab es aber gleich doppelten Grund zur Freude, schließlich wurde auch der Titel beim traditionsreichen Wiener Stadthallenturnier geholt. Mit 16 Punkten aus 15 Spielen rangiert die Vienna derzeit auf
Platz acht der Ersten Liga.