Aufregung im Burgenland: Post-Zustellbasis droht das Aus

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Große Aufregung um die mögliche Schließung der Post-Zustellbasis in Jennersdorf. Rund 25 Mitarbeiter sind betroffen.

von Gernot Heigl

Dass es sich nicht nur um ein leeres Gerücht handelt, bestätigen betroffene Mitarbeiter gegenüber dem KURIER. Sie wollen aber aus Angst vor Konsequenzen seitens ihres Arbeitgebers anonym bleiben: „Bereits im Herbst vorigen Jahres hat es eine streng vertrauliche Versammlung gegeben mit Post-Vertretern aus den Zentralen in Wien und Graz. Da wurde uns intern als Vorankündigung mitgeteilt, dass es Überlegungen zu einer Schließung unserer Zustellbasis in Jennersdorf gibt.“

Angestellte im Ungewissen

Seither erfahren die insgesamt rund 25 Bediensteten immer nur bruchstückweise Neuigkeiten. „Aber nicht von den Verantwortlichen. Die lassen uns im Ungewissen“, ärgern sich Betroffene. „Wir sind auf Informationen aus zweiter Hand angewiesen. Da heißt es aber nun ganz aktuell, dass bereits Anfang dieser Woche eine Entscheidung fallen soll.“

„Kommt es tatsächlich zum endgültigen Aus, wird das Personal aufgeteilt und versetzt. Neue Dienstorte wären dann die steirischen Zustellzentralen in Fürstenfeld, Bairisch Kölldorf und Feldbach“, zitieren Mitarbeiter Nachrichten aus vertraulichen postinternen Quellen. Mit dem Zusatz: „Die Personalrochaden sind laut Plan gestaffelt und sollen im März und Mai über die Bühne gehen.“

Mehrere gelb-grüne Lieferwagen mit Post-Logos stehen auf einem verschneiten Parkplatz vor einem Gebäude.

Erst vor einem Jahr wurde die Zustellbasis um E-Ladestationen erweitert – jetzt droht Schließung. 

Bürgermeister ist sauer

Erbost über die vermeintliche Schließung zeigt sich auch der Jennersdorfer Bürgermeister Reinhard Deutsch von der „Bürgerliste Jennersdorf“ (JES).

„Mit der Stadtgemeinde hat noch niemand von der Post gesprochen. Deshalb erwehre ich mich nicht des Eindrucks, dass man so manch ländliche Region, ferngesteuert aus den Zentralen in den Großstädten, scheinbar aushungern möchte“, so der Bürgermeister. „Eine Logik für diesen möglichen Schlussstrich erschließt sich mir nicht. Betriebswirtschaftlich ist das nämlich ein Rohrkrepierer, denn das Gebäude steht im Eigentum der Post. Wenn das frei wird, gibt es in Jennersdorf ein weiteres leer stehendes Objekt, das vermutlich keiner möchte. Davon haben wir eh schon genug.“

„Absoluter Nonsens“

„Passend dazu und somit absoluter Nonsens ist auch, dass in Jennersdorf wohnhafte Postbedienstete ihre Briefe und Pakete dann nicht aus dem Ort, sondern zum Beispiel aus Feldbach holen müssen. Eine Strecke beträgt 21 Kilometer. Zur Auslieferung fährt der Zusteller wieder 21 Kilometer nach Jennersdorf, um nach Beendigung der Arbeit nochmals hin- und herfahren zu müssen. Das macht täglich 84 Kilometer pro Bediensteten“, kritisiert Reinhard Deutsch.

Außerdem sei die Zustellbasis erst 2024 und 2025 umgebaut worden, inklusive der Errichtung von Ladestationen für die Post-E-Autos.“

Post bestätigt nichts

„Selbstverständlich kämpfe ich gegen das Zusperren der örtlichen Post-Zustellbasis“, bezieht der Jennersdorfer Ortschef kopfschüttelnd Stellung und sagt: „Deshalb habe ich bereits alle politischen Hebel in Bewegung gesetzt.“

Dem KURIER wollte man bei der Postzentrale in Wien keine Detailfragen beantworten, sondern beschränkte sich auf ein „offizielles Statement“, das per eMail geschickt wurde: „Dass die Zustellbasis Jennersdorf geschlossen werden soll, können wir nicht bestätigen. Wir analysieren den Standort derzeit und arbeiten erst an einer Bewertung. Es gibt – Stand heute – keine datenbasierte Grundlage für eine wie auch immer geartete Entscheidung. Wir werden voraussichtlich erst in den nächsten Monaten zu einer abschließenden Bewertung der Zustellbasis in Jennersdorf kommen.“

Noch besteht Hoffnung

„Von dieser kryptischen Aussage der Post habe ich schon gehört“, so Bürgermeister Reinhard Deutsch.

Nachsatz: „Trotzdem hoffe ich, dass die angekündigte Standortanalyse zugunsten unserer Stadtgemeinde ausfallen wird.“

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