Angst vor Disneyland: Ruster wollen Parkerweiterung stoppen

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Zwischen Masterplan, Umwidmung, Stau auf der B52 und 25 Meter hohen Achterbahnen geht es um Landschaft und Lebensqualität.

Zusammenfassung

  • Family Park plant eine Erweiterung, stößt dabei aber auf Widerstand aus der Region, insbesondere wegen einer Petition gegen den Masterplan und die Umwidmung von Flächen.
  • Der Bürgermeister unterstützt die Pläne als Chance für den Tourismus, während Kritiker vor negativen Auswirkungen wie hohen Achterbahnen und Verkehrsproblemen warnen.
  • Die endgültige Entwicklung bleibt offen, da noch zahlreiche Abstimmungen mit Gemeinde, Land und Naturschutzbehörden ausstehen.

Die Achterbahnen stehen still, der Märchenwald ist verschneit, die Abenteuerinsel eingefroren.  Bis Ende März befindet sich der Family Park im Winterschlaf. Sill ist es um Österreichs größten Freizeitpark aber trotzdem nicht geworden. Denn während auf dem 14,5 Hektar großen Gelände sich nichts dreht, fährt oder plätschert, wird rundherum intensiv diskutiert. 

Die Betreiber planen eine Erweiterung – und stoßen damit in der Region auf Widerstand. Die Rusterin Sabine Rieder hat eine Petition gegen den Ausbau ins Leben gerufen: „No Disneyland – Rettet das Ruster Hügelland“, lautet das Motto. 

Petition gegen die Erweiterung

Petition gegen die Erweiterung

Der (gefürchtete) Masterplan

Im Kern richtet sich die Petition gegen zwei Ebenen zugleich. Einerseits gegen den sogenannten Masterplan des Parks, der langfristig festlegt, was rund um Rust grundsätzlich möglich wäre - kein fixer Bauplan. Andererseits gegen den ganz konkreten Schritt, der bereits gesetzt wurde: die Umwidmung von 2,4 Hektar am Ruster Hotter im vergangenen September. Für Sabine Rieder gehört beides zusammen. Der Masterplan zeige die Richtung, die Umwidmung mache sie erstmals real.

Erweiterung

Diese Grafik wurde vom Family Park auf Basis der Geo-Daten Burgenland ausgearbeitet und zeigt die Außengrenzen des Parkareals inklusive aller Bestands- bzw. Erweiterungsflächen sowohl auf Ruster als auch auf St. Margarethner Hotter.

Die konkreten Erweiterungspläne betreffen den hellblau markierten Bereich.

Genau darin liegt der Bruch. Während der Park betont, dass noch nichts entschieden sei, sieht Rieder mit der Umwidmung eine Entwicklung, deren Ausmaß viele erst spät erkennen würden. „Das wirkt harmlos, ist es aber nicht“, sagt sie. Schon die Information der Umwidmung wurde laut Rieder heruntergespielt: „In der Zusendung ging es um die zwölfte Änderung des Flächenwidmungsplans. Das ist nicht unbedingt ein Publikumsrenner. Aufmerksam wurde darauf fast niemand.“ 

Bürgermeister ist begeistert

Ruster Bürgermeister Gerold Stagl (SPÖ) hingegen, begrüßt die Pläne. „Was dem Family Park Tourismus bringt, bringt ihn auch uns“, sagt er.  Die im September beschlossene Umwidmung versteht Stagl als formalen Beginn eines Prozesses, nicht als Vorentscheidung über konkrete Bauvorhaben. Bevor gebaut werden könne, müssten erst Bebauungsrichtlinien ausgearbeitet und von der Gemeinde beschlossen werden. Diese sollen festlegen, wie hoch, wie dicht und in welcher Form auf der Fläche gebaut werden darf. Mit einer entsprechenden Entscheidung rechnet Stagl erst gegen Ende März.

Für Sabine Rieder klingen diese Verfahren allerdings wenig beruhigend. Bei einer Gemeinderatssitzung am 15. Jänner sei erstmals konkret von einer bis zu 25 Meter hohen Achterbahn die Rede gewesen, sagt sie. „Die würde man sogar von Bratislava aus sehen“, meint Rieder. Für sie steht fest: „Es ist einfach nicht der richtige Ort für einen Freizeitpark.“

Märchenwald

Knotenpunkt B52

Was für Rieder mit Bauhöhen beginnt, zeigt sich für viele längst im täglichen Leben. Der Konflikt verlagert sich dorthin, wo der Family Park im Alltag spürbar ist – auf Arbeits- und Schulwegen, auf die B52. Vor allem an verlängerten Wochenenden und in den Sommerferien,  dann, wenn in Mörbisch „My Fair Lady“ oder im Steinbruch St. Margarethen „Tosca“ aufgeführt wird, schiebt sich der Verkehr über die Güter- und Nebenwege der Region. Ausflügler, Badegäste, Groß- und Kleinfamilien sowie Festspielbesucher kommen auf derselben Strecke zusammen.  

46-216663315

Für Rieder gibt es aber einen Unterschied: während See- und Opernfestspiele zeitlich begrenzt seien und der Verkehr meist erst am späten Nachmittag einsetze, sei der Family Park über Monate hinweg täglich geöffnet. „Der Verkehr beginnt hier nicht erst am Abend, sondern schon um 10 Uhr“, sagt sie. Der Park bestreitet nicht, dass Verkehr ein Problem ist, verweist aber darauf, dass Lösungen nur gemeinsam mit Land und Gemeinden gefunden werden können.  

Viele Offenen Fragen

Fest steht: Die Erweiterung des Family Parks steht an, die betroffenen Flächen gehören dem Betreiber. Offen ist jedoch, wie weit diese Entwicklung tatsächlich reichen wird. Über der Umwidmung liegt weiterhin der Masterplan, der nur den Rahmen absteckt – nicht das Ergebnis. Jede bauliche Maßnahme muss mit zahlreichen Stellen abgestimmt werden: von Gemeinde und Land über Umwelt- und Naturschutz bis hin zur UNESCO.

Der Park mag noch im Winterschlaf sein– seine Zukunft allerdings nicht. Spannend bleibt, welche Spuren sie im Ruster Hügelland ab Saisonbeginn hinterlassen wird.

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