4,3,2,1... Countdown für den Uhudler läuft

Nahaufnahme von blauen Trauben an einem Weinstock.
Er ist mal da, mal nicht, mal verboten, mal geduldet. Er ist trüb, riecht nach Waldbeeren und ist unverwechselbar. Er polarisiert seit Jahrzehnten.

Zusammenfassung

  • Uhudler steht erneut vor einer ungewissen Zukunft, da die Sondergenehmigungen für bestimmte Rebsorten 2030 auslaufen.
  • Die rechtliche Unterscheidung zwischen dauerhaft zugelassenen und nur geduldeten Sorten erschwert den Betrieben im Südburgenland die Planung.
  • Uhudler ist fest in der Region verankert und prägt das Selbstverständnis des Südburgenlands als eigenständiges Weinland.

Vier Jahre bleiben dem Uhudler noch – zumindest rechtlich. 2030 rückt näher, und im Südburgenland stellt sich erneut eine alte Frage: Wie viel Sonderfall darf sich ein Wein leisten? Sicher ist nur: Einer der eigenwilligsten Weine Österreichs steht wieder einmal zur Debatte.

Was den Uhudler so eigenwillig und besonders macht,  ist zugleich sein größtes Problem. Er passt nicht ins gängige System. Er ist kein Wein, der sich brav in bestehende Kategorien einordnet – und hat das auch nie getan. Seine Reben stammen nämlich nicht aus dem klassischen europäischen Weinbau, sondern kamen im 19. Jahrhundert aus Amerika nach Europa, als die Reblaus ganze Weingärten vernichtete. Eine Notlösung, die geblieben ist.

Zwei Gläser Roséwein vor blauem Himmel.

Uhudler ist nicht gleich Uhudler

Genau diese Herkunft wurde dem Uhudler lange zum Verhängnis. Die Reben galten als problematisch, der Wein als heikel. Zeitweise war der Uhudler ganz verboten, später nur geduldet. Heute darf er wieder eingeschenkt werden – allerdings nicht unter denselben Bedingungen.

Rechtlich ist Uhudler nämlich nicht gleich Uhudler. Vier Rebsorten sind im Burgenland dauerhaft zugelassen, andere dürfen nur über Ausnahmeregelungen angebaut werden. Für diese Sonderfälle läuft die Uhr: Mit 31. Dezember 2030 endet ihre Genehmigung. Ob sie verlängert wird – und wenn ja, wie –, ist offen. Genau hier beginnt jener politische und juristische Spielraum, der den Uhudler seit Jahrzehnten begleitet.

Isabella ist kein Wein

Für die Betriebe im Südburgenland bedeutet diese Unterscheidung vor allem eines: Planungssicherheit gibt es nur bedingt. Während Weingärten mit dauerhaft zugelassenen Sorten langfristig abgesichert sind, bleibt bei anderen Reben ein Fragezeichen. Investitionen, Neuauspflanzungen oder auch Betriebsübergaben werden damit schnell zu juristischen Abwägungen – und nicht nur zu einer Frage des Geschmacks.

Sorten wie Isabella, Noah oder Othello gehören zwar zur Geschichte des Uhudlers, gelten rechtlich jedoch nicht als Wein, sondern als Obstwein. Der Grund liegt in ihrer Herkunft: Der notwendige Nachweis einer Nähe zur europäischen Rebe Vitis vinifera fehlt. Ohne diesen Nachweis bleibt auch der Zugang zum EU-Weinrecht – und damit zum offiziellen Weinstatus – versperrt.

Eine Person zapft Roséwein aus einem Edelstahltank in ein Glas.
Die Winzer des Uhudlervereins wollen ihren Uhudler als Obstwein deklarieren und so auch nach 2030 erhalten

"Unsere Einstiegsdroge"

Stefan Wiener ist Winzer in Eltendorf (Bezirk Jennersdorf). Der Uhudler begleitet seinen Betrieb seit Jahren – inklusive aller Diskussionen, die man mit ihm schlucken muss. „Der Uhudler ist unser Markenzeichen, sozusagen unsere Einstiegsdroge“, sagt Wiener.

In seinen Weingärten wachsen die „magischen Vier“ – die dauerhaft zugelassenen Rebsorten Concord, Delaware, Elvira und Ripatella. Damit ist Wiener auch über 2030 hinaus auf der sicheren Seite. Trotzdem hofft er auf mehr: „Ich glaube ganz stark an die Politik. Vielleicht geht es für den Uhudler noch einen Schritt weiter –und er wird zu einem öste

Das Uhudler-Land

Wiener ist mit dieser Sichtweise nicht allein. Auch der Uhudler-Verein sieht den Wein fest in der Region verankert. Laut Obmann Harald Kaiser zählt der Verein derzeit rund 320 Mitglieder – ein Hinweis darauf, welche Bedeutung der Uhudler im Südburgenland hat. Neben Winzern engagieren sich auch Gastronomen, private Kellerbesitzer und Unterstützer aus der Region.

Für Wiener stellt sich damit vor allem eine Frage: Wie sichtbar diese Bedeutung künftig wird. „Das ganze Südburgenland steht hinter einem Getränk – und hinter diesem Lebensstil“, sagt er. Vorstellbar wäre für ihn, dass die Region künftig stärker als das Uhudler-Land wahrgenommen wird – vergleichbar mit dem steirischen Schilcherland. 

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