Nach Steinbruch-Schließungen: Greenpeace warnt vor massiver Asbestbelastung

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Bei der Klinik Oberwart und dem Skatepark Rechnitz enthielten Proben teils über 50 Prozent Asbest so die Umweltorganisation. Land beruhigt, will aber dennoch eine Taskforce einsetzen.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat an mehreren Orten im Südburgenland eine massive Belastung mit krebserregenden Asbestfasern festgestellt. 

Betroffen sind unter anderem die Klinik Oberwart, der Skatepark Rechnitz und eine Einfamilienhaussiedlung in Neumarkt im Tauchental. Analysierte Materialproben enthielten einen Asbestgehalt von teilweise über 50 Prozent, berichtete Greenpeace am Freitag. Schon ab einem Anteil von 0,1 Prozent spricht man von gefährlichem Abfall.

Greenpeace fordert Sperren

Zum Schutz der Bevölkerung forderte Greenpeace, die stark belasteten Flächen sofort zu sperren. Durch Abrieb, Verkehr oder Bauarbeiten würden nämlich besonders viele schädliche Fasern freigesetzt. Schon geringe Mengen können gesundheitsschädlich sein, betonte Stefan Stadler, Sprecher des Investigativ-Teams bei Greenpeace: "In Oberwart liegt asbestbelasteter Schotter direkt bei der Klinik, in Rechnitz fahren Kinder mit Fahrrädern, Scootern und Skateboard über asbestverseuchten Asphalt. Das ist Gefahr im Verzug."

In Oberwart wurde nicht nur bei der Klinik eine Asbestbelastung festgestellt, sondern auch bei der Baustelle dahinter, beim Rathaus und bei einer Baustelle im Gewerbepark. In Rechnitz war neben dem Skatepark auch die Rettungseinfahrt betroffen und in Neumarkt im Tauchental eine Baustelle und eine Schotterstraße nahe eines Spielplatzes in einer neu gebauten Einfamilienhaussiedlung.

Belastendes Material aus Steinbrüchen

Stammen dürfte das belastete Material aus Serpentinit-Steinbrüchen in der Region. Dass dort asbesthaltiges Gestein abgebaut und verkauft werde, sei den Behörden und der Politik seit Jahrzehnten bekannt, kritisierte Greenpeace. Dennoch seien vier Steinbrüche erst Anfang Jänner gesperrt worden.

Schon 2008 habe einer von ihnen asbestbelasteten Streusplitt zurückrufen müssen. Dennoch hätten die burgenländischen Behörden den Abbau weiter genehmigt und Erweiterungen erlaubt. "Es ist schockierend, wie die Behörden hier über Jahrzehnte versagt haben", betonte Stadler. Jahrelang seien Streusplitt, Schotter, Sand und Asphalt aus den Steinbrüchen in Umlauf gebracht worden. Deshalb sei davon auszugehen, dass weite Teile der Straßen, Bankette und Feldwege sowie Schotterfundamente im Umkreis hochgradig mit Asbest verseucht seien, meinte er.

Tremolit kann schwere Erkrankungen verursachen

Greenpeace sieht die Behörden in der Pflicht, eine weitere Verbreitung des asbestbelasteten Materials zu verhindern. Außerdem müsse erhoben werden, wo überall asbesthaltiges Gestein eingesetzt wurde, insbesondere bei kritischen Orten wie Spielplätzen, Freizeitparks, Kindergärten, Schulen und Krankeneinrichtungen.

Die im Burgenland gefundene Asbest-Art Tremolit bildet laut Umweltmedizinerin Daniela Haluza langlebige Fasern, die beim Einatmen tief in die Lunge gelangen und sich dort festsetzen. So können schwere Erkrankungen wie Asbestose, Lungenkrebs oder bösartige Tumore des Brustfells entstehen.

Auf Basis bisheriger medizinischer Einschätzungen bestehe „keine akute Gesundheitsgefährdung für die Bevölkerung“, hieß es am Nachmittag aus dem Landhaus in Eisenstadt. 

Land sieht keine akute Gefahr: "Sachlich bleiben"

Für die Beurteilung sei „ausschließlich eine mögliche Belastung der Luft relevant, nicht der Nachweis von Asbest im Material“, beruft sich das Land auf Umweltmediziner Hans-Peter Hutter und richtet eine „Taskforce“ zur Abklärung der Luftqualität ein.

Greenpeace solle die Ergebnisse „vollständig zur Verfügung stellen, um eine fachliche Prüfung“ zu ermöglichen. „Wir nehmen jede Information, die eine potenzielle Gesundheitsgefährdung betreffen könnte, sehr ernst“, so LH Hans Peter Doskozil (SPÖ).  Gleichzeitig sei es „wichtig, sachlich zu bleiben“. 

Am Montag soll es im Rahmen einer Pressekonferenz weitere Informationen geben.

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