"Ich fühle mich nicht als Verlierer"

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Foto: /georg gesellmann Patrizia Schmikal ist 20 Jahre jung und arbeitslos. Der große Braune mit Zucker schmeckt ihr und Kipferl will sie selbst machen 

Patrizia Schmikal aus Eisenstadt ist seit Mitte November arbeitslos.

Die 20-Jährige spricht im KURIER-Interview über ihren Tagesablauf, der derzeit sehr eintönig ist. Aber auch darüber, was sie von der Politik hält, über ihre Zukunft und warum sie und ihre Freunde lieber zu Hause bleiben als auszugehen. Den Kopf lässt sie trotzdem nicht hängen.

KURIER: Sie haben sich kürzlich beim AMS beschwert, worüber eigentlich?

Patrizia Schmikal: Eine AMS-Mitarbeiterin war ziemlich unfreundlich zu mir. Ich bin direkt zum Geschäftsstellenleiter gegangen. Mir wurde Recht gegeben und die Sache ist nun ausgeräumt.

Was glauben Sie, woran es liegt, dass Sie keinen Job bekommen?

Beim vorherigen Lehrherrn konnte ich nicht bleiben, weil es Streitereien gegeben hat. Außerdem hat die Konditorei zugesperrt. Und als Konditor ist es ziemlich schwierig etwas zu finden. Es gibt kaum Konditoren, die das noch wirklich handwerklich machen. Und ich will nicht vor der Maschine stehen und fertige Kipferl hineinschieben.

Wie schaut Ihr derzeitiger Tagesablauf aus?

Leider sehr eintönig. Mir wird zu Hause schon richtig fad. Ich führe den Haushalt, wasche die Wäsche und putze. Aber das ist auch nicht unbedingt ausfüllend.

Mit wie viel Geld müssen Sie monatlich auskommen bzw. wie oft gehen Sie shoppen?

Es sind so um die 500 Euro. Hätte ich meinen Verlobten nicht, dann könnte ich mir die Wohnung nicht leisten. Und shoppen geh’ ich wenig, es freut mich auch nicht. Ob ich jetzt viel oder wenig Geld hätte.

Fühlen Sie sich als Verliererin der Gesellschaft?

Als Verliererin? Nein, das würde ich nicht direkt sagen. Es könnte natürlich besser sein, aber auch schlechter.

Genieren Sie sich, dass sie arbeitslos sind?

Nein. Es ist ja nicht meine Schuld, dass ich arbeitslos bin. Und ich bemüh’ mich ja, dass ich wieder etwas finde. Ich kann ja nichts dafür, dass mein Lehrherr zugesperrt hat.

Sie finden keine Arbeit im Burgenland. Wären Sie bereit eine längere Anreise in Kauf zu nehmen bzw. haben Sie schon einmal darüber nachgedacht woanders ihr Glück zu finden?

Natürlich, aber für mich ist es ziemlich schwierig, woanders hinzukommen. Ich hab’ noch kein Auto und öffentliche Verkehrsmittel sind hier dünn gestreut. Es ist verdammt schwierig nach Wien oder Wr. Neustadt zu kommen.

Wären Sie zu einer Umschulung bereit?

Unter Umständen, ja. Denn wenn ich gar nichts finde, wird mir auch nichts anderes übrig bleiben. Aber ich will doch als Konditor arbeiten!

Würden Sie jeden Job annehmen, oder gibt es für Sie Grenzen?

Es gibt Grenzen, denn ich kann nicht alles. Aber im Prinzip würde ich auch putzen gehen.

Was macht das Burgenland so interessant bzw. warum wollen Sie nicht woanders leben?

Arbeiten woanders ja, aber leben will ich im Burgenland. Wohnen in Wien, das wäre nichts für mich, ist ja doch eine große Stadt und das mag ich überhaupt nicht.

Sie leben in Eisenstadt. Eine Stadt zum Leben?

Auf jeden Fall. Die Leute sind hier sehr freundlich. Wenn man ein Problem hat, so kann man doch mit den meisten vernünftig darüber reden. Mir taugt es nicht direkt mitten in der Stadt zu sein, aber auch nicht komplett draußen am Land. Für mich ist das die perfekte Mischung.

Gibt es für Sie hier Möglichkeiten, die Freizeit zu gestalten?

Es gibt die Möglichkeiten. Doch für mich und meinem Freundeskreis ist es ein wenig schwierig. Zum Fortgehen gibt es relativ wenig. Daher bleiben wir zu Hause.

Interessiert Sie Politik, im speziellen die burgenländische?

Njein. Sagen wir so: Wenn es Wahlen gibt interessiere ich mich schon dafür. Aber dass ich ständig am Laufenden wäre, das könnte ich nicht sagen.

Ist die Politik zu fad?

Teilweise, sie ist ziemlich trocken. Leider.

Kennen Sie burgenländische Politiker persönlich? Hat Ihnen schon wer die Hand geschüttelt?

Durch meinen Vater treff’ ich öfter Politiker. Aber das ist nicht Gott und die Welt, die ich kenne. Und Händeschütteln? Naja.

Gehen Sie zur Wahl am 31. Mai?

Ja. Weil, wenn ich nicht wählen gehe, dann bringt es auch nichts. Und wenn ich etwas mitbewirken will, dann muss ich auch etwas dazu beitragen. Ob es etwas bringt, ist wiederum eine andere Sache.

Ein Traum, ein Leben. In diesem Drama von Grillparzer geht es um Träume und Wirklichkeit. Welchen Traum haben Sie?

Mein großes Ziel ist es, in meiner Konditorei zu arbeiten. Ob es möglich sein wird, das ist eine andere Frage.

(kurier) Erstellt am
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