HTL Pinkafeld: Togo stand am Stundenplan

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Foto: manfred imre Austauschlehrer: Solè Kossi Komla Assogba brachte den HTL-Schülern sein Heimatland näher. Der 41-Jährige war von Österreich sehr angetan.

Eine Woche gehörte Solè Kossi Komla Assogba aus Togo zum Lehrkörper. Er berichtete von Schule, Land und Leuten.

In meiner Klasse sind bis zu 100 Schüler." Offene Münder und staunende Blicke sind die Folge. Gespannt lauscht der dritte Jahrgang Elektrotechnik der HTL Pinkafeld den Worten.

Der Mann, der diese spricht, hört auf den klingenden Namen Solè Kossi Komla Assogba und kommt aus Togo, einem kleinen Land in Westafrika.

Sein Deutsch ist ausgezeichnet, kein Wunder, unterrichtet der 41-Jährige das Fach doch an einer Schule in der Hauptstadt Lomé. Eine Woche weilte Assogba zum Austausch im Südburgenland – ermöglicht durch das Projekt "SuGAR" (Schule und Gesellschaft: Aktion und Reflexion). Seit zehn Jahren an der HTL in Pinkafeld etabliert.

Vize-Rektor

Arzt wollte er zunächst werden, nach Deutschland gehen, deshalb wurde die Fremdsprache gewählt. Maturiert wurde an einer literarischen Schule, danach studiert.

Doch es sollte anders kommen, seit 14 Jahren ist er Lehrer, vor einem Monat sogar zum Vize-Rektor aufgestiegen. "Dann bin ich für die gesamte Organisation verantwortlich, erstelle die Stundenpläne." 3000 Schüler zählt die Einrichtung – Hauptschule und Gymnasium als Kombination. In 25 Klassen kommen 45 Lehrer zum Einsatz.

"Ich bin in Österreich, um zu sehen, wie hier unterrichtet wird und nehme dann die Methoden mit nach Hause", erzählt Assogba im KURIER-Gespräch. Einen eigenen Computer besitzt er nicht, das nahe Internet-Café wird besucht. "Es fehlt  vor allem an Büchern und Unterrichtsmaterialien. Auch haben wir keine Toiletten."  Die Kinder würden trotz aller Widrigkeiten gerne  zur Schule gehen, denn nur durch eine gute Ausbildung sei die Chance auf einen Job gegeben. Die Arbeitslosigkeit sei ein Problem, staatliche Betriebe sind so gut wie  nicht vorhanden.

"Wir legen großen Wert auf Disziplin, alle tragen Uniform. Essen und Trinken ist im Unterricht nicht erlaubt, Händchenhalten oder gar Küssen ist am Schulhof verboten", schildert der 41-jährige Vater einen kleinen Tochter. "Auch gibt es bei uns kein Supplieren, ich muss meine Stunden in den Ferien nachholen, sonst bekomme ich keinen Lohn."

Schnee

Österreich gefällt, nur Dialekt und Wetter machen zu schaffen. "Ich habe nur offene Menschen getroffen, sehr gastfreundlich. Jeder Lehrer an der Schule ist auf mich zugekommen."

Der schönste Moment? "Da gibt es mehrere, etwa in Graz, als wir vom Uhrturm aus über die ganze Stadt geschaut haben. Aber einer war ganz besonders: Wir waren in Mönichkirchen, ich habe zum ersten Mal Schnee gesehen. Und ihn auch angegriffen."

Soziales Fachwissen und Handeln im Einklang

Seit mehr als zehn Jahren werden an der Höheren Technischen Bundeslehr- und Versuchsanstalt  Pinkafeld verschiedenste Initiativen in den Bereichen Umwelt, Soziales, Interkulturell oder Gender gesetzt. Unter dem Projekttitel "SuGAR" (Schule und Gesellschaft: Aktion und Reflexion) werden diese koordiniert, die Leitung hat Ulrich Spener inne.

"Auch die Unverbindliche Übung ,Soziales Handeln" zählt dazu", erklärt Spener. Abteilungs- und Klassenübergreifend  wird diese von Schülern besucht. Derzeit zählt die Gruppe 13 Mitglieder. "Wir wollen, dass die Teilnehmer neben der technisch-fachlichen eine zusätzliche Ausbildung erhalten. Das ist wichtig für die Charakterbildung", betont Spener.

Die Schwerpunkte 2012 bilden ein gemeinsames Projekt mit einer kroatischen Schule sowie Afrika-Tage.

"Weltoffenheit steht im Vordergrund, dass man Verständnis und Verantwortung hat, das wollen wir den Schülern näherbringen", betont Dan Jakubowicz, der ebenfalls "Soziales Handeln" unterrichtet. "Die Mädchen und Burschen sollen sich für ihre Umwelt interessieren und sehen, dass es nicht nur Österreich gibt, sondern andere Länder auch."

Seit dem heurigen Jahr sind auch Nikolas Benkö aus Oberwart und Alice Richter aus Stegersbach mit von der Partie. "Wir wollen vor allem mehr über fremde Kulturen erfahren", sagen die  beiden Erstklässler unisono.

Kleines Land im Westen Afrikas

Lehrermangel Togo ist ein Staat in Westafrika, am Golf von Guinea gelegen. Die Hauptstadt ist Lomé. Auf einer Fläche von 56.785 km² leben rund 6,6 Millionen Einwohner. Amtssprache ist  Französisch. Die Schulpflicht beträgt sechs Jahre. Das Bildungswesen leidet unter Lehrermangel, geringerer Qualität im ländlichen Raum sowie hohen  Abbruchraten. Die Analphabetenquote betrug 2003 noch 46,8 Prozent.

Sport Traditioneller Nationalsport ist der Ringkampf, ebenfalls eine bedeutende Rolle kommt dem Fußball zu. Die Nationalmannschaft nahm bereits mehrmals an Afrikameisterschaften teil. 2006 konnte man sich für die WM in Deutschland qualifizieren, scheiterte jedoch bereits in der Vorrunde.

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(kurier) Erstellt am
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