"Haydn-Arbeit" für viele Hände

Das Haydn-Haus Eisenstadt, das einstige Wohnhaus von Joseph Haydn, zeigt in der aktuellen Sonderausstellung "Eine Haydn-Arbeit" das Handwerk der Kopisten und die Verbreitung von Haydns Noten in die ganze Welt
Foto: Tamara Gmaschich Beim Vervielfachen unterliefen auch Fehler, aus Esterházy wurde Esterhazzy. Alle Prozesse ums Komponieren gliedern sich in drei Bereiche

Sonderausstellung: Auch ohne moderne Drucktechnik erreichten die Noten des Komponisten ganz Europa. Wie, zeigt das Haydn-Haus Eisenstadt.

Ein Heidenspaß sei es nicht gewesen, was sich da einst im Erdgeschoß des Haydn-Hauses in Eisenstadt abgespielt hat. Ging es doch um das Vervielfältigen der autographen Noten aus der Feder des Hausherren – freilich nicht mit modernen Druckverfahren. Per Hand ging die Zunft der sogenannten Kopisten ans Werk, Joseph Haydn zum meistverlegten Komponisten seiner Zeit zu machen. Tausende seiner Werke seien bereits zu seinen Lebzeiten in verschiedenen Musikverlagen erschienen, berichtete Kulturlandesrat Helmut Bieler am Ort des Geschehens.

Die dafür nötigen Arbeitsprozesse, sprichwörtlich eine "Haydn-Arbeit", veranschaulicht unter diesem Titel die diesjährige Sonderausstellung im einstigen Haus des Virtuosen, in dem er ab 1766 zwölf Jahre lang wohnte und wirkte. Die Idee dazu stammt von Gerhard Winkler, gemeinsam mit dem wissenschaftlichen Leiter des Haydn-Hauses kuratiert Theresia Gabriel die Schau, die die Grafikerin Heidi Vukovits gestaltet hat und die sich im wesentlichen in drei Teile gliedert.

Kopisten

Im ersten Bereich stehen vor allem die Kopisten selbst, also quasi die menschlichen Kopierer, im Mittelpunkt, darunter Joseph Elßler, Vater der Tänzerin Fanny Elßler, Leopold Dichtler und Johann Schellinger. Hände waren viele nötig, immerhin wurde für ganz Europa produziert – trotz einer Exklusivitätsklausel im Dienstvertrag Haydns beim Fürsten Esterházy. Dieser habe aber die unerlaubte Verbreitung "geduldet oder ignoriert", weiß Gabriel. Den damals vorhandenen Produktionsmöglichkeiten, die keine großen Auflagen zuließen, wird anhand von Notenstechwerkzeugen, Druckplatten oder einer Notendruckpresse aus dem technischen Museum in Wien – sie stand aber erst in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts zur Verfügung – Platz eingeräumt. Dass sich dabei mancher Fehler eingeschlichen hat, dokumentieren mangelhafte Notendrucke.

Wie das Verlagswesen ohne Copyright oder Tantiemen für den Künstler vonstatten ging, zeigt der dritte Bereich.  So ist ein und dasselbe Werk gleich mehrfach erschienen, im Fall von Haydns Pariser Sinfonien bei sechs Verlagen.

Zu den Schmankerln der Sonderschau zählen ein Entwurfkatalog Haydns sowie das autographe Opernpasticcio "Alessandro il Grande" von Schellinger, beides Leihgaben aus der Sammlung der Musikfreunde in Wien.

Neues hat sich auch im Bereich der Dauerausstellung getan, Haydns Streichquartette op. 17 und 20 und seine Oratorien "Die Schöpfung" und "Die Jahreszeiten" werden dort beleuchtet.

 

Infos

Bis 11. Nov., Haydn-Haus Eisenstadt, J. Haydn-G. 19 u. 21: bis 31. Mai, Di. bis So. u. Ftg., 9–17 Uhr, 1. Juni bis 30. Sept., Mo. bis So u. Ftg., 9–17 Uhr, 1. Okt. bis 11. Nov., Di. bis So & Ftg., 9  bis 17 Uhr; 4 €, erm. 3,50 €, Fam. 9 €, Kuratorenführung am 13. 5. und 9. 9., 5 €;  02682 / 719-3900, Info auf www.haydnhaus.at

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(kurier) Erstellt am
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