Wer soll das übernehmen? Wann ein Betrieb seine Identität verliert
Wie viele Einzelteile kann man austauschen, bis die ursprüngliche Identität verloren gegangen ist? Was sich schon die alten Griechen fragten, beschäftigt auch so manchen Geschäftstreibenden im heutigen Burgenland. In der Antike war es das Schiff des Theseus, bei dem nach und nach alle Teile ausgetauscht wurden. Ist es noch das selbe Schiff, oder etwas Neues?
Beim Wulkaprodersdorfer Müllverwertungsbetrieb Hackl wurde vor drei Jahren eine ganz wesentliche Komponente ausgetauscht: Die Führung.
Nachdem die massiv verschuldete Firma in die Insolvenz geschlittert war, wurde sie von einem international tätigen Unternehmen aus Niederösterreich „geschluckt“ (siehe Artikel oben). Wie die Geschäfte in Wulkaprodersdorf seither geführt werden, stößt beim ehemaligen Firmenchef nicht gerade auf Zuspruch – gelinde ausgedrückt. In der Region ist man andererseits froh, dass viele Jobs gerettet werden konnten – das Entsorgungsunternehmen ist mit rund 70 Beschäftigten kein unwesentlicher Arbeitgeber.
Leben ist Veränderung
Dass Abläufe angepasst, Arbeitsschritte effizienter werden müssen, um als Unternehmen wettbewerbsfähig und profitabel zu bleiben, sollte niemanden überraschen – auch wenn der Ex-Chef moniert, dass die persönliche Note abhanden gekommen sei.
So wie Oswald Hackl geht es vielen „alteingesessenen“ Geschäftsleuten im Burgenland. Das Paradebeispiel sind Wirtshäuser, die niemand übernehmen will. Aber immer wieder finden sich doch junge Menschen, die mit frischen Ideen alten Institutionen neues Leben einhauchen.
Beim nordburgenländischen Entsorgungsbetrieb mag das Familiäre verloren gegangen sein – dafür scheint das wirtschaftliche Überleben gesichert.
Das eingangs erwähnte Theseus-Paradoxon lässt sich auch so deuten: Mit einem rundum erneuerten Schiff segelt es sich sicherer in Richtung Zukunft.
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