Nach der Hackl-Insolvenz: Ex-Chef ist mit neuer Führung unzufrieden
Von Johanna Worel
Die weißen Lkw rollen weiter durch Wulkaprodersdorf. Sie biegen an denselben Kreuzungen ab und stehen frühmorgens wieder auf dem Gelände. Der Alltag hat sich kaum verändert – zumindest nach außen. Und doch fehlt etwas: der Name, der hier jahrzehntelang selbstverständlich war.
Wo früher „Hackl Entsorgung“ stand, befindet sich heute das grün-graue Logo von „Brantner Green Solutions". Die Arbeit geht weiter – aber anders.
Der Grund dafür liegt ein paar Jahre zurück. Ende 2021 musste Hackl Insolvenz anmelden. Noch wenige Monate vor dem Verkauf habe man geglaubt, mit finanzieller Unterstützung weitermachen zu können. Was folgte, war kein schleichender Übergang, sondern ein abrupter Bruch. „Es tut weh“, sagt Oswald Hackl. „Wenn man über Jahrzehnte weiß, was man den Rest seines Lebens machen wird – und dann ist es von einem Tag auf den anderen weg.“
Am meisten habe den Ex-Firmenchef das Thema Mitarbeiter belastet. Der Betrieb habe von Menschen gelebt, die lange geblieben sind, von eingespielten Abläufen, von Vertrauen erzählt er.
Kompletter Neuanfang
Die Lösung kam aus Niederösterreich. Brantner kaufte den Betrieb im Rahmen eines Insolvenzverfahrens aus der Masse. Keine klassische Übernahme, kein Weiterführen des Alten, kein „Hackl 2.0“. Stattdessen ein Neubeginn auf Basis ausgewählter Strukturen: Standort, Belegschaft, Know-how. Der Name verschwand. Geblieben sind der Ort, die Hallen, die Maschinen.
„Unsere erste Priorität galt den Mitarbeitenden, die schwere Zeiten durchlebt hatten“, sagt Josef Scheidl, Geschäftsführer von Brantner Green Solutions. Ziel sei es nicht gewesen, das Unternehmen Hackl zu reformieren, sondern die Belegschaft in die Strukturen von Brantner zu integrieren. Wulkaprodersdorf wurde Teil eines größeren Systems, mit neuen Abläufen und anderer Philosophie.
Aus „Hackl“ wurde „Brantner“: Das Werk in Wulkaprodersdorf aus der Luft.
Mit der Übernahme änderte sich auch die Arbeitsweise. Während Hackl als eigenständiger Familienbetrieb stark vom Standort aus gedacht war, ist die Anlage in Wulkaprodersdorf heute Teil eines überregionalen Netzwerks. Abläufe wurden vereinheitlicht, Prozesse standardisiert, Entscheidungen gebündelt. Für die Region bedeutet das Stabilität – für den Betrieb den Abschied von jener Eigenständigkeit, die Hackl über Jahrzehnte geprägt hatte.
"Betrieb war Verantwortungsträger"
„Der Betrieb war über Jahrzehnte Teil der Region. Wir waren nicht nur Dienstleister, sondern auch Arbeitgeber, Ansprechpartner, Verantwortungsträger“, sagt Hackl.
Dass Oswald Hackl heute von außen auf den Betrieb blickt, den er über Jahrzehnte geleitet hat, fällt ihm schwer. Die Rettung habe Arbeitsplätze gesichert und dem Standort Stabilität gegeben, sagt er. Zufrieden sei er mit dem, was daraus geworden ist, dennoch nicht.
Nicht wegen einzelner Entscheidungen. Sondern weil vieles von dem, wofür Hackl gestanden ist, keinen Platz mehr habe. „Die Arbeit wird gemacht – aber nicht in dem Sinn, in dem wir den Betrieb aufgebaut und verstanden haben.“
War es bei Hackl die persönliche Note, auf die er Wert gelegt hat, so ist es bei Brantner vor allem die Wandlungsfähigkeit: Die Firma war zunächst Taxiunternehmen, Reiseveranstalter, dann Transportbetrieb, bis hin zum Entsorger und Kreislaufwirtschaftsunternehmen.
Neue Identität
Der Fall Hackl zeigt damit eine Entwicklung, die im Burgenland immer öfter zu beobachten ist. Überleben ist heute oft nur möglich, wenn Unternehmen Teil größerer Systeme werden. Gerettet werden Arbeitsplätze und Infrastruktur. Was verloren geht, ist häufig das, was einen Betrieb über Jahrzehnte getragen hat.
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