© Thomas Orovits

Chronik Burgenland
11/19/2020

U-Ausschuss: "Gott weiß alles, Pucher weiß es besser"

Ex-Aufsichtsratsvize Ernst Zimmermann kam am Donnerstag als Einziger in den Ausschuss zur Commerzialbank.

von Thomas Orovits

Von den am Donnerstag geladenen vier ehemaligen Aufsichtsräten der Commerzialbank Mattersburg AG ist einzig Ernst Zimmermann vor dem Untersuchungsausschuss erschienen. Der 65-jährige Unternehmer, dessen Zimmereifirma mittlerweile von den Söhnen geführt wird (Zimmermann sen. ist seit Jänner operativ nicht mehr tätig) und infolge der Bankpleite Insolvenz anmelden musste, begann mit einer persönlichen Erklärung.

Darin beklagte sich Zimmermann darüber, dass man "einem Betrüger, der sogar seine eigene Familie 40 Jahre" hinters Licht geführt habe, mehr glaube als ihm, Zimmermann. Ohne den Namen auszusprechen, meinte er offenkundig Ex-Bankvorstand Martin Pucher. Beide werden von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) im Ermittlungsverfahren als Beschuldigte geführt.

Zimmermann stellte auch klar, dass er nie Mitglied der ÖVP war, seit 1969 sei er außerordentliches Mitglied des ÖVP-Wirtschaftsbundes. Und: Bei der Commerzialbank sei er immer nur "3. Stellvertreter des Aufsichtsratsvorsitzenden" gewesen. Als solcher habe er sich die "Bilanzen angeschaut", Gewinn und Personalkosten hätten sich in der Bilanz widergespiegelt, für ihn sei nichts auffällig gewesen. Seine Entschädigung als Aufsichtsrat pro Monat: 850 Euro.

Im Morgengrauen

Von den Malversationen in der Bank wisse er erst seit 15. Juli nach der Schließung der Bank, sagte Zimmermann, der von Anbeginn der Commerzialbank Mitte der 1990-er Jahre im Aufsichtsrat saß. Ab 1992 war er im Aufsichtsrat der regionalen Raiffeisenbank, aus der Pucher seine Commerzialbank gegründet hatte. Von der Schließung der Bank erfuhr er durch eine Whats-App-Nachricht seines Sohnes, am 15. Juli um 4.30 Uhr.

Über den Ablauf der Aufsichtsratssitzungen, die eher vier- als sechsmal jährlich stattgefunden haben, erzählte Zimmermann nichts Neues: Pucher habe die Sitzungen bestimmt, wenn man nachgefragt habe, gab es einen "gewaltigen Rüffel" vom Bankchef, über den ein früherer Bezirkshauptmann gesagt habe: "Gott weiß alles, aber Pucher weiß es besser".

Im Übrigen habe er sich über die Aufgaben von Aufsichtsrtäten kundig gemacht: "Wir können sicher nicht Bilanzen im Detail prüfen. Wir bestimmen den Prüfer", so Zimmermann.

Von der Nationalbank fühlte sich Zimmermann ungenügend informiert, etwa was die 65 Beanstandungen durch FMA und ÖNB 2015 betraf.

Zu den Behauptungen Puchers im Ermittlungsverfahren über Bargeld-Übergaben in Millionenhöhe wollte Zimmermann nichts sagen. Er sei bisher weder von der WKStA noch vom Landeskriminalamt einvernommen worden.

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