Gasthaus ohne Gastgeber

Immer mehr Gastwirte finden keine Nachfolger und sperren zu © Bild: APA/HERBERT NEUBAUER

Nachwuchs will nicht übernehmen, immer mehr Ungarn werden Chefs.

Nach 46 Dienstjahren in der Gastronomie reicht es Walter Peter Steiger. 37 Jahre war er die gute Seele im Wirtshaus „Zum Eder“ in der Fuzo in Eisenstadt. Die letzten neun Jahre hat er das Café Central gepachtet, ohne Ruhetag. „Meine Frau und ich hatten jeden Tag geöffnet und das geht an die Substanz“, sagt Steiger im KURIER-Gespräch. Die beiden wollen nicht krank den wohlverdienten Ruhestand verbringen. An ein Weiterführen des Cafes durch seine beiden Töchter war nicht zu denken. „Wirt zu sein ist nicht so attraktiv, wie es einmal war.“ Außerdem habe die ältere Tochter studiert, einen guten Job und die jüngere zwei Kinder.

Der Spartenobmann für Gastronomie und Tourismus, Franz Perner, gibt Steiger Recht: „Die Strukturbereinigung, von der seit 20 Jahren gesprochen wird, geht jetzt über die Bühne.“ Es gebe ganz einfach keine Nachfolger. Die Kinder der Wirte seien sehr gut ausgebildet und „wollen sich das nicht mehr antun“. Relativ wenig Gewinn, kinder- und familienfeindliche Arbeitsbedingungen – und viele Auflagen der Behörde.

Angefangen habe es vor Jahren, als für die Gasthäuser die Fettabscheider (trennen Fette und Öle vom Abwasser) zur Pflicht wurden, so Perner. Und vor allem seien die Sachverständigen im Burgenland besonders genau. „Wenn ich mich in anderen Bundesländern umsehe, schaut das anders aus.“

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© Bild: grafik

Während die Burgenländer eher die Lust verlieren einen Gastronomiebetrieb zu übernehmen oder zu führen, zeigen die Ungarn ein höheres Engagement. 30 Prozent der Betriebe werden von ehemaligen ungarischen Mitarbeitern weitergeführt. „Weil die Ungarn eine Chance sehen erfolgreich zu sein“, meint Perner.

Vor Jahrzehnten stellte sich die Situation anders dar. 1960 bis Mitte der 1970-er Jahre zog es viele Burgenländer nach Vorarlberg oder in die Schweiz. „Nicht nur als Kellner, sondern sie führten auch Betriebe“, weiß Perner.

Das Gasthaussterben wird sich vermutlich fortsetzen, befürchtet der Spartenobmann. Gab es im Burgenland 2001 493 Gasthäuser, so waren es zwölf Jahre später nur noch 397 (siehe auch Grafik).

Übrigens: Am 17. März übernehmen eine junge Steirerin und ein junger Kärntner das Café Central in Eisenstadt. Derzeit wird fleißig umgebaut.

Erstellt am 09.03.2014