Frostiges Klima in Erdbeergemeinde

Wiesen: Gemeinderatsmitglied Bernhardt wirft Bürgermeister Weghofer diktatorisches Verhalten vor. Der wehrt sich natürlich.

Wenn man dem Wiesener Gemeinderatsmitglied Rudolf Bernhardt Glauben schenken darf, dann herrscht in der Erdbeergemeinde "Eiskastenklima". Vor allem am Bürgermeister Matthias Weghofer lässt der Sprecher der Unabhängigen Liste Wiesen (ULW, mit drei Mandaten im Gemeinderat vertreten) kein gutes Haar.

"Er regiert wie ein Diktator", sagt Bernhardt, "tut was er will und glaubt, ihm gehöre die Gemeinde". Obwohl seit der letzten Gemeinderatswahl mehrere Mandatare ihren Job hingeworfen hätten und "er daraus nichts lernt". Wiesen sei einmal eine Vorzeigegemeinde gewesen mit modernem Kanalnetz, neuer Turnhalle oder auch das Vereinswesen sei herzeigbar gewesen. "Und heute?" fragt Bernhardt: "Alles bricht zusammen."

"Wahnsinn"

Die Diskussionen rund um das geplante Feuerwehrhaus in der Nähe des Rathauses kommen Rudolf Bernhardt gerade recht. Dieses Projekt sei "überhaupt nicht durchgedacht". Es sei ein "Wahnsinn", dass zwischen den Einfahrtstoren des Feuerwehrhauses und dem Gehsteig "nur" 7,80 bzw. 9,60 Meter lägen. Bernhardt plädiert für zwei andere Standorte und zwar am Bauhof bzw. beim alten Gasthaus Wohlfarth, das in der Nähe der Kläranlage liegt. Über die Finanzierung macht sich der Chef der Bürgerliste seine Gedanken: "Wenn der Bürgermeister weniger Geld für Eigenwerbung ausgäbe, wie er das in den letzten Jahren getan hatte, könnten wir mit dem Geld locker ein Feuerwehrhaus bauen."

Auch über die Volksschuldirektorin mokiert sich der Bürgerlisten-Chef. Wie der KURIER berichtete, hat Bürgermeister Weghofer eine Resolution an Landtagspräsidenten Gerhard Steier übergeben, in der die Gemeinde Wiesen - als Schulerhalter - die Abberufung und Versetzung der Schulleiterin fordert. Bernhardt hingegen befürchtet, dass die Politik zu wenig gegen die Direktorin unternehme, und daher schlage er vor, eine private Volksschule zu installieren.

Entgegnung

Bürgermeister Matthias Weghofer von der ÖVP weist sämtliche Vorwürfe zurück: "Dieser Herr kann ja eins und eins nicht zusammenzählen." Weghofer will auch nicht von Eigenwerbung sprechen, die Bernhardt ihm vorwirft, "sondern von Informationen und Gemeindenachrichten."

Wenn seine Partei der Bevölkerung etwas zu sagen habe, dafür gebe es eine eigene Parteizeitung namens Kontakt. Und: "Ich bin sicher kein Diktator."

Zum Feuerwehrhaus: In nächster Zeit wird es ein Gespräch mit der Feuerwehr geben, und man werde über neue Standorte diskutieren. Ob Matthias Weghofer den Landtags-Sessel für Gerald Hüller räumt, "darüber wurde Stillschweigen vereinbart". Als Bürgermeister für Wiesen will er im kommenden Jahr wieder kandidieren. Und damit bereits zum 5. Mal.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011