Frauen beim Verdienst weit abgeschlagen

Der jüngste Frauenbericht belegt, dass Teilzeitarbeit immer noch weiblich ist und Mütter mehr Kinderbetreuung fordern.

Die Situation für berufstätige Frauen im Burgenland hat sich verbessert, dennoch klafft die Einkommensschere zwischen dem männlichen und dem weiblichen Geschlecht noch weit auseinander. Es gibt daher viel zu tun. So kann man die Ergebnisse des jüngsten Frauenberichtes zusammenfassen.

Im Auftrag von Frauen-Landesrätin Verena Dunst, SPÖ, hat sich Judith Jakowitsch von der Burgenländischen Forschungsgesellschaft angesehen, wie sich die Situation der Burgenländerinnen seit dem letzten Bericht aus dem Jahr 2007 verändert hat und ob politische Maßnahmen gegriffen haben. Verglichen wurden die Werte aus dem Jahr 2005 mit dem Jahr 2010.

Zuwachs 

46 Prozent aller Erwerbstätigen sind Frauen. Auffallend ist, dass die Zahl der Frauen, die im Berufsleben stehen, um 15 Prozent zugenommen hat. 55.700 Burgenländerinnen gehen einem Job nach. „Hier freut es mich besonders, dass rund 70 Prozent des gesamten Beschäftigungszuwachses auf Vollzeitbeschäftigungen entfallen“, sagt Dunst.

Die  Teilzeitbeschäftigung ist leicht gesunken: von 42,3 Prozent im Jahr 2005 auf 41,3 Prozent 2010. Dennoch ist sie ein weibliches Phänomen. Betrachtet man die Gesamtheit aller Teilzeitbeschäftigten, so liegt der Frauenanteil noch immer bei 84 Prozent. „Teilzeitjobs bei Männern betreffen eher Studenten oder Pensionisten“, weiß Studienautorin Jakowitsch.

Ungleich 

Leicht verbessert hat sich auch die Einkommenssituation der Burgenländerinnen. Gesamt gesehen verdienen Frauen zwar noch immer um 42 Prozent weniger als Männer. Bei den Vollzeitkräften verringert sich diese Lücke auf 22 Prozent. Besonders krass ist das Ungleichgewicht bei den Pensionisten.  Hier haben Frauen im Durchschnitt nur die Hälfte der Pension der Männer.

Die Gründe für diese finanziellen Unterschiede sind vielfältig. Einerseits arbeiten Frauen sehr oft in Branchen, die schlechter entlohnen, andererseits fehlt vielen Frauen aufgrund ihrer familiären Situation die Möglichkeit in Führungspositionen vorzudringen. Denn die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist trotz der enormen Ausweitung an Kinderbetreuungs-einrichtungen oft graue Theorie. Dies spiegelt sich auch darin wider, dass lediglich 26 Prozent der Mütter mit betreuungspflichtigen Kindern Vollzeit arbeiten gehen. Interessant ist auch, dass 90 Prozent aller Mütter in Teilzeit angaben, dass sie auch dann mehr Stunden arbeiten gehen würden, wenn noch mehr Kinderbetreuungseinrichtungen zur Verfügung stünden.

„Auf diesen Ergebnissen werden wir aufbauen. Mein Ziel ist es, die Erwerbsquote weiter zu steigern und die Einkommensschere weiter zu schließen“, sagt Dunst, die hofft, dass auch in der Privatwirtschaft ein Umdenken in puncto Entlohnung einsetzt.

Väterkarenz: 2,42 Prozent nützen sie Der burgenländische Frauenbericht zeigt auch, dass die Hauptlast in puncto Kinderbetreuung bei den Frauen liegt. Selbst bei gelebter Partnerschaft, also bei Unterstützung durch den Mann, gaben 44 Prozent der Frauen an, das Gefühl zu haben, dass alles an ihnen hänge. Viele können deswegen nicht in vollem Umfang in ihren Job zurückkehren. Eine eindeutige Sprache sprechen auch die Zahlen der Väterkarenz. Mit Stichtag 1.11.2010 waren 2,43 Prozent oder 69 Väter in Karenz. Zum Stichtag 1.11. 2011 waren es 2,42 Prozent oder 65 Väter. Gut ausgebaut ist mittlerweile die Kinderbetreuung inkl. Mittagessen. Nur noch vier Gemeinden im Burgenland bieten diese Möglichkeit nicht an.

( Kurier ) Erstellt am 17.12.2011