Chronik | Burgenland
19.08.2017

Franz Glaser: Ein "Anecker" im Einsatz für das Südburgenland

Der Ex-ÖVP-Politiker schildert in seinem Buch die Erfahrungen seiner 40-jährigen Amtszeit.

Dass Franz Glaser ein Freund der Literatur ist, sieht man sofort, wenn man das altes Bauernhaus in Burgauberg (Bezirk Güssing) betritt. Man könnte meinen, man befindet sich in einer kleinen Bibliothek. "Das ist der ehemalige Saustall", sagt Glaser und nimmt in einem bequemen Lesesessel Platz.

Das Polit-Urgestein aus dem Südburgenland verabschiedete sich mit Anfang des Jahres in die Pension. Über seine Erfahrungen in den 40 Jahren als ÖVP-Landtags- und Nationalratsabgeordneter sowie Bürgermeister seiner Heimatgemeinde hat er ein Buch geschrieben. "Freude am Widerspruch, Freude am Gestalten", lautet der Titel, der bereits viel über seine Arbeitsweise in der Politik verrät. "Ich bin oftmals angeeckt, was nicht immer lustig war, aber zur politischen Arbeit gehörte das dazu", erklärt er.

Seine Autobiografie beginnt mit der Zeit als Entwicklungshelfer in Peru. "3,5 Jahre habe ich dort verbracht und es war sicher die prägendste Zeit meines Lebens, in der ich erfahren habe, wo und wie ich helfen kann. Das konnte ich auch in der Politik brauchen", meint Glaser.

In Peru hat er auch seine Frau kennengelernt. Zurück in der Heimat hat der Sohn einer Bauernfamilie den heimatlichen Betrieb übernommen. Das war auch die Zeit, in der er Bezirksparteisekretär der ÖVP Güssing wurde. Damit nicht genug, wurde Glaser in der Landespolitik tätig und schließlich wurde er 2002 als ÖVP-Abgeordneter in den Nationalrat gewählt.

Egal, ob auf Bezirks- oder Bundesebene, das Südburgenland war Glaser immer eine Herzensangelegenheit. "Ich habe mich immer für die Entwicklung der Region eingesetzt und habe gezielte Schritte gesetzt. Dafür brauchte es Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen. Auch heute ist das notwendig", sagt der Ex-Politiker.

Zweigeteiltes Land

Daraus, dass das Südburgenland seiner Meinung nach auf Landesebene benachteiligt wird, macht er keinen Hehl: "Das Burgenland wurde nur Ziel-1-Gebiet der EU wegen dem Süden. Der Großteil des Geldes ist aber in den Norden investiert worden", kritisiert er. Da ginge es vor allem um Machtfragen und fehlende Solidarität. "Der Süden verliert immer mehr an Wirtschaftskraft. Die Leute wandern ab. Da bringt jeder Euro, der in den Norden investiert wird, mehr. Aber ein Land kann sich nicht gut entwickeln, wenn ein Teil immer vernachlässigt wird", meint Glaser.

Vor allem die fehlende Infrastruktur sei ausschlaggebend, dass nach wie vor viele junge Menschen wegziehen. "Der Südburgenländer ist kein Kämpfer. Wenn es nicht passt, dann geht er weg, nach Graz oder Wien. Leider ist die Heimatverbundenheit anscheinend nicht ganz so groß, wie in anderen Bundesländern."

Um die Menschen im Landessüden zu halten, bräuchte es seiner Meinung nach vor allem wieder eine Aktivierung der Bahn in Oberwart. "Und vielleicht wird die S7 ja doch noch einmal irgendwann gebaut. Dazu kommt der fehlende Internetausbau", sagt der Ex-Politiker.

Als Lösung sieht er nur eine Möglichkeit: "Es braucht eine starke Außenstelle des Landes in Oberwart, die den Süden vertritt. Wenn alles in Eisenstadt entschieden wird, wird sich nie etwas ändern."