„Flüchtlingswelle nicht ausgeschlossen“

Rotes Kreuz. Die Hilfsorganisation wurde vor 80 Jahren, knapp nach dem Krieg, gegründet. Die Hilfe in den aktuellen Kriegsgebieten in Nahost soll dazu beitragen, dass es nicht wieder zu Migrationsströmen wie 2015 kommt.
Rotes Kreuz Burgenland, Präsident Werner Krischka (Mitte) und GF Wallner (li.) und König (re.)

Das Rote Kreuz im Burgenland feiert heuer einen runden Geburtstag: Am 13. August 1946 wurde der Landesverband der Hilfsorganisation in Eisenstadt gegründet.

Mehr als die Hälfte der 80 Jahre ist Werner Krischka in verschiedenen Funktionen beim Roten Kreuz tätig, seit dem vergangenen Herbst steht der frühere langjährige Chefarzt der Gebietskrankenkasse (zuletzt ÖGK) als ehrenamtlicher Präsident an der Spitze der Organisation mit fast 3.600 freiwilligen Mitarbeitern, 309 hauptamtlich Beschäftigten und 159 Zivildienern.

Apropos: Über eine im Zuge der geplanten Wehrpflichtreform diskutierte Verlängerung des Zivildienstes würde sich der Präsident freuen, sagt er am Dienstag in der Eisenstädter Rot-Kreuz-Zentrale.

Auch im Burgenland bestimmen politische Entscheidungen die Arbeit der humanitären Organisation nicht unwesentlich mit. Zuletzt etwa die vom Land forcierte Neuorganisation der Hauskrankenpflege. Das Land wird dazu in 28 Regionen eingeteilt. Jede Region hat nur einen Anbieter, was die Wahlfreiheit von Patienten und Anbietern einschränkt. Im Vorjahr hat das Land den Betrieb ausgeschrieben, das Rote Kreuz erhielt den Zuschlag für vier Regionen.

„Wunsch des Landes“

Auf die Frage, ob man mehr Regionen wollte, antwortet Rot-Kreuz-Geschäftsführerin Tanja König: „Wir sind nicht unzufrieden“, zumal die vier Regionen etwa dem bisherigen Marktanteil entsprächen.

Ebenfalls im Landhaus wurde bereits 2024 die Anhebung des Rettungsbeitrages beschlossen. Wie das Zentrum für Verwaltungsforschung (KDZ) erhoben hat, fiel das Plus im Burgenland besonders hoch aus. Mit 27,7 Euro pro Einwohner ist der Rettungsbeitrag hierzulande der höchste aller Bundesländer. Zwischen 2022 und 2025 hat sich der Beitrag „mehr als verdoppelt“, so das KDZ.

Es sei „Wunsch des Landes gewesen, dass Rettungsautos top-ausgestattet sind“, betont Rot-Kreuz-Präsident Krischka. Nun fahre immer ein Notfallsanitäter mit: „Dass das mehr kostet, ist klar“. Wer anschafft, muss auch zahlen.

Der Rettungsdienst, trotz der vielen Angebote des Roten Kreuzes immer noch dessen Hauptaufgabe, wird zu rund 70 Prozent von der öffentlichen Hand – Land und Sozialversicherung – finanziert. Der Rest kommt von Selbstbehalten, Spenden und Beiträgen der 34.500 Mitglieder und Spender.

Die Flüchtlingsfrage

Insgesamt steuert die öffentliche Hand aber weniger als 50 Prozent zum Budget des Roten Kreuzes bei, denn etliche Angebote wie die Lesepaten werden ausschließlich über Spenden finanziert.

Wie geht es der Hilfsorganisation selbst? Man stehe auf soliden Beinen, heißt es. Allerdings seien die aufgrund des Krieges in Nahost stark gestiegenen Spritpreise „eine finanzielle Herausforderung“, sorgt sich Geschäftsführer Thomas Wallner.

An den Kriegsschauplätzen ist auch das Internationale Rote Kreuz im Einsatz. Es sei „nicht ausgeschlossen“, dass wieder Flüchtlinge in größerer Zahl zu uns kommen, sagt Präsident Krischka, der 2015 auch in Nickelsdorf im Einsatz war. Das Rote Kreuz versuche, den Menschen vor Ort zu helfen, „damit es erst gar nicht zu Flüchtlingswellen kommt“.

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