© juerg christandl

Seewinkel
04/13/2014

Feurige Wirtin mit Liebe zur Natur

Ilona Püspök alias die "Paprikawirtin" aus Frauenkirchen, liebt es, scharf zu kochen. Die Zutaten dafür findet sie direkt vor der Wirthaustür.

von Jürg Christandl, Natascha Marakovits

Wer sich einmal in den Seewinkel verliebt, kommt immer wieder", sagt Ilona Püspök, besser bekannt als die "Paprikawirtin" vom "Alten Brauhaus" aus Frauenkirchen. Bei der 45-Jährigen war es sozusagen Liebe auf den ersten Blick. Sie ist in Frauenkirchen aufgewachsen, war ein, wie sie es nennt, "Wirtshauskind". Denn ursprünglich vom Großvater übernommen, haben bis 2004 ihre Eltern das "Alte Brauhaus" im Ortszentrum von Frauenkirchen geführt. Vor zehn Jahren hat schließlich Tochter Ilona Püspök das Regiment über den Landgasthof übernommen.

Warum sie sich dazu entschieden hat? "Aus Liebe zu den Kostbarkeiten der Region", verrät sie, als sie Redakteurin plus Fotograf durch die Steppenlandschaft führt. "Man muss nur die Augen offenhalten. Ich brauche nicht in den Supermarkt zu gehen, hier auf den Wiesen des Seewinkels wachsen die besten Kräuter, die ich mir von meinen Spaziergängen oder Radausflügen mitnehme", verrät die Wirtin.

Pannonische Küche

"Der Paprika ist seit jeher dominant in unserer Küche, weil mein Urgroßvater aus Ungarn stammt. Das hat sich über die Generationen nicht verändert, und so kommt der Paprika in allen Varianten zum Einsatz", erzählt die Wirtin.

Den Spitznamen "Paprikawirtin" hat sie vor sechs Jahren erhalten. "Ich habe früher in einem Chor gesungen. Der Chorleiter hat mich immer so genannt, weil ich aufgrund meines Temperaments so feurig bin wie ein scharfer Paprika. Ich mag den Namen. Und den Leuten bleibt er in Erinnerung."

Die Speisekarte wird dementsprechend von typisch pannonischen (Paprika-)Gerichten bestimmt: Szegediner Gulasch, Grenadiermarsch oder burgenländische Krautsuppe stehen ganzjährig auf dem Speiseplan. Daneben gibt es ein wechselndes Speisenangebot – je nach Saison, wobei die für die Region typischen Steppenrinder und Mangalitza-Schweine nicht fehlen dürfen. "Ich lege großen Wert darauf, mit regionalen Produkten zu kochen. Das Gemüse bekomme ich direkt aus dem Seewinkel von drei kleinen Gemüsebauern", sagt Püspök. Bei den Gästen muss sie deswegen manchmal sogar Aufklärungsarbeit leisten, "weil die Paradeiser eben nicht so schön ausschauen wie im Supermarkt. Dafür schmecken sie viel aromatischer." Außerdem ist die 45-Jährige eine leidenschaftliche Jägerin und geht gerne Schwammerln suchen. "Das verkoche ich dann auch." Von neuen Trends wie der Molekularküche hält sie nichts. "So etwas kommt mir nicht auf den Tisch. Wir sind ein bodenständiges Wirtshaus."

Obwohl die Paprikawirtin gerne auf die Pirsch geht, kann sie keiner Ente etwas zuleide tun. "Wenn junge Entenfamilien von einer Lacke zur anderen wandern, kommt es leider immer wieder vor, dass sie überfahren werden. Die Leute sollten mehr darauf achten, dass sie hier in einem Naturschutzgebiet unterwegs sind", appelliert Püspök an die Autofahrer.

Sanfter Tourismus

Im Wind sanft wogende Felder, Gänsegeschnatter, das Zwitschern der Vögel. Von Stress und Hektik ist im Seewinkel nichts zu spüren. Im Gegenteil. Wer Entspannung in Verbindung mit dem unvergleichlichen Flair des Neusiedler Sees sucht, ist hier richtig.

Ob Nordic Walking, Radfahren, Laufen oder mit dem Solarboot den Neusiedler See erkunden – nicht nur Ilona Püspök hat sich in den Seewinkel verliebt. "Wir leben von Ausflugsgästen. Darunter sind viele Wiener, aber auch Deutsche, die seit Jahren zu uns kommen", verrät sie. Der Grund dafür liegt ihrer Meinung nach in der Mentalität der Burgenländer. "Die Landschaft spiegelt sich in der Seele der Menschen wieder. Die Burgenländer sind sehr gesellige, lebenslustige Leute", meint Püspök. "Und die unendliche Weite des Seewinkels lädt dazu ein, die Seele einfach einmal baumeln zu lassen."

Der Seewinkel: Paradies für Naturliebhaber

Das Gebiet am östlichen Ufer des Neusiedler Sees wird als Seewinkel bezeichnet und gehört zum Nationalpark Neusiedler SeeSeewinkel, der insgesamt 300 groß ist. Seit 2001 ist der Seewinkel Teil der UNESCO-Kulturlandschaft Fertő/Neusiedler See.

Von den ehemals rund 130 Lacken im Seewinkel sind heute nur noch knapp 40 vorhanden. Diese sind bis zu drei Kilometer lang und einen Kilometer breit, aber nur bis zu einen halben Meter tief. Die größte ist die Lange Lacke. Der Seewinkel ist durch das pannonische Klima geprägt. Mit rund 2000 Sonnenstunden pro Jahr zählt das Gebiet zu den an Sonnenschein reichsten Regionen Österreichs.

Wechselnder Wasserstand und der Salzgehalt der Lacken schaffen Lebensräume für eine einzigartige Vegetation. Ob das Beobachten der Rohrsänger oder der Trappenbalz (die Großtrappe ist der schwerste flugfähige Vogel Eurasiens), Wissenswertes über Flora und Fauna können Naturliebhaber vom 25. bis 27. April bei den "Naturerlebnistagen" erfahren. Mehr auf www.naturerlebnistage.at.

382 km Laufstrecken

Das milde und niederschlagsarme Klima bietet auch ideale Bedingungen für Läufer. So wurde erst vor rund zwei Wochen der größte Laufpark Österreichs eröffnet. 49 Strecken mit einer Länge von 382 Kilometern stehen zur Verfügung. Die einzelnen Laufstrecken sind als Download auf der Homepage abrufbar. Außerdem sind als Orientierungshilfe 20 Übersichtstafeln entlang der Strecken aufgestellt.

Mehr über den Laufpark sowie die einzelnen Strecken unter www.laufpark-neusiedlersee.at sowie im KURIER-Blog kurier.at/bodyblog.

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