Ferrari-Flair an der Landstraße

Modena Motorsport: Im burgenländischen Parndorf verkauft und repariert Manfred Peck die legendären Flitzer aus Italien.

Es gibt Menschen, die reich sind. Dann gibt es Menschen, die mehr Geld haben, als sich unsereins vorstellen kann. Und schließlich gibt es noch Menschen, die so viele Ferraris besitzen, dass sie beim Renovieren ihres Landsitzes ganz einfach vergessen, dass da noch einer in der Garage steht.

"Auch wenn es keiner glaubt, so ist es", erzählt Manfred Peck, der dort eine Ferrari-Werkstatt betreibt, wo man sie kaum vermutet: an einer unscheinbaren Straße im burgenländischen Parndorf. Der 40-Jährige gilt in Österreich als Platzhirsch für die berühmte italienische Automarke. Nur in Wien gibt es noch eine Werkstatt.

Der Herr, der vor 30 Jahren seinen 365-er (derzeitiger Wert: 150.000 Euro) vergessen hat, ist heute international in der Immobilienbranche tätig. Über Umwege landete das schöne Stück in Parndorf. Ob es je abgeholt wird, weiß Peck nicht. Den Besitzer kennt er natürlich. "Mir würde es aber nichts ausmachen, wenn der 365-er nicht abgeholt wird", sagt Peck lächelnd. Das Schaustück steht zwar bedeckt mit einer samtenen roten Decke im Modena Motorsport-Schauraum am Heidehofweg, aber ein Ferrari ist ein Ferrari, "da braucht man nicht alles sehen", ist Peck überzeugt.

Eigene Philosophie

Cavallino rampante: Das aufbäumende Pferdchen ist seit Anbeginn Markenzeichen für die begehrten Autos.
© Bild: Georg Gesellmann

Es ist ein schwieriges Unterfangen, die Ferrari-Gemeinde zu verstehen, wenn man selbst keines dieser legendären Fahrzeuge fährt. "Vielleicht ist der Besitz eines Ferraris auch nur ein Spleen," sagt Peck. Doch in den Details liege die Wahrheit solcher Boliden. Die Ausfertigungen sind "ganz einfach anders als bei anderen". Ob Ledersitze, ob Gravuren oberhalb des Radios oder weil einfach Ferrari drauf steht.

Zur täglichen Arbeit fährt man mit solchen Flitzern eher nicht. Außerdem besitzen nur sechs oder sieben Burgenländer ein Auto mit dem Logo des aufbäumenden Pferdes (Cavallino rampante). Österreichweit sind es etwa 800 Menschen, die auf den Straßen herumkurven und die Gegend mit ihrem tiefen Motorengeräusch bereichern.

Dass sich nur Reiche und Superreiche für die italienischen Aushängeschilder auf Rädern interessieren, ist schlichtweg ein Irrglaube. "Büroangestellte sparen, wo es nur geht, um sich einen Ferrari leisten zu können", erzählt der Parndorfer. Natürlich handle es sich bei diesen Modellen nicht um den F 50, von dem es weltweit nur drei Stück gibt. Einer davon steht in Pecks Schauraum in Parndorf, kostet schlanke 500.000 Euro und ist bereits verkauft.

Theoretisch gibt es bei Peck auch einen in silbergrau gehaltenen 348-er, Baujahr 1990, um 40.000 Euro zu erhaschen. Praktisch ist er allerdings schon verkauft, so wie 20 weitere Ferrari, die derzeit in seinem Schauraum zu bewundern sind. Einer sticht dabei besonders ins Auge, kommt einen der Bolide doch irgendwie bekannt vor. Es ist ein Rennwagen, mit dem einst Jean Alesi seine Runden im Formel 1-Zirkus drehte.

Keine Konkurrenz

Rot wird als Farbe bevorzugt, doch auch in Gelb sind die Flitzer nicht zu verachten.
© Bild: Georg Gesellmann

Doch Manfred Peck verkauft nicht nur die Flitzer, er bietet Service an und repariert auch. "Über mangelnde Aufträge kann ich mich nicht beklagen", erzählt er. Aus ganz Österreich kommen sie, die Ferrari-Affinen. Kein Wunder – die Konkurrenz der Pfuscher fällt weg. "Ein Ferrari ist kein 08/15-Auto." Nur ein Cavallino rampante ist ein Cavallino rampante. Und das kann nicht einfach gezähmt werden.

Faszination Ferrari: Manfred Peck ist ein Meister seines Faches.
© Bild: Georg Gesellmann

Lehrling bei Ferrari im italienischen Maranello

Der 40-jährige Manfred Peck lernte das Handwerk eines Mechanikers in einer "stinknormalen" Kfz-Werkstätte. Über Umwege kam er zu einem "Meister seines Fachs". Dort wurden Rundstreckenwagen gebaut, "nicht Rallye-Autos, denn die fahren auf Schotter".

Um sich weiterzuentwickeln, bewarb sich der Burgenländer vor 20 Jahren um eine Lehre bei Ferrari in Maranello. Er wurde genommen.

Die Liebe zur italienischen Luxus-Automarke lässt ihn seither nicht mehr los. Das exquisite Styling und die ausgefeilte Technik waren und sind auch heute noch Faszination für Peck. Auch die Arbeitsbedingungen in Maranello waren mit denen in Österreich nicht zu vergleichen. "Das war Arbeit auf höchstem Niveau."

Seit zwölf Jahren führt er nun die Werkstätte Modena Motorsport in Parndorf mit drei Mechanikern, seiner Frau Christa, die sich um die Buchhaltung kümmert, und "einer ganz lieben Raumpflegerin", die für den Glanz dieser Autos nicht unbedeutend ist.

Peck selbst besitzt einen 550 Maranello, ehemals Dienstwagen des Präsidenten des Ferrari S.P.A ., Luca Cordero di Montezemolo. Den Preis für diesen 485-PS-starken Schlitten, in dunkelrot gehalten, will Manfred Peck nicht verraten: "Es war ein Sonderpreis." Wahrscheinlich sind ein paar Mittelklasse Autos nicht viel teurer.

 

( Kurier ) Erstellt am 18.03.2012