Die Täter erbeuteten Uhren im Wert von 448.910 Euro. Vor dem Geschäft schoss einer auf Bernd Riedl.

© FREMD/Koglbauer Claudia

Eisenstadt
08/20/2014

Fall Riedl: Verdächtiger wegen Mordes angeklagt

Fast neun Jahre nach dem Schuss auf den Uhrmacher steht der Verdächtige vor Gericht.

von Nihad Amara

Am 28. November 2005 hält um 16.03 Uhr der dunkelgrüne Audi V8 in der Semmelweisgasse in Eisenstadt. Die Warnblinkanlage läuft, als drei dunkel gekleidete Männer in den Juwelier Hohensteiner marschieren. Einer hält die Juwelierin in Schach, zwei weitere schlagen Vitrinen ein und raffen Uhren im Wert von 448.910 Euro zusammen. Zwei Täter sitzen bereits auf Fahrer- und Beifahrersitz, als der dritte beim Einsteigen vom 22-jährigen Angestellten Bernd Riedl gepackt wird. Der Maskierte dreht sich um, hält ihm eine Pistole Kaliber 9 mm gegen den Mund und drückt ab.

Den Tätern gelang die Flucht. Bernd Riedl überlebte als schwerer Pflegefall. Die Schäden an Rückenmark und Gehirn waren irreversibel. Er starb im Februar des Vorjahres nach einer Hirnlähmung in Wr. Neustadt. Fast neun Jahre nach dem Überfall steht nun der angebliche Schütze, 27, in Eisenstadt vor Gericht. Slavko P. wird Mord und schwerer Raub vorgeworfen. Ihn erwartet ein Verfahren nach dem Jugendstrafrecht (maximal 15 Jahre Haft). Er war damals 18 Jahre alt. Der Strafantrag, der dem KURIER vorliegt, zeichnet das Bild eines Berufsverbrechers, der in mehreren Ländern aktiv war. Und er gibt Einblicke, wie Banden wie die Pink Panther arbeiten.

Umgebaute Fluchtautos

Acht burgenländische Ermittler waren den Tätern auf den Fersen. Der Akt umfasst 82.500 A4-Seiten. Bereits zwei Monate vor dem Coup war ein – später zu 13 Jahren Haft verurteilter – Täter angereist, der den Tatort ausspionierte und PS-starke Fluchtfahrzeuge "besorgte". Eines bekamen Polizisten vor dem Coup in die Hände: Nach einem Unfall in Wien ließen die Täter einen zuvor gestohlenen Audi zurück. Darin fanden sie eine DNA-Spur, die zu P. führte. Und sie entdeckten im Auto eine eingebaute Einrichtung zum Abwurf von "Krähenfüßen", die die Reifen von Verfolgern beschädigen sollten.

Danach folgte eine Justizposse in Serbien. Ein Jahr nach dem Schuss klickten dort für die Verdächtigen die Handschellen. Doch nur einer blieb in Haft, der Rest ging frei. Darunter P., gegen den Verfahren in Deutschland laufen, und der sich zuletzt "offiziell" als Fitnesstrainer in Madrid über Wasser hielt. Nach mehreren schweren Raubüberfällen verurteilte ihn das Strafgericht Nr. 22 in Madrid zu sechseinhalb Jahren Haft – und lieferte ihn nach Österreich aus. P. schweigt zu den Vorwürfen. Für den Staatsanwalt ist er "zweifelsfrei" schuldig. Warum ist er sich so sicher? P. hat eine Blutspur auf der Rückbank hinterlassen. Zeugen beschreiben überdies, dass der "hintere" Mitfahrer geschossen haben soll. Und der verurteilte Mittäter belastet ihn. Der Prozess findet am 15. und 16. Oktober statt.
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