Fahrschullehrer: "Frauen fahren nicht schlechter, im Gegenteil"

Der Alltag eines Fahrschullehrers: Überforderte Anfänger, gefährliche Situationen und was Frau und Mann unterscheidet.
Ein Mann mit Sonnenbrille und Kappe steigt eilig aus einem roten Auto in einer Garage.

Von Gernot Heigl

Ein abgestorbener Motor beim Anfahren, abrupte Bremsmanöver nahe einem Peitschenschlagsyndrom sowie „zahnradputzendes“ Einlegen der Gänge gehören ebenso dazu wie Freudentränen, wenn die Prüfung geschafft ist. Alltag für Fahrschullehrer Georg Mercsanits (41) aus Stegersbach, der bereits Tausende Schüler zum Moped- oder Autoführerschein begleitet hat.

Zurückblickend auf zwölf Jahre Berufserfahrung räumt der Südburgenländer auch gleich mit einem Klischee auf: „Dass Frauen schlechter Auto fahren als Männer, ist definitiv falsch. Im Gegenteil“, resümiert der Vater dreier Töchter. „Stichwort Multitasking – im Verkehr eine gute Eigenschaft, die bei Frauen einfach besser ausgeprägt ist.“ Außerdem, so Mercsanits, lassen sich Frauen eher erklären, worauf es beim Lenken eines Fahrzeugs ankommt. „Männer hingegen neigen oftmals dazu, mir zeigen zu wollen, was sie schon alles draufhaben.“

Ein Mann mit Bart und kurzer Frisur lächelt im Freien, trägt eine schwarze Steppweste und ein grünes Hemd.

Fahrlehrer Georg Mercsanits über Klischees, riskante Situationen und den Alltag mit Fahrschülern.

Wo Frauen aber tatsächlich schlechter abschneiden, ist beim Umgang mit dem Mobiltelefon. „Nie ohne Handy. Foto beim Fahrschulauto und Foto im Fahrzeug. Dann wird das Handy unter dem Oberschenkel eingeklemmt, damit es beim nächsten längeren Stopp schnell gezückt und eine Nachricht verschickt werden kann.“ Georg Mercsanits ergänzt schmunzelnd: „Nicht zu vergessen das Foto beim Aussteigen.“

Sicherheit hat Vorrang

Selbstverständlich könne man beim Fahrenlernen auch Spaß haben, aber alles mit Maß und Ziel. „Sobald wir unterwegs sind, geht es um Verantwortung und Konzentration – Kreuzungen, Fußgänger und andere Verkehrsteilnehmer. Das mache ich meinen Schülern rasch klar“, schildert der gelernte Restaurantfachmann, der nach drei Semestern den Weg zum Volksschullehrer abgebrochen hat und vom Lkw-Ersatzteil-Lieferanten zum Fahrlehrer wechselte.

Ein rotes Auto mit Fahrschulaufschrift fährt zwischen Verkehrshütchen auf einem Übungsplatz vor kahlen Bäumen.

Zwischen Stress, Fehlern und Erfolgen: So läuft der Alltag im Fahrschulauto.

Punkto anderer Autolenker sammelt der Südburgenländer täglich aufs Neue verzichtbare Erlebnisse: „Trotz klar erkennbarem Fahrschulauto werden meine Schüler von Dränglern angehupt, angeblinkt, an den unmöglichsten Stellen überholt und bekommen oft auch den Mittelfinger gezeigt.“ Georg Mercsanits kopfschüttelnd: „Die Herrschaften vergessen wohl, dass sie ebenfalls einmal Anfänger waren. Außerdem: 50 km/h heißt nicht 59 km/h. Geschwindigkeitsbegrenzungen sind von allen einzuhalten. Punkt.“

Bezüglich Schülertypen analysiert der Familienvater, dass es „Talente gibt, die ins Auto einsteigen und fahren können. Andere lernen schnell, manche langsam. Es gibt aber auch welche, die zu keiner Prüfung antreten.“ Wie eine seiner ältesten Schülerinnen mit 54 Jahren. Die jüngsten Schüler sind gerade einmal 14 Jahre und zehn Monate alt und beginnen mit dem Mopedführerschein. Ab 15 ½ Jahren kann man mit dem L17-Schein beginnen.

Junge schnell überfordert

Der Stegersbacher erinnert sich auch an eine 65-jährige Frau, die Auffrischungsfahrten absolvierte. „Sie hatte nach jahrzehntelanger Pause keine Übung mehr, weil sie erst wieder ans Steuer konnte, nachdem ihr Mann gestorben war.“ Zu seinen Schülern zählen aber auch jene, die wegen Trunkenheit ihren Führerschein verloren haben. „Traurigerweise gibt es manche, die ihr Promilleproblem nicht im Griff haben und mehrmals zur sogenannten Kontrollfahrt neben mir sitzen müssen. Ein Alkolenker bereits zum siebten Mal.“

Eine Person hält einen österreichischen Führerschein mit sichtbarem Passfoto und persönlichen Daten in der Hand.

Der Führerschein als Ziel nach Wochen der Vorbereitung, Übungen und Prüfung.

Besonders auffällig ist aktuell, so Georg Mercsanits, dass „generell viele junge Menschen schnell überfordert sind. Der Verkehr macht ihnen Stress. Mit Druck können sie schwer umgehen, ebenso wenig mit konstruktiver Kritik. Viele haben zudem Prüfungsangst. Manche Mädchen neigen dann dazu, sich besonders hübsch zu machen und sich zu inszenieren.“ Schroff folgt: „Vorteile verschafft das bei mir keine. Was zählt, ist und bleibt die sichere Fahrweise.“ Der Südburgenländer weiter: „Das Lernprogramm wird durchgezogen und ist zu absolvieren. Pro Tour legen wir, je nach Können, 20 bis 80 Kilometer zurück. Die Fahrprüfung dauert 25 Minuten. Das ist für alle gleich – egal, wie viel Schminke im Gesicht oder wie kurz der Rock ist.“

Brenzlige Situationen kommen immer wieder vor, „oft, weil Schüler die Verkehrsregeln nicht kennen. Deshalb habe ich auf der Beifahrerseite ja meine Pedale“, resümiert Georg Mercsanits. „Unfälle mit dem Fahrschulauto gab es noch keine, sonst hätte ich meinen Job nicht gut gemacht.“

Kommentare