Chronik | Burgenland
18.11.2017

Explosiver Fund am Seegrund

Im Zuge von Arbeiten wurden 100 Granaten und zwei Fliegerbomben entdeckt.

Im trüben Wasser des Neusiedler Sees kam nun auf ungarischer Seite ein explosiver Fund ans Tageslicht. 100 Granaten und zwei Fliegerbomben wurden gefunden. Grund dafür waren alte Metallpfosten, die den Grenzverlauf zwischen Österreich und Ungarn anzeigen und aufgrund einer Gefahr für den Fährverkehr entfernt werden sollten. Zuvor wurde das Gebiet von den ungarischen Behörden vorsorglich mit mittels Sonargeräten untersucht, denn im Zweiten Weltkrieg wurde zahlreiches Kriegsmaterial im Neusiedler See versenkt. Die Sonargeräte, die einen etwa 30 Meter langen Streifen absuchten, schlugen tatsächlich Alarm.

Laut der ungarischen Regionalzeitung Kisalföld brachte schließlich ein Taucher eine Granate ans Tageslicht. In weitere Folge wurden laut dem Medienbericht etwa 100 Granaten und zwei Fliegerbomben gefunden. Die Arbeiten zur Entfernung der Metallpfosten konnten daher nicht durchgeführt werden, sie wären zu gefährlich gewesen. Vom ungarischen Entminungsdienst soll in der kommenden Woche eine kontrollierte Sprengung stattfinden. Erst dann können die Arbeiten gefahrlos stattfinden und die Metallpfosten entfernt werden.

Vorfall in 80er-Jahren

"Natürlich ist das für uns gefährlich. Der Neusiedler See ist ja nicht tief", sagt Paula Gruber Drescher, Inhaberin von Drescher Touristik, einem Schifffahrtunternehmen auf dem Neusiedler See und erinnert sich dabei gleich an einen Vorfall Anfang der 80er-Jahre zurück. "Ein Schiff war damals grenzüberschreitend unterwegs. Auf einmal hat der Kapitän gemerkt, dass sich das Schiff nicht mehr bewegt. Ein Matrose hat dann nachgeschaut und gesehen, dass das Schiff auf einen Tragflügel eines Kriegsflugzeuges aufgefahren ist. Es war zwar keine Bombe, aber das Teil war messerscharf. Wir wissen, dass vieles im See liegt und es die Gefahr gibt", sagt Gruber Drescher.

Daher sei das Fahren nur auf Routen, die vorab überprüft wurden, gefahrlos möglich. "Jedes Schiff ist mit Navi ausgestattet, damit wirklich nur diese Routen gefahren werden." Außerdem sei ihnen von den ungarischen Behörden mitgeteilt worden, welche Stellen nicht angefahren werden sollen.

Gefahr sei gering

Von der zuständigen Abteilung des Landes heißt es, dass immer wieder Kriegsrelikte im Neusiedler See gefunden werden. Man brauche deswegen aber nicht in Panik verfallen. Gefährlich würde es erst werden, wenn man damit hantiert.

Wolfgang Korner, Leiter des österreichischen Entminungsdienstes, bestätigt das. Er schätzt die Gefahr für Schifffahrt als gering ein: "Bei einer so großen Anzahl an Munition handelt es sich um keine Blindgänger, sondern diese wurde bewusst dort abgelegt. Daher ist sie auch gesichert und kann nur durch äußere Gewalteinwirkung explodieren." Auch Bomben würden nicht von selbst losgehen.

Generell sei ein Fund eines Kriegreliktes der Polizei zu melden. "Dann wird der Entminungsdienst verständigt und der Fund wird dann kontrolliert entfernt", sagt Korner.