Eisen-Fundus auch für die Zukunft

pingitzer, eisenhandlung in mattersburg © Bild: KURIER/Gesellmann

Die Eisenwarenhandlung Pingitzer bietet den Baumärkten seit Jahrzehnten Paroli.

Irren ist bekanntlich menschlich. Selbst im Mattersburger Bezirk und darüber hinaus haben sich – eigentlich seit Jahrzehnten – viele Menschen getäuscht über die Zukunft der „klassischen“ Eisenwarenhandlung Pingitzer neben dem ehemaligen Kaffeehaus Forstik, wo sich u.a. der Gründer, Matthias Pingitzer, mit Fußballlegende Franz Hasil bis zur frühen Stunde Kartenpartien geliefert hat.

Baustoffwelten seien der Untergang der Pingitzer, hieß es Anfang der 70er Jahre. Dann kamen noch andere Großmärkte hinzu, die ihnen angeblich den Garaus machen würden.

Fundament

Wie sich heute zeigt, ist nichts davon eingetreten. „Hier findet man das, was man woanders schon lange nicht mehr bekommt“, sagt etwa Ewald Schiebendrein aus Walbersdorf. Das Fundament dafür hat der bereits verstorbene Seniorchef Matthias Pingitzer gelegt. Er kaufte sämtliche aufgelassene Eisenwarenhandlungen weit und breit auf und stellte die Ware ins Regal bzw. ins Lager. Matthias Pingitzer hat von 25.000 Artikeln gesprochen, legendär sind seine Sprüche wie: Wenn du bei mir einkaufst, kommst als Nackter herein und fliegst mit einem Hubschrauber hinaus.

Ordnung

Beim Betreten des Geschäftslokals fällt einem unwillkürlich der Literat Karl Kraus ein, der einmal meinte: „Das Chaos sei willkommen, die Ordnung hat versagt.“ Doch hier in der Michael Kochstraße 33 in Mattersburg herrscht – entgegen dem ersten Eindruck – Ordnung. „Wir wissen, wo die Schrauben, Beschläge, alte Schlüssel, all die Dinge, die man im Baumarkt nicht mehr bekommt oder was sonst noch gebraucht wird, liegen“, erklären Andreas und Patrick Pingitzer, die mit ihrer Mutter Karin das Geschäft bereits in der dritten Generation führen.

Zulieferer

Vor 50 Jahren sah die Fassade noch so aus.
pingitzer 50er jahre © Bild: KURIER/Gesellmann
Und es gebe „fast nix“, das sie nicht besorgen können. Es werde zwar immer schwieriger, Bestandteile für alte Geräte zu bekommen, weil es viele Firmen gar nicht mehr gibt. „Aber wir tun, was wir können.“ Mehr als 100 Zulieferer unterstützen die Familie Pingitzer dabei. Und wenn eine Kundschaft nur eine Schraube benötigt, werden sämtliche Hebel in Bewegung gesetzt, diese aufzutreiben. „Aber die meisten haben wir dank Großvaters Fundus eh lagernd.“

„Ich kenne so viele Leute, je reicher sie sind, umso eigenartiger werden sie.“ Andreas PingitzerUnternehmerDoch reich kann man davon wohl nicht werden? „Das wollen wir auch gar nicht. Ich kenne so viele Leute, je reicher sie sind, umso eigenartiger werden sie“, sagt Andreas Pingitzer. Ihr Geschäft lohnt sich, „es reicht zum Überleben“. Beide hätten Spaß an ihrer Tätigkeit. Schon in ihrer Kindheit trieben sie sich im Geschäft herum. Sie halten nicht viel von der globalisierten Welt, vom Einheitsbrei.

Kunden

Ihre Kunden – manchmal in der dritten Generation – wissen genau das zu schätzen. Und nicht nur die. Vor einigen Monaten besuchte ein brasilianisches Ehepaar Freunde in Mattersburg. Auf die Frage, was es in der Bezirkshauptstadt zu sehen gebe, wurde die Eisenwarenhandlung Pingitzer empfohlen. Das Paar besuchte das Geschäft und kam aus dem Staunen über die Warenvielfalt nicht heraus: „So etwas gibt“s in ganz Brasilien nicht!“

Klassischer Eisenhandel fast nur im Baumarkt

Wenn man sich die Statistik ansieht, so Martina Rauchbauer von der Wirtschaftskammer Burgenland, habe es in den vergangenen zehn Jahren „eigentlich“ eine Steigerung von Eisenwarenhandlungen gegeben. 2001 gab es 42 aktive Eisenhändler, acht Jahre später waren 69 Mitgliedsbetriebe in dieser Branche zu verzeichnen. „Es hat sich allerdings im Laufe der Jahre das Sortiment des klassischen Eisenhandels in den Baumarkt verlegt bzw. haben vormals reine Eisenhändler (Adelmann in Rechnitz, Anm.) ihr Sortiment dahingehend erweitert, dass das Erscheinungsbild einem Heimwerker- bzw. kleinen Baumarkt gleicht“, erklärt Rauchbauer. Schrauben seien im Einzelstück auch in Baumärkten (Baumax oder Raiffeisen-Lagerhaus) erhältlich.

Im Rahmen der Kammerreform wurde dem insofern Rechnung getragen, dass das Gremium des Eisenhandels mit dem Baustoffhandel zusammengelegt wurde. Der Hintergrund dieser Zusammenlegung war, dass eine Trennung zwischen Eisenhandel und Baumarkt kaum mehr möglich war. „In diesem Bereich haben wir derzeit 108 aktive Unternehmen.“

Erstellt am 13.01.2013