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Chronik Burgenland
12/05/2011

Ein Bild am Webstuhl "gemalt"

Die Kunst der Tapisserie beherrscht Ingo Knebl aus Krobotek. Jedes Werk des 59-Jährigen ist ein Unikat.

von Manfred Imre

Sensibel ist der Garn, das Material verzeiht kaum Fehler, höchste Konzentration ist daher gefordert, geduldig wird ein Faden nach dem anderen eingearbeitet - bis, ja bis das Kunstwerk seine Vollendung erfährt.

"Am Webstuhl fühle ich mich als Maler, dessen Material nicht Pinsel und Farbe, sondern die gefärbte Wolle ist", schildert Ingo Knebl. Der 59-Jährige beherrscht eines der ältesten Kunsthandwerke der Welt - die Tapisserie, auch Bildwirkerei genannt. Seit 1993 ist der gebürtige Oberösterreicher mit Ehefrau und Kindern in Krobotek, einem Ortsteil der Gemeinde Weichselbaum, heimisch. Und sein Atelier übersiedelte natürlich mit.

Ein guter Zeichner, ein künstlerisch begabtes Kind sei er gewesen, erzählt Knebl. Die Ausbildung (Webereifach- und Kunstschule) wurde in Linz absolviert, dazwischen war er zehn Jahre in der Werbebranche tätig.

"Wenn man mit Wille und Liebe dabei ist, dann kommt das Handwerkliche von alleine. Eine große Rolle spielt die Routine", sagt Knebl. Leider habe Textil in Österreich nicht mehr die Bedeutung wie in früheren Zeiten. In anderen Ländern, etwa Skandinavien, sei die Branche mehr verwurzelt.

Daher habe er immer etwas nebenbei gemacht - den Haushalt habe er geführt, die Kinder versorgt, im Wald und in einer Lederfabrik gearbeitet, auch mit dem Bus sei er gefahren.

Konstruktiv

Das Liebkind Tapisserie begleitete den Künstler in all den Jahren, "ich kann nicht davon lassen, es ist eine konstruktiv aufbauende Tätigkeit. Es macht mir nach wie vor Freude". Die Schöpfung, Natur, Tiere und Blumen stehen im Mittelpunkt seines Schaffens. Aber auch Werke berühmter Künstler (Klimt, Bresslern-Roth, Gurschner, Bilibin) dienen als Vorlage.

Hoch- und Flachwebstuhl kommen zum Einsatz, hauptsächlich wird Baum- oder Schafwolle verwendet. Ein Bildteppich nehme ein bis zwei Monate in Anspruch, ein Gebrauchsteppich ein bis zwei Tage. Jedes Stück ein Unikat, der Preis richte sich nach Schwierigkeit, Material und Arbeitsaufwand - im Schnitt 1000 Euro teuer.

Rund 20 Knebl'sche Werke sind ab 11. Oktober in der Kunstuniversität Graz zu bestaunen. Unter dem Motto "Tapisserie: Farben - Akustik" stellt der 59-Jährige aus.

Geschichte: Blüte im Mittelalter

Akustik  Die Tapisserie bezeichnet die Technik des Einwirkens von Bildern in ein textiles Flächengebilde. Die Wirkerei gehört neben der Weberei und der Töpferei zu den ältesten Handwerkskünsten der Menschheit. Ihre Blütezeit erlebte sie im Mittelalter und in der Renaissance. Die ältesten erhaltenen Fragmente sind Grabbeilagen aus Ägypten. Die kunstvollen Wirkereien hatten neben schmückenden auch verschiedene praktische Aufgaben. Zum einen dienten sie als Wärmedämmung, zum anderen halfen sie, Akustikprobleme in großen, hohen Räumen zu lösen.

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