Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Tennis Akademie im Burgenland: Trainiert hier der nächste Thiem?

Früh aufstehen, Schule, stundenlanges Training – lernen, mit Niederlagen umzugehen - Willkommen auf der Thiem-Academy!
Dominic Thiem mit Schülern der Tennis Akademie

Tennisbälle knallen gegen die Schläger, Schritte hallen dumpf über den rotbraunen Sand. Während Oberpullendorf ruhig wirkt, läuft der Betrieb in der Stadiongasse 16 längst auf Hochtouren.

Hinter der Anlage steckt die Thiem Academy Burgenland – gegründet vom ehemaligen Tennisprofi Dominic Thiem und seinem Vater Wolfgang Thiem. Die Idee entstand 2020, nachdem das Land Burgenland mit dem Wunsch nach einer Tennisakademie an die Familie herangetreten war. Zwei Jahre später startete der Betrieb in Oberpullendorf. 

„Ohne das Land Burgenland wäre das alles nicht möglich gewesen“, sagt Wolfgang Thiem. Heute befindet sich die Akademie im Hotel Kurz. Wo früher Hotelgäste übernachteten, wohnen heute 20 bis 25 Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren. 

46-224915523

Ex-Tennisprofi Dominic Thiem und sein Vater Wolfgang Thiem formen junge Talente.

Essen, Tennis, Schule 

Der Alltag der Jugendlichen ist streng durchgetaktet. Um sechs Uhr früh beginnt der Tag mit einem Frühstück. Drei bis vier Mal in der Woche fährt kurz darauf bereits der Bus Richtung Schule nach Oberschützen. Nach dem Unterricht geht es zurück in die Akademie: Mittagessen, Tennistraining, Konditions- sowie Krafteinheiten und Physiotherapie. Gegen 21 Uhr ist Bettruhe. „Die Tage sind lang, intensiv und natürlich auch anstrengend“, sagt Wolfgang Thiem. 

Thiem Academy Burgenland

Zur Ausbildung gehören allerdings nicht nur Vorhand, Rückhand und Aufschlag. „Viele unserer Spieler leben erstmals länger weg von Zuhause. Wir sind ihre Ansprechpersonen“, sagt Wolfgang Thiem. Vor allem betont er die Rolle der Trainer: „Ein guter Trainer ist alles für einen Spieler.  Er hilft auch abseits des Platzes. Unseren Trainern ist klar, dass die Arbeit nicht um 18 Uhr endet.“   Zwischen Schule, Training und Turnieren gehe es deshalb oft auch um Gespräche, Motivation und den Umgang mit Druck.

Thiem Academy Burgenland

An Niederlagen kiefeln und Siege genießen

Niederlagen gehören hier, wie in jedem anderen Sport, ebenfalls zum Alltag. Den richtigen Umgang mit Rückschlägen versucht die Akademie jungen Spielern weiterzugeben. „Im Normalfall hat man jede Woche eine Niederlage“, sagt Thiem. „Manche Spieler ziehen sich danach zurück, andere sitzen still beim Abendessen oder sperren sich in ihr Zimmer. Wir gehen auf jeden individuell ein und versuchen, sie möglichst schnell wieder aufzurichten.“

Er erinnert sich noch gut an diese Gefühle: „Ich bin nach Niederlagen früher manchmal ein oder zwei Tage nicht aus meinem Zimmer gegangen“, erzählt Dominic Thiem. Irgendwann habe er aber gelernt, schnell auf den Platz zurückzukehren. „Man verliert wichtige Trainingszeit, wenn man an Niederlagen festhält.“

Gleichzeitig warnt er auch vor der anderen Seite: den Erfolgen. Nach guten Turnieren bestehe die Gefahr, „es zu locker anzugehen“. Die Herausforderung sei das richtige Mittelmaß: „An Niederlagen zu kiefeln und Siege genießen zu können – ohne dabei den Fokus zu verlieren.“

46-224915524

Die Außenplätze an der Akademie.

Zusammenhalt trotz Konkurrenz

Trotz Konkurrenzdenken setzt die Akademie bewusst auf Zusammenhalt. Die Jugendlichen kommen aus unterschiedlichen Ländern und verbringen beinahe ihren gesamten Alltag gemeinsam – beim Training, in der Schule oder im Internat. 

„Je jünger die Spieler sind, desto mehr gönnen sie einander die Erfolge“, sagt Thiem. Dieses gegenseitige Motivieren wolle man bewusst erhalten. Sport könne verbinden, sagt er. „Unseren Spielern ist egal, woher jemand kommt – jeder gehört dazu.“

Traum vom Profi

„Nicht jeder wird ein berühmter Profi“, sagt Wolfgang Thiem offen. Trotzdem solle sich der Weg für die Jugendlichen lohnen. Auch das wird in Oberpullendorf offen angesprochen. Gemeinsam mit einer Agentur arbeitet die Akademie deshalb daran, Spieler an Colleges in den USA zu vermitteln. 

Drei Jugendliche werden heuer als erste Absolventen diesen Weg einschlagen. „Ich sage Eltern oft: Selbst wenn ihr Kind am Ende kein Profi wird, hat es durch den Sport eine unglaublich wertvolle Ausbildung und einzigartige Erfahrungen fürs Leben gesammelt.“, sagt Wolfgang Thiem. "Gleichzeitig unterstützen wir unsere Spieler bestmöglich dabei, Chancen auf ein Stipendium zu bekommen, und arbeiten dafür eng mit Partnern in den USA zusammen. Denn auch wenn der Weg nicht bis zum Profitennis führt, kann der Sport Türen zu einer hervorragenden College-Ausbildung und später zu großartigen beruflichen Möglichkeiten öffnen." 

Für viele sei das eine wichtige Perspektive – gerade in einem Sport, in dem nur wenige den ganz großen Durchbruch schaffen.

Daheim in der Stadthalle: Dominic Thiem

Dominic Thiem

"Der Sport hat mir alles gegeben"

Für Dominic Thiem selbst bedeutet die Akademie mehr als ein neues Projekt nach der Karriere. „Es bedeutet, dass ich dem Sport erhalten bleibe, der mir alles gegeben hat“, sagt er. „Zusätzlich sehe ich es irgendwo auch als eine Verpflichtung, etwas zurückzugeben.“ 

Fast 25 Jahre lang habe Tennis seinen Alltag bestimmt. Heute gehe es ihm darum, seine Erfahrungen weiterzugeben – an Jugendliche, die gerade erst am Anfang stehen. „Jeder hier versucht, seinen Traum zu leben, und wir wollen helfen“, sagt Thiem.

Kommentare