Chronik | Burgenland
27.03.2012

Die Schwachen beißt die Gesellschaft

Arbeitsklima-Index: Der Großteil der burgenländischen Beschäftigten ist zufrieden. Ein Viertel der Hilfsarbeiter kommt mit Verdienst aber nicht aus.

Hans Jakob (Name der Redaktion geändert) arbeitet bei einem Bauunternehmen im Nordburgenland. Der Kollektivvertrag beträgt an die 1800 Euro, netto bleiben 1265 Euro übrig. "Natürlich könnte es mehr sein. Aber ich fühl mich in der Firma wohl, das Arbeitsklima passt", sagt Jakob und zieht den Mörtelkübel per Seil hinauf zum Kollegen.

So wie Jakob sehen 62 Prozent  der burgenländischen Arbeitnehmer das Verhältnis zu den Kollegen und auch die Arbeitszeitregelung als "sehr positiv", sagt zumindest der Arbeitsklima-Index 2011 aus, der vom Institut für empirische Sozialforschung (IFES; für die Studie wurden im Zeitraum Feber bis Dezember 2011 in vier Erhebungswellen insgesamt 530 Arbeitnehmer im Burgenland befragt, österreichweit waren es mehr als 5100 Personen) erstellt wurde. "Generell", sagt Projektleiter Georg Michenthaler, "hat sich der Arbeitsklima-Index für das Burgenland um drei Punkte verbessert und bis auf einen Punkt dem Österreich-Wert angenähert." Diese positive Entwicklung sei insofern bemerkenswert, weil im Gegensatz dazu die Arbeitszufriedenheit im gesamten Bundesgebiet stagniere.

Gespalten

Verglichen mit den Österreich-Werten seien die Beschäftigten im Burgenland mit ihrem Leben insgesamt zufriedener. "Einzelne Arbeitnehmergruppen sind jedoch nicht nur unzufriedener als der Österreich-Schnitt, bei etlichen haben sich die Werte sogar verschlechtert."

Wie bei einem 45-jährigen Hilfsarbeiter, der ebenfalls im Nordburgenland beschäftigt ist. Der Hilfsarbeiter ist verheiratet und Vater zweier schulpflichtiger Kinder. Er wolle nicht jammern, sagt er, "aber ab Mitte des Monats schaut die Welt nicht rosig aus". Knapp 2000 Euro, brutto, stehen auf seinem Lohnzettel, inklusive Kinderbeihilfe und Überstundenpauschale. "Das reicht nicht", sagt der Arbeiter. Auch gesellschaftlich betrachtet fühlt er sich "ganz unten". Und so wie es ihm geht, geht es 22 Prozent (siehe Grafik) der burgenländischen Hilfsarbeiter. "Es fehlt bei dieser Berufsgruppe ganz einfach eine starke Lobby."

Polarisierung

Während also bei knapp einem Viertel der Hilfsarbeiter das Einkommen laut den Befragten nicht reicht, sind es nur sechs Prozent bei öffentlich Bediensteten, die mit ihrem Einkommen nicht auskommen würden. Hier sieht man eine deutliche Polarisierung und: "Das ist eine nicht ganz unproblematische Situation", meint Michenthaler von IFES. Ändern werde sie sich nicht so bald.