Niessl und Tschürtz waren über den Auftritt von Paukowitsch ziemlich erstaunt, der Student selbst war ein wenig nervös

© APA/ROBERT JAEGER

Interview
06/13/2015

Der Weltverbesserer

Arnold Paukowitsch störte Pressekonferenz von Niessl und Tschürtz und ist ein wenig stolz darauf.

von Georg Gesellmann

Als Hans Niessl (SPÖ) und FPÖ-Parteiobmann Johann Tschürtz verkündeten, dass sie die nächsten fünf Jahre im Burgenland regieren möchten, störte der junger Eisenstädter, Arnold Paukowitsch (22), die Pressekonferenz (PK) und kündigte den beiden an, dass sie keine ruhige Minuten in nächster Zeit haben werden. Er selbst ist auch hin- und hergerissen

KURIER: Wie sind Sie auf die Idee gekommen die PK von Hans Niessl und Johann Tschürtz zu stören?

Paukowitsch: Wir, die Offensive gegen Rechts, haben einen Anruf eines Journalisten bekommen, dass in Eisenstadt die Koalition von Rot und Blau fix ist und dass es dazu eine Pressekonferenz in Eisenstadt gebe. Wir waren zur Zeit in Wien bei der Demo vor der Parteizentrale (SPÖ, Anm.,), haben uns sofort ins Auto gesetzt und sind nach Eisenstadt gefahren.

Waren Sie nervös bei Ihrem Auftritt?

Das kann man wohl sagen. Ich habe mir einiges überlegt, was ich sagen will. Doch wegen des Adrenalinspiegels, der sehr hoch war, sagte ich etwas anderes, nämlich: Sie werden ab jetzt keine ruhige Minute haben und sie müssen mit Widerstand rechnen. Auf den Punkt habe ich es dennoch gebracht.

Sie wurden des Raumes verwiesen. Wie hätte Niessl Ihrer Meinung nach reagieren sollen?

Es ist schon klar, dass während der PK keine Möglichkeit bestand zu diskutieren. Aber ich hätte es als angebracht gesehen, dass er mich nachher zu einer Diskussion einlädt.

Glauben Sie, dass Ihr Auftritt etwas genützt hat?

Auf jeden Fall. Wenn man sich anschaut, dass über 500 Meldungen über Facebook gekommen sind. Auf der Burgenlandseite von Offensive gegen Rechts sind die Likes in die Höhe geschossen. Und auch bei den Medien hat die Aktion für Aufmerksamkeit gesorgt. Das nützte auch für die Demo am Donnerstag.

Sind Sie stolz drauf?

Ein wenig.

"Uns aus dem Elend zu erlösen können wir nur selber tun." Sagt Ihnen der Text etwas?

Ja, das ist aus der Internationalen.

Welche Strophe?Zweite. (Den Texter und Komponist kannte er nicht.)

Was tun mit den Flüchtlingen Haben Sie dafür Vorschläge?

Ja, natürlich. Es ist genug Platz da für Flüchtlinge und Asylwerber. Wenn man bedenkt, dass die Kosten für die Hypo so hoch sind wie die Aufnahme von Flüchtlinge seit 1950 bis 2275. Das heißt, dass diese Diskussion, die wir führen, eine Entpolitisierung der Politik ist.

Angenommen Sie wären Landeshauptmann des Burgenlandes. Was würden Sie als erstes ändern?

Als erstes würde ich die leer stehenden Kasernen für Flüchtlinge öffnen. Ich würde mich bei Arbeitskämpfen einmischen wie z.B. beim Triumphwerk in Oberwart, das geschlossen wird.

Können Sie sich vorstellen in die Politik zu gehen?

In den bürgerlichen Parteien (meint Parlamentsparteien, Anm.;)kann ich mir das nicht vorstellen. Wenn, in der KPÖ Steiermark.

Die kommunistische Jugend hatte vor kurzem mit bengalischem Feuer gegen die Esterházy in Eisenstadt demonstriert. Sie waren mit dabei. Gilt für Sie: High sein, frei sein, Terror muss dabei sein?

Also damit kann ich – außer mit frei sein – nichts anfangen.

Sie haben u.a. die Enteignung der Esterházy gefordert. Sind Sie den Esterházys das viele Geld neidig?

Absolut nicht. Es geht um Besitz und Boden. Und die sind im Burgenland ungerecht verteilt. Zwei Drittel des Burgenlandes gehören den Esterházys. Und das stammt noch aus Zeiten des Feudalismus. Das ist für mich nicht nachvollziehbar, da sollte man etwas tun.

Gehen Sie in den Ferien oder neben dem Studium jobben?

Ich arbeite in den Ferien. Derzeit suche ich einen Job, aber durch meine politisches Engagement habe ich wenig Zeit.

Wenn Sie Millionär wären. Was würden Sie mit dem vielen Geld machen?

Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Aber um ehrlich zu sein, würde ich revolutionäre Bewegungen unterstützen.

Haben Sie Vorbilder? Ja, zum Beispiel Fidel Castro und Che Guevara.

Warum die beiden?

Weil Castro eine große soziale Revolution durchgesetzt hat und bis zum heutigen Tag die Menschen begeistern kann. Und Che Guevara ist nie ein Parteibonze geworden und hat für das Volk gekämpft.

Haben Sie schon ’mal Kaviar gegessen und Schaumwein getrunken?

Schaumwein habe ich noch nie getrunken, aber Kaviar schon.

Wie hat er gemundet?

Ganz gut. Aber ich weiß gar nicht, ob das ein echter war, er hat nur drei Euro beim Spar gekostet

Was wollen Sie einmal werden?

Ich hab’ mich fürs Jusstudium entschlossen. Vielleicht werde ich Rechtsanwalt, nicht um Geld zu machen, sondern sich für Menschen einzusetzen.

Arnold Paukowitsch

Der Eisenstädter Arnold Paukowitsch ist 22 Jahre jung und studiert Jus an der Uni Wien. Engagiert beim Kommunistischen StudentenInnenverband in der Hochschülerschaft. Nach eigenen Angaben war er ein schlimmerer Schüler als ein schlimmes Kind. Bertolt Brecht ist sein Lieblingsautor und die Band Velvet Underground schätzt er über alles. Der 22-jähriger spielt selbst hobbymäßig Fußball, ist ein Fan vom FC Liverpool, Rapid ist ihm lieb und Spiele besucht er vom SC Redstar Penzing in der Wiener Unterliga.

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