Das Burgenland lockt Nutztierärzte mit gewidmeten Studienplätzen
Was das Land in der Humanmedizin schon seit Jahren in großem Stil praktiziert, um mehr Jungärzte ins Burgenland zu bringen (siehe Zusatzartikel unten), findet jetzt auch in der Tiermedizin Anwendung.
Allerdings in viel kleinerem Rahmen.
In Kooperation mit der Veterinärmedizinischen Universität Wien stelle das Land für Herbst 2026 aus einem bundesweiten Kontingent „zwei gewidmete Studienplätze zur Verfügung“, teilt die zuständige grüne LH-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner mit. Damit soll dem „zunehmenden Mangel an Großtierärztinnen und -ärzten entgegengewirkt und die tierärztliche Versorgung im ländlichen Raum langfristig abgesichert werden“, lautet die Begründung. Derzeit gebe es noch etwa zehn Gemischtpraxen, wo Klein- und Nutztiere behandelt werden.
„Wir haben sicher zu wenige Nutztierärzte“, bestätigt Johannes Lehner, Geschäftsführer des burgenländischen Rinderzuchtverbandes. Und das, obwohl die Zahl der Rinderbauern im Burgenland stark rückläufig ist – um mehr als 40 Prozent in den letzten Jahren. Derzeit gebe es noch rund 340 Betriebe mit insgesamt 15.000 Tieren, sagt Lehner zum KURIER. Vergleichsweise präsent sei die Rinderhaltung noch in den Bezirken Oberwart und Güssing.
Nachbarn helfen aus
Mitunter kämen schon Nutztiermediziner aus der Steiermark und Niederösterreich ins Burgenland. „Bei Notfällen ist die lange Anfahrt aus den Nachbarbundesländern mitunter ein Problem“, weiß der Geschäftsführer des Rinderzuchtverbandes.
„Aushilfe“ kommt aber nicht nur aus dem Westen, sondern auch aus dem Osten. György Emmer betreibt in seiner ungarischen Heimat eine Kleintierpraxis – Kunden sind in erster Linie Tierhalter aus Österreich, die in Ungarn leben. Im Südburgenland behandelt er Nutztiere. Die Betriebe lägen relativ weit auseinander, erzählt Emmer.
Gewidmete Plätze
Bewerbungen sind bis spätestens 15. März 2026 möglich. Erforderlich sind Lebenslauf und Motivationsschreiben, die per E-Mail ans Land Burgenland – Abteilung 10, Referat Veterinärdirektion und Tierschutz zu übermitteln sind: post.a10-veterinaer@bgld.gv.at
200 Studienplätze
gibt es jedes Jahr an der Veterinärmedizinische Uni Wien.
Dafür gibt es zwischen 1.000 und 1.600 Bewerber.
Was hat es nun mit den beiden gewidmeten Studienplätzen genau auf sich?
Bewerben können sich „Interessierte mit Bezug zum Burgenland, die ihre berufliche Zukunft im landwirtschaftlichen Nutztierbereich oder in einer Gemischtpraxis sehen und amtlichen Tätigkeiten wie der Schlachttier- und Fleischuntersuchung, der Tierseuchenbekämpfung sowie dem Nutztiernotdienst aufgeschlossen gegenüberstehen“, heißt es. Für die beiden burgenländischen Studienplätze braucht es beim Aufnahmetest auf der Vetmed-Uni weniger Punkte als für die regulären Bewerberinnen und Bewerber. Dafür müssen sie u. a. innerhalb von zehn Jahren nach dem Studium drei Jahre im Burgenland arbeiten.
Um dem Medizinermangel entgegenzuwirken, haben das Land und die Danube Private University (DPU) 2022 eine seit 2019 bestehende Vereinbarung ausgeweitet. Bis 2027 sollten jährlich 55 Medizin-Studienplätze für Burgenländer reserviert werden, mit jährlichen Kosten zwischen acht und zehn Millionen Euro fürs Land. Dafür müssen sie nach dem Studium zumindest fünf Jahre im Burgenland arbeiten.2024 stieg die DPU aus, der Auslöser blieb unklar.
Wie viele aktive Studenten aus dieser Kooperation gibt es noch und wie hoch sind die jährlichen Ausgaben des Landes, wollte der KURIER wissen?
170 Studierende beziehen derzeit ein Stipendium des Landes. Aktuell sind 113 davon im DPU-Stipendienprogramm des Landes aktiv. Voraussichtlich acht werden in diesem Jahr ihr Studium abschließen. Die Kosten im aktuell laufenden Studienjahr belaufen sich auf rund 1,6 Millionen Euro. Bisher gibt es sieben Absolventen.
Seit Ende der DPU-Kooperation 2024 gibt‘s eine neue Förderung des Landes: 1.000 Euro monatlich fürs Studium an einer staatlich anerkannten europäischen Universität. 57 (von den oben erwähnten 170) Studenten nutzen diese Förderung, davon 29 seit Herbst 2025.
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