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Bürgermeister hören auf: Das große Sesselrücken in den Gemeindeämtern

Einige Bürgermeister beenden ihre Amtszeit vor der Gemeinderatswahl 2027. Die meisten Übergaben sind vorbereitet, manche Fragen bleiben offen.
Landtagswahl Hessen · Öffnung der Wahllokale

Von Gernot Heigl

Die Gemeinderatswahlen 2027 sorgen bereits heuer für Bewegung in der politischen Landschaft von Nord bis Süd. In zahlreichen Gemeinden legen Ortschefs ihr Amt nieder und übergeben die Geschäfte an ihre Nachfolger. Dabei handelt es sich um persönliche Entscheidungen der jeweiligen Bürgermeister, meistens langfristig geplant und parteiintern abgestimmt.

So etwa in der Gemeinde Eberau (Bezirk Güssing), wo Ortschef Johann Weber (ÖVP) nicht mehr kandidieren wird. „Vierzehn Jahre Bürgermeister sind lang genug. Weil das in meiner Lebensplanung gar nicht vorgesehen war. Auch wenn es teils herausfordernd war, habe ich den Job gerne gemacht.“ Die Amtsübergabe erfolgt am 18. Oktober. „Mein Nachfolger steht bereits fest, wird aber erst nach einem Gemeindeparteitag im Juni offiziell bekannt gegeben.“ Langweilig wird dem pensionierten Bauern (62) eher nicht: „Ich werde im landwirtschaftlichen Betrieb meines Sohnes mithelfen.“

Im März legte Leo Radakovits (67) nach 23 Jahren das Amt des Präsidenten des Gemeindebundes zurück, demnächst folgt auch der Rückzug als Bürgermeister von Güttenbach (Bezirk Güssing). „35 Jahre sind genug. Jetzt sollen die Jüngeren drankommen.“ Einen Nachfolger hat er „schon im Kopf. Für eine Bekanntgabe ist es noch zu früh.“ Die Übergabe erfolgt Anfang 2027.

Wechsel im Süden

Die Amtszeit von 16 Jahren ist auch für Kurt Wagner, Ortschef von Wörterberg (Bezirk Güssing), Grund genug für seinen Abschied, „außerdem bin ich ja auch schon 70“. Die Übergabe an SPÖ-Gemeindevorstand und Ortsparteiobmann Roland Gradwohl erfolgt im Oktober oder November.

Nach zehn Jahren im Amt übergibt Anfang 2027 auch der 60-jährige Martin Kramelhofer (SPÖ) aus Rechnitz (Bezirk Oberwart) seine Agenden. Nachfolgerin soll Amtsleiterin Evelyn Knopf (44) werden.

Mit einem „weinenden Auge, weil ich es gerne gemacht habe“, verabschiedet sich Anfang kommenden Jahres auch Ortschef Günter Valika (SPÖ) aus Jabing (Bezirk Oberwart). „Aber 20 Jahre Bürgermeister sind genug.“ Der Schulleiter (62) hat hinsichtlich seiner Nachfolge „noch nichts geplant, bis Herbst wird entschieden“.

Offene Fragen

Während bei Bürgermeister Johann Kremnitzer (SPÖ) aus Neustift an der Lafnitz (Bezirk Oberwart) „nicht fix ist, ob ich nächstes Jahr noch einmal antrete“, ist die Situation für ÖVP-Ortschef Franz Wachter (64) aus Deutsch Schützen-Eisenberg bereits geklärt: „Nach 24 Jahren im Amt möchte ich im Oktober an Vizebürgermeister Andreas Mittl übergeben.“ Den frühen Zeitpunkt habe er gewählt, „damit sich mein Nachfolger bis zur Wahl einarbeiten kann“.

In die Fußstapfen von Ortschef Erich Trummer (SPÖ) aus Neutal (Bezirk Oberpullendorf) tritt Anfang kommenden Jahres die bisherige Vizebürgermeisterin Birgit Grafl. „Das wurde in den Parteigremien einstimmig beschlossen“, sagt der 58-Jährige. „Den strukturierten Wechsel habe ich in einem Bürgermeisterbrief angekündigt.“ 

Leo Radakovits und Erich Trummer

Erich Trummer (SPÖ) ist in Neutal 24 Jahre im Amt.

Den Grund für seinen Rückzug erklärt Trummer so: „Politik vergleiche ich mit Spitzensport. Bis jetzt habe ich 200 Prozent gegeben. Aber alles hat seine Zeit. Und wie heißt es doch: Wenn es am schönsten ist, soll man gehen.“

Geordnete Übergaben

Ähnlich sieht das sein Parteikollege und Bürgermeister Christian Pinzker (53) aus Unterkohlstätten (Bezirk Oberwart). „Die Zeit hat mir viel Spaß gemacht. Ich habe aber schon am ersten Tag gesagt, dass ich nur zwei Perioden zur Verfügung stehe. Daran halte ich mich.“ Nach der Übergabe an Gemeindevorstand Hannes Lackner (SPÖ) Ende Oktober wird sich Pinzker aus der Politik zurückziehen.

46-217901972

Gerhard Zapfl istin Nickelsdorf 30 Jahre im Amt.

Seinen letzten Arbeitstag als Bürgermeister hat Gerhard Zapfl (SPÖ) aus Nickelsdorf (Bezirk Neusiedl am See) am 30. November. „Irgendwann ist der Zeitpunkt da, für mich ist er nach 30 Jahren gekommen.“ Die Übergabe erfolgt bei der Gemeinderatssitzung am 1. Dezember, wo der zweite Vizebürgermeister Erich Weisz zum neuen Bürgermeister gewählt werden soll.

Wahl und Gerüchte

Alles andere als geordnet verläuft die Übergabe der Geschäfte in Deutschkreutz (Bezirk Oberpullendorf). Dort hat Ortschef Andreas Kacsits (ÖVP) nach internen Turbulenzen sein Amt niedergelegt (der KURIER berichtete). Am 13. September wird der Bürgermeister neu gewählt, bis dahin führt die Geschäfte SPÖ-Vizebürgermeister Jürgen Hofer.

Auch in Krensdorf (Bezirk Mattersburg) steht ein Wechsel an, Karl Izmenyi (ÖVP) tritt zurück: „Die Nachfolge ist noch nicht geregelt, wir arbeiten daran.“ Gerüchte gibt es auch um Ollersdorfs Bürgermeister Bernd Strobl. Ob der ÖVP-Klubobmann 2027 erneut zur Bürgermeisterwahl antritt, ist offen. „Eine diesbezügliche Entscheidung werde ich im Herbst treffen“, sagt Strobl.

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