Fußball-Süden stimmt gegen mehr Regionalität und für neue Klasse
Mehrheit der Südvereine entschied sich für mehr Konkurrenz statt kürzerer Wege.
Im burgenländischen Amateurfußball kommt es zu einer überraschenden Wendung. Die Vereine der BFV-Gruppe Süd haben am Mittwochabend in Strem über die geplante Ligareform abgestimmt – und sich mehrheitlich nicht für jenes Modell entschieden, das im Vorfeld als Favorit gegolten hatte.
57 der 58 Vereine nahmen an der Sitzung teil. Mit 58 Prozent setzte sich ein kurzfristig eingebrachter Vorschlag des UFC Siget durch. Das Modell sieht ab der Saison 2027/28 eine zusätzliche Ligaebene vor. Nach der Landesliga beziehungsweise Burgenlandliga soll es künftig eine Oberliga, eine Unterliga, eine 1. Klasse und nur noch eine 2. Klasse geben.
Favorisiertes Modell aus Oberschützen scheiterte
Das im Vorfeld viel diskutierte Modell aus Oberschützen bekam hingegen nur 24 Prozent der Stimmen. Dieser Vorschlag hätte die 1. Klasse und die 2. Klasse im Süden zusammengelegt und auf der untersten Ebene für mehr regionale Nähe sorgen sollen.
Genau diese Regionalität war ein zentraler Punkt der Reformdebatte. Vor allem kleinere Vereine hatten sich kürzere Anfahrtswege, mehr Derbys und eine geringere Belastung im Spielbetrieb erhofft. Durch die nun gewählte Variante rückt dieser Ansatz allerdings in den Hintergrund.
BFV-Präsident Johannes Wutzlhofer zeigte sich von der Entscheidung überrascht. Mehr Regionalität auf der untersten Ligaebene werde dadurch nicht umgesetzt, sagte er gegenüber dem ORF Burgenland. Stattdessen bringe das neue Modell mehr sportlichen Konkurrenzkampf und eine größere Zahl an Auf- und Absteigern.
Florian Jud tritt als Gruppenobmann zurück
Unmittelbar nach der Abstimmung zog Florian Jud, Obmann der Gruppe Süd, persönliche Konsequenzen und trat zurück. Er nehme die demokratische Entscheidung der Vereine zur Kenntnis, könne das neue System aber nicht vertreten.
Jud hatte sich klar für eine Reform ausgesprochen, die kleineren Vereinen entgegenkommt. Aus seiner Sicht sei das Leistungsniveau in den unteren Klassen bereits hoch, außerdem gebe es zu viele Legionäre. Das nun beschlossene Modell bewirke nach seiner Einschätzung das Gegenteil dessen, was ursprünglich angestrebt worden sei.
Umsetzung erst ab 2027/28
Die Reform wird nicht sofort umgesetzt. Die Saison 2026/27 soll als Übergangssaison dienen. Erst ab 2027/28 soll die neue Ligastruktur in Kraft treten.
Offen bleibt, ob es bis dahin noch weitere Diskussionen geben wird. BFV-Präsident Wutzlhofer schloss ein Umdenken jedenfalls nicht völlig aus. Formal hat die Gruppe Süd aber vorerst eine klare Entscheidung getroffen.
Blick richtet sich nun in den Norden
Am 9. Juni wird auch in der Gruppe Nord über eine Ligareform abgestimmt. Dort liegt bisher ein Modell vor, das eine Ligaebene reduzieren und mehr Regionalität schaffen würde.
Damit könnte der burgenländische Fußball künftig unterschiedliche Wege einschlagen: Im Süden wurde ein Modell mit stärkerer Leistungspyramide beschlossen, im Norden steht ein Modell mit mehr regionaler Nähe zur Debatte. Für den BFV ist die Reformfrage damit noch nicht abgeschlossen.
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