Johannes Jandresits: Die Leidenschaft hinter dem Golfschwung
Begleiter und Mentor. Johannes Jandresits ist seit über 20 Jahren Golflehrer: „Golf ist auch für Kinder ein wirklich großartiger Sport.“
Vanessa Halla
Schläger trifft Ball – Passion trifft Johannes. Das war die „long story short“-Version dieses Arbeitsweges. Freilich gibt es zum Leben und Werken des Golflehrers Johannes Jandresits noch viel mehr zu erzählen. Er selbst nämlich hört gefühlt nie damit auf, über seine große Leidenschaft, das Golfen, zu sprechen.
Johannes ist 39 Jahre alt, Golflehrer, Vater, Naturmensch. Neun Generationen lang war seine Familie in der Gastronomie tätig. Ein Weg, der vorgezeichnet schien. „Mein Vater wollte, dass einer von uns Kindern in die Gastro geht“, erzählt er. Um die Geschichte abzukürzen: Johannes ging nicht – zumindest nicht in die Gastro. Sein Weg führte den Südburgenländer schließlich in die Golf-HAK in Stegersbach. Und auch wenn er noch das Volksschullehramt absolvierte, war für ihn bereits als Teenager klar: Ich möchte einmal vom Golfspielen leben können.
Liebe auf den ersten Schlag
1999, ein erster Abschlag. „Ich hab den Ball rausgehauen – und das war's.“ Seit diesem Tag, so erzählt der passionierte Golflehrer, gab es in seiner Welt nur noch diesen Sport. Innerhalb eines Jahres spielt Johannes Jandresits ein Handicap von 11. Übersetzt heißt das: Je niedriger die Zahl, desto besser der Spieler. Jandresits war also von Anfang an ein fortgeschrittener Amateurspieler. Aus Leidenschaft wurde Ehrgeiz, aus Ehrgeiz ein Beruf.
Heute steht Johannes fast täglich am Platz des Reiters Golf & Country Club in Bad Tatzmannsdorf. Unter der Woche, am Wochenende, in der Hauptsaison von März bis Oktober. Er arbeitet freiberuflich, gestaltet Trainings, betreut Kinder, Senioren. „Ich hab manchmal zehn verschiedene Persönlichkeiten am Tag vor mir und für jeden Kunden quasi ein eigenes Wörterbuch. Zwischenmenschlich bin ich ein Chamäleon.“ Golf, das wird schnell klar, ist für ihn mehr als ein Sport. Ein geschützter Bereich, wie er sagt. „Hier nimmt dir keiner was weg. Anders als beim Fußball, wo der Ball ständig umkämpft ist, bleibt der Golfschlag bei einem selbst. Es ist ein Spiel, das man allein, miteinander und auch gegeneinander spielen kann. Das macht es auch für Kinder so großartig.“
Unbezahlbare Energie, wenn der Ball fliegt
Die Bewegung, die Natur, das Klacken beim Treffen des Balls – für Johannes Jandresits ist das Schöne an seinem Sport ein Gesamtgefühl. „Diese Energie, wenn der Ball fliegt, ist unbezahlbar. Beim Golfen gehst du oft zehn Kilometer, aber merkst es nicht“, sagt er. Dass er als Kind Asthma hatte und nie Fußball spielen konnte, erscheint im Rückblick fast wie eine Fügung. „Wenn ich nicht draußen sein kann, geh ich ein. Golf ist für mich Freiheit und Lebenselixier. In einem Büro würde ich sterben.“
Sein Weg zum Golflehrer führt den gebürtigen Güssinger, der mittlerweile in Drumling lebt, über eine fünfjährige Ausbildung zum PGA Professional, geprägt auch von internationalen Einflüssen. Namen wie David Leadbetter fallen, einer der großen Lehrmeister des Sports. Jandresits spricht darüber ohne Pathos. Wichtiger ist ihm das Hier und Jetzt: die Menschen vor ihm.
Lieber Mentor statt Profi
Kinder ab vier Jahren stehen bei ihm am Abschlag. Es ist Samstagnachmittag – Trainingszeit. Zehn Kinder wuseln mit ihren Golfbags und Schlägern um den Golflehrer herum. „Johannes, schau mal! Johannes, wie geht das? Johannes, mein Schuhband ist offen.“ Johannes liebt's! Geduldig beantwortet er jede Frage, korrigiert Handgriffe, reißt Witze und fürchtet sich auch nach dem hundertsten, gefährlich nahen Abschlag, nicht um seinen Kopf. Es geht ihm nicht darum, Profis zu formen. „Ich sehe mich als Begleiter, als Mentor. Einer, der Möglichkeiten aufzeigt. Es gibt so wenige Menschen mit echter Leidenschaft und gleichzeitig tausend Gründe, um einen Golfschläger in die Hand zu nehmen“, sagt er.
Golf, so beschreibt Johannes Jandresits es, ist ein Spiel ohne Ende. Anders als ein Computerspiel, das man durchspielt und dann zur Seite legt. „Hier lernst du jede Woche etwas Neues. Nach 27 Jahren stehe ich so gesehen auch noch immer am Anfang, irgendwie.“
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