Marban ist täglich mit den Schicksalen der Flüchtlinge konfrontiert, er versteht nicht, warum die Burgenländer Angst vor ihnen haben

© /Natascha Marakovits

Flüchtlinge
07/08/2015

Bis zu 100 Aufgriffe pro Tag

Burgenlands Polizei steht vor einer logistischen und personellen Herausforderung.

von Natascha Marakovits

"Die Tendenz ist eindeutig steigend", sagt Helmut Marban von der Polizeidirektion Burgenland. "Tage mit bis zu 100 Aufgriffen sind keine Seltenheit mehr." Das bestätigen auch die Zahlen: Wurden im gesamten Burgenland 2014 insgesamt 4526 Flüchtlinge aufgegriffen, waren es mit gestrigem Tag bereits 5051. "Und es deutet alles darauf hin, dass es noch mehr werden", betont der Oberstleutnant. Die meisten gibt es im Bezirk Neusiedl am See, aber auch im Süden würden es mehr werden.

Doch was passiert eigentlich mit den Menschen, die aufgegriffen werden? "Es ist logistisch und personell eine Herausforderung. Dennoch haben wir es bis jetzt, mit unseren Kapazitäten sehr gut geschafft, die Zahl der Aufgriffe innerhalb der vorgegebenen Frist zu bearbeiten", sagt Marban. 48 Stunden haben die Beamten Zeit, die Identität der Personen zu klären, um sie gegebenenfalls in ein Erstaufnahmezentrum weiterzuvermitteln. Dafür gibt es verschiedene "Stationen", wir Marban es nennt, die in Frage kommen. Werden die Flüchtlinge im Norden aufgegriffen, ist die erste Anlaufstelle das Competence Center in Eisenstadt. 40 Personen haben dort Platz. "Ist es voll, werden sie nach Vordernberg gebracht", erklärt der Oberstleutnant. Werden Menschen im Süden aufgegriffen ist die erste Anlaufstelle Heiligenkreuz, wo bis zu 40 Personen Platz finden. Daneben gibt es für das Mittelburgenland noch eine Station in Schattendorf.

Sind die Flüchtlinge aufgenommen, beginnt die eigentliche Polizeiarbeit: Fingerabdrücke werden genommen, Papiere, falls vorhanden, geprüft. "Aufgrund der internationalen Vernetzung erfahren wir in rund 15 Minuten, ob die Person schon einmal kriminell gewesen ist", sagt Marban.

Erst nach Klärung der Identität und Ablauf der 48 Stunden, werden die Flüchtlinge in ein Erstaufnahmezentrum – Traiskirchen oder Thalham – gebracht und das Asylverfahren wird eingeleitet. "Es gibt auch viele, die in Österreich kein Asyl wollen, sondern weiter nach Deutschland oder ein anderes Land wollen. Da erfolgt dann kein Antrag, denn sonst müssten sie nach Dubliner Übereinkommen in Österreich bleiben." 45 Beamte sind allein in Eisenstadt mit der Bearbeitung der Fälle beauftragt.

Emotionen

Helmut Marban ist täglich mit Flüchtlingsaufgriffen konfrontiert. "Natürlich beschäftigt es mich, wenn wir Familien mit Kleinkindern unterbringen müssen, die alles hinter sich gelassen haben, um ihr Leben zu retten. Wenn man das sieht, denkt man anders über Flüchtlinge", sagt er und betont dabei, dass sie keinesfalls mit Verbrechern gleichzusetzen sind. "Ich verstehe nicht, dass Burgenländer Angst vor Flüchtlingen haben. Wir sind das sicherste Bundesland, das belegen die Zahlen schwarz auf weiß." Kriminell seien nur die Schlepper, deren Zahl dieses Jahr angestiegen sei. "2014 wurden 167 verhaftet, heuer stehen wir bereits bei 119."

Aufgrund der Platznot sind in der Landespolizeidirektion derzeit 39 Flüchtlinge untergebracht. "Wir haben ihnen im Turnsaal ein Bettenlager errichtet, sind nur Unterkunftgeber, die Menschen sind hier natürlich nicht eingesperrt, nur weil es vielleicht so aussieht", stellt der Oberstleutnant klar. Probleme würde es keine geben. "Es gibt Kollegen, die mit ihnen im Hof Fußball spielen, um ihnen ein bisschen die Zeit zu vertreiben."

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.