Chronik | Burgenland
23.07.2017

"Backhendlkaiser" folgt Paprikawirtin

Katharina und Daniel Hickel führen das "Alte Brauhaus" nach Ilona Püspök weiter.

"Hier ist mein Paradies. Wenn Zeit bleibt, ziehe ich mich in meinen Garten zurück. Da kann ich abschalten, Kraft tanken", sagt Katharina Hickel und bringt auch gleich eine Gurke aus einem der Gemüsebeete mit. "Manchmal sehen Kinder eine reife Gurke oder Tomate und essen sie gleich", verrät sie.

Die Chefin des "Alten Brauhaus" in Frauenkirchen ist naturverbunden, das merkt man. Das war mitunter auch ein Grund, warum sie und ihr Mann sich vor zwei Jahren entschlossen haben, das Landgasthaus "Altes Brauhaus" zu übernehmen. "Das Burgenland schätze ich vor allem wegen der Natur. Die Lebensqualität ist eine ganz andere als in Wien. Jetzt kann ich dort leben und arbeiten, wo andere Urlaub machen", meint sie.

Erster Urlaub seit 2015

Katharina Hickel stammt ursprünglich aus Kroatien, ihr Mann Daniel aus Wien. Beide sind gelernte Köche, haben 22 Jahre in Wien gelebt. Die Entscheidung, das "Alte Brauhaus" zu übernehmen kam durch Zufall. "Wir wollten schon lange ein eigenes Lokal in Wien aufmachen, haben aber nichts Passendes gefunden. Im Alten Brauhaus waren wir seit Jahren Stammgäste. Als unsere Vorgängerin Ilona Püspök, die Paprikawirtin, jemanden gesucht hat, der das Gasthaus übernehmen will, hat sie uns gefragt." Die beiden mussten nicht lange überlegen. "Wir stehen nun da, wo wir immer stehen wollten. Natürlich gibt es sehr anstrengende Tage. Aber hier steckt so viel Herzblut drin, wir möchten nicht mehr weg." Dass dies wirklich so ist, verrät sie sofort, denn "mein Mann ist mit unserer Tochter gerade für vier Tage auf Urlaub gefahren. Das sind die ersten freien Tage seit Eröffnung".

Während Daniel Hickel mit der Tochter auf Urlaub ist, schupft seine Frau das Gasthaus alleine. "Natürlich ist es eine Herausforderung. Unser höchster Anspruch ist es, den Gästen immer eine gleichbleibende Qualität zu garantieren."

"Ordentliche Portion"

In der Küche wird Wert auf regionale, saisonale Produkte gelegt. "Wir wollen die Bauern der Umgebung unterstützen. Nur wenn es nicht anders geht, beziehen wir die Produkte nicht aus dem Seewinkel. Die Erdäpfel kommen zum Beispiel vom Nachbarn, Nudeln und Marmelade machen wir selbst. Eine Spezialität ist die Paprikamarmelade", sagt die Chefin. "Und der Fisch schwimmt nur fünf Kilometer aus Apetlon hierher", sagt sie lachend.

Von ihrer ursprünglichen Heimat Kroatien fließt in die Küche des "Alten Brauhaus" wenig ein. "Die Leute essen am liebsten klassische österreichische Küche. Backhendl, Tafelspitz gehen am besten. Eine ordentliche Portion wollen sie am Teller haben. Es kann schon vorkommen, dass wir 50 bis 60 Portionen Backhendl an einem Tag verkaufen", sagt Hickel.

Zu den Gästen zählen neben Einheimischen vor allem auch Urlauber. "Es kommen viele Radfahrer, viele Wiener." Daher seien die Sommermonate auch die stressigste Zeit. "Ab Ende Juli bis Mitte September haben wir täglich geöffnet. Ansonsten ganzjährig von Mittwoch bis Sonntag."

Zwei Jahre nach Übernahme hegt das Gastropaar bereits neue Pläne: "Wir möchten das Catering weiter ausbauen. Derzeit gibt es in der Region nur ein sehr mangelhaftes Angebot."