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Chronik Burgenland Aus Ihrer Region
02/12/2021

Familie Habesohn bittet zu Tisch

Als Teamchef des Österreichischen Tischtennis-Verbandes trainiert Mathias Habesohn vom UTTC Oberwart seinen Bruder Daniel.

von Stefan Jedlicka

Aus dem Südburgenland an die Spitze der österreichischen Tischtennis-Nationalmannschaft: Mit Mathias Habesohn wurde ein Spieler des UTTC Oberwart zum neuen Teamchef ernannt, während sein jüngerer Bruder Daniel als Spieler bereits seit Jahren erfolgreich für das Nationalteam aufschlägt.

Und der 36-Jährige hat möglicherweise gleich ein besonders arbeitsreiches Jahr vor sich. Denn falls es die Corona-Entwicklung zulässt, könnten heuer sowohl Olympische Spiele als auch Mannschafts- und Einzel-Europameisterschaften auf dem Programm stehen. Kurzfristiges Ziel von Mathias Habesohn ist daher die Olympia-Qualifikation.

Eine neue Generation

Langfristig will der 36-Jährige, der seine erfolgreiche Spielerkarriere nun als Teamchef beendet, eine neue Generation aufbauen, um an die großen Erfolge vergangener Jahre anzuschließen – Höhepunkt war zweifellos Werner Schlagers Einzel-Weltmeistertitel im Jahr 2003. „Das zu wiederholen, ist natürlich wahnsinnig schwer“, ist sich Habesohn bewusst. „Weil Tischtennis eine so komplexe Sportart ist und so viele verschiedene Faktoren zusammenspielen müssen.“ Aber Österreich verbucht seit 25 Jahren weltweit kontinuierlich große Erfolge.

Wesentlichen Anteil daran hat Bruder Daniel (34), mehrfacher österreichischer Staatsmeister, 2012 und 2018 außerdem Europameister im Doppel. 2015 gewann er mit der Mannschaft EM-Gold, bei der Heim-EM 2013 in Schwechat holte er Silber im Doppel und auch bei den Olympischen Spielen 2008, 2012 und 2016 vertrat er Österreich. „Wir haben uns immer gegenseitig unterstützt“, sagt Daniel. „Und ich habe meinen Bruder schon früher bei internationalen Turnieren als Trainer dabei gehabt. Weil ich mir bei ihm zu 100 Prozent sicher bin, dass er alles dafür tut, dass ich gewinne. Er kennt mich ganz genau. Das gibt einem auch mental zusätzlich Rückhalt, was bei mir immer eine große Rolle spielt.“

Nachwuchs fehlt

Um langfristig junge Spieler an die Weltspitze zu bringen, sei in den vergangenen Jahren zu wenig passiert, sagt sein Bruder als Teamchef. „Es gibt einige gute Talente im Alter von etwa 20 Jahren, darunter aber leider relativ wenig.“ Sehr wichtig sei eine gute Trainerausbildung, ist Mathias überzeugt: „Gerade mit Kindern müssen die Besten arbeiten, um sie richtig zu fördern.“ Dies sei eines der Erfolgsgeheimnisse hinter der chinesischen Dominanz in diesem Sport. „Dort ist Tischtennis wie ein Unterrichtsfach in der Schule.“

Überrascht

Das Angebot des Verbandes sei für ihn zum jetzigen Zeitpunkt überraschend gekommen. „Weil gerade erst vor einem halben Jahr ein sehr renommierter Trainer aus Schweden geholt worden war. Aber der musste krankheitsbedingt wieder aufhören“, erzählt Mathias. Er habe aber erwartet, dass „der Verband vielleicht früher oder später fragen wird“, weil ich Spieler in der Nationalmannschaft war und dann Trainer in der Werner-Schlager-Akademie.“

Ganz leicht gefallen sei ihm die Entscheidung nicht, gibt er zu. Denn zuletzt arbeitete er für den bekannten Tennis-Trainer Günter Bresnik, der unter anderem Boris Becker und Dominik Thiem betreut hatte, im Leistungszentrum Südstadt (NÖ). „Das war für mich auch ein absoluter Traumjob. Ich habe zwei Spieler bei Turnieren betreut und sehr wertvolle Erfahrungen für mich als Trainer mitgenommen. Aber es war klar, dass ich dem Tischtennis, wo ich ja zu Hause bin, den Vorrang gebe“, sagt er. „Auch meine Mutter hat gefragt, ob ich sicher bin, dass ich tauschen will. Dass es aber das Wichtigste ist, dass es mir gut geht.“

Dank an die Mutter

Einmal mehr sei er ihr daher für ihre Unterstützung dankbar, betont Mathias. Sonita Habesohn, selbst erfolgreiche Spielerin, lebt für den Tischtennissport. „Sie hat uns als Kinder immer mit in die Halle genommen“, erzählt Mathias. Dass Tischtennis in der Familie des Teamchefs einen ganz besonderen Stellenwert einnimmt, zeigt auch der Jüngste im Bunde: Dominik (32) gehört ebenfalls zur österreichischen Spitze, wurde 2015 Europameister. Er spielt nach wie vor für Oberwart in der Bundesliga.

Die drei Brüder wuchsen extrem sportlich auf: „Wir haben viele verschiedene Sportarten betrieben. Unsere Mutter hat uns nie zum Tischtennis gedrängt, sondern gesagt, was uns am meisten Spaß macht, sollen wir einen Tag öfter in der Woche trainieren, etwas anderes dafür weglassen“, erinnert sich Mathias. „Aber für uns war Tischtennis immer Lebensinhalt. Auch meine Mutter spielt nach wie vor jeden Tag.“

Den eigenen Bruder zu trainieren, sei „in Wahrheit ganz einfach“, meint er lachend. „Ich habe ihn als älterer Bruder auch in der Vergangenheit schon quasi gecoacht. Bei uns ist es den ganzen Tag um Tischtennis gegangen. Daher waren wir alle schon als Spieler halb ausgebildete Trainer, weil wir ständig auch über Theorie gesprochen haben. Wir haben alle drei eine sehr gute Beziehung untereinander, da hat es nie Probleme gegeben. Wir unterstützen einander.“

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