Burgenland-Wirtschaft: Warum Experten trotz Plus besorgt sind
Aufschwung im Handel, aber Anstieg der Arbeitslosigkeit.
Gute Nachrichten aus der Wirtschaft waren in den vergangenen Monaten rar. Umso erfreulicher die aktuelle Meldung der Sparte Handel der Wirtschaftskammer Burgenland. Erstmals seit 2022 wurde im Vorjahr ein reales Wachstum von zwei Prozent erzielt, die Umsätze stiegen um 3,5 Prozent auf rund sieben Milliarden Euro.
Treiber hinter dieser positiven Entwicklung waren vor allem der Großhandel (plus 6,7 Prozent) und die Kfz-Wirtschaft (plus zehn Prozent). Der Einzelhandel konnte nominell sein Niveau halten, real wurden Rückgänge verzeichnet.
„Nach herausfordernden Jahren zeigte sich 2025 erstmals ein sichtbarer Aufwärtstrend im burgenländischen Handel“, sagt Spartenobmann Alexander Fischer. Für eine nachhaltige Erholung der Branche brauche es aber faire und verlässliche Rahmenbedingungen, insbesondere im Wettbewerb mit internationalen Online-Plattformen.
Wen trifft es besonders?
Die positive Entwicklung in der Sparte Handel wirkte sich auf die Beschäftigung aus. Ein genauer Blick auf den Arbeitsmarkt zeigt ein differenziertes Bild. Ende Februar waren etwas mehr als 12.500 Menschen beim AMS Burgenland arbeitslos gemeldet oder in Schulungen (plus 4,3 Prozent); auch die Zahl der als arbeitslos Vorgemerkten stieg auf über 10.500 Personen (plus 5,3 Prozent) an. Insgesamt ging die Zahl der unselbstständig Beschäftigten leicht zurück.
Bei den über 60-Jährigen stieg die Arbeitslosigkeit um 12,7 Prozent. Auch die Zahl der Langzeitbeschäftigungslosen (plus 11,3 Prozent) sowie jene der Personen mit gesundheitlichen Vermittlungseinschränkungen (plus 4,7 Prozent) nahm zu.
Nach Branchen verzeichnete der Bau mit plus 16,7 Prozent den stärksten Anstieg. Das anhaltende Winterwetter führte zu einem Plus von 305 arbeitslosen Personen. Regional stieg die Arbeitslosigkeit am stärksten in Oberpullendorf sowie in Stegersbach/Jennersdorf. Mattersburg verzeichnete einen Rückgang von 0,9 Prozent.
Bei den im Burgenland offenen Stellen schließt sich der Kreis zum Handel. Dort gibt es nämlich die meisten offenen Stellen (215), dahinter folgen bereits sogenannten „Arbeitskräfteüberlasser“, also Leiharbeitsfirmen (161). Am Lehrstellenmarkt halten sich Angebot und Nachfrage ungefähr die Waage: 123 suchenden jungen Menschen standen 142 Angebote gegenüber.
„Mein Blick richtet sich sorgenvoll auf den Konflikt im Nahen Osten. Die daraus resultierende globale Unsicherheit dämpft die zuletzt tendenziell positiven Signale deutlich“, sieht AMS-Landesgeschäftsführerin Helene Sengstbratl „große Herausforderungen für den heimischen Arbeitsmarkt“ am Horizont. Das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) ließ zuletzt noch mit guten Nachrichten aufhorchen: Die begonnene Konjunkturerholung sollte sich heuer und im kommenden Jahr weiter verstärken.
Kommentare