Auf Werbetour in der Vorzeigeschule

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In Mattersburg steht die größte Neue Mittelschule des Burgenlands. 2015 sollen alle Hauptschulen dazu umgewandelt werden.

Wir würden unsere Kinder wieder in die Neue Mittelschule schicken", stellt Christian Zant dem 2008 gestarteten Schulversuch das beste Zeugnis aus. Tochter Anna war vor drei Jahren unter den ersten Schülern der Neuen Mittelschule (NMS) Mattersburg. Gestern, Montag, hat das Mädchen aus dem nordburgenländischen Pöttsching mit der vierten Klasse begonnen. Ihr Bruder Nikolas besucht die zweite Klasse. Neben individueller Förderung dank Team-Teaching mit zwei Lehrern sei die Nachmittagsbetreuung ein Plus. "Das ist fast schon Nachhilfe", sagt Zant. Und das um 43 Euro (als Kostenbeitrag für die Ganztagesklassen) im Monat.

Jubelstimmung

Das Pappelstadion ist an diesem Spätsommertag zwar verwaist, einen Steilpass entfernt wird in Mattersburg dennoch gejubelt: Unterrichtsministerin Claudia Schmied und Landeshauptmann Hans Niessl sind in die mit 518 Schülern und 75 Lehrern größte NMS des Burgenlandes gekommen, um das Finale des ersten Durchgangs einzuläuten. 434 NMS-Standorte gibt es mittlerweile in ganz Österreich, im Juni 2012 werden die ersten vier Jahrgänge diesen Schulversuch absolviert haben. Geht es nach Schmied, gibt es dann auch eine Einigung mit der ÖVP, die NMS ins Regelschulsystem zu überführen. "Bis 2015/2016 sollen alle Hauptschulen Neue Mittelschulen werden", wünscht sich die Ressortchefin. Vom KURIER zur Zukunft der Gymnasien befragt, sagte Schmied, sie wolle eine gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen, aber mit der ÖVP sei das "derzeit nicht möglich". Sie lade jedoch alle Gymnasien ein, NMS zu werden - im Mattersburger Gymnasium wohl kein Thema. Heuer starten mit 117 Schülern um 19 mehr als im Vorjahr.

Erdem wollte vor drei Jahren noch lieber ins Gymnasium, "aber dafür war ich zu schwach". Dennoch meint der 13-Jährige, "dass ich in der Neuen Mittelschule viel gelernt habe".
Das unterschreibt auch ein altgedienter Pädagoge an der NMS Mattersburg, aber er sieht auch Schattenseiten: Durchfallen sei fast passé, weil schwachen Schülern wenig abverlangt werde. "Auch aus der Neuen Mittelschule kommen Kinder, die nach der Schule nur schlecht lesen und schreiben können."

Vielleicht auch ein Grund, warum laut einer von Schmied präsentierten Umfrage 90 Prozent der Schüler "gerne in die NMS gehen".

Erstellt am 05.12.2011