830 Asbestfasern bei Klinik Oberwart: Greenpeace kritisiert Messungen

Greenpeace kritisiert die Messungen der Taskforce zur Asbestbelastung im Burgenland. Ein Messwert bei der Klinik Oberwart sorgt für besondere Aufmerksamkeit.
Mehrere moderne Gebäude mit roten Dächern und großen Fenstern liegen inmitten grüner Landschaft und Waldflächen.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat am Donnerstag die Luftmessungen der Taskforce zur Asbestbelastung im Burgenland kritisiert. Bei den veröffentlichten Messwerten würden wichtige Daten fehlen, erklärte Stefan Stadler, Sprecher des Greenpeace-Investigativteams.

Für Aufmerksamkeit sorgt vor allem ein Messwert bei der Klinik Oberwart. Dort wurden 830 Asbestfasern pro Kubikmeter festgestellt. Den deutschen Umwelttoxikologen Norbert Weis ließ dieses Ergebnis aufhorchen. Unter den herrschenden Bedingungen sei das „ein Hammer“.

Gemessen worden sei bei hoher Luftfeuchtigkeit und nassem Boden. Feuchtigkeit sei jedoch faserbindend. Zudem würden Messungen im Außenbereich eine große Verdünnung aufweisen. „Selbst wenn etwas freigesetzt wird, ist es sofort weggeweht und man kann es in der Nähe schon nicht mehr erfassen“, erklärte Weis. Wenn unter solchen Bedingungen Fasern gefunden werden, „dann haben wir eigentlich ein richtiges Problem“.

Kritik an Grenzwert der Taskforce

Auch der von der Taskforce herangezogene Richtwert von bis zu 1.000 Fasern pro Kubikmeter stößt bei Greenpeace auf Kritik. Für Weis handle es sich dabei eher um einen politisch festgelegten Wert. Er plädierte für eine Reduktion auf zumindest 500 Fasern pro Kubikmeter.

Auch Stadler hält den aktuellen Grenzwert für zu hoch. Bei Asbestsanierungen sowie in sensiblen Bereichen wie Kindergärten, Schulen und Krankenhäusern gelte dieser Wert. 1.000 Fasern pro Kubikmeter seien aus seiner Sicht „viel zu hoch“.

Zusätzlich kritisierte Stadler, dass das Land Burgenland nur den Mittelwert über den Messzeitraum von mehreren Stunden veröffentlicht habe. Der gesamte Messbereich inklusive punktueller Spitzenwerte sei nicht bekannt. Unklar sei zudem, welche Arten von Asbestfasern festgestellt wurden, obwohl sich diese in ihrer Gefährlichkeit deutlich unterscheiden. Greenpeace plädiert daher dafür, Staubmessungen etwa von Fensterbänken mit den Luftmessungen zu koppeln.

Asbest seit 1990 verboten

  • Asbest ist eine krebserregende Substanz.
  • In Österreich wurde die Inverkehrbringung 1990 weitgehend verboten.
  • Über mehr als drei Jahrzehnte war der Stoff unter anderem häufig als Bau- oder Isoliermaterial eingesetzt worden.
  • Es handelt sich dabei um Silikate mit Faserstruktur und um einen „hochgefährlichen karzinogenen Stoff“, der laut EU weiterhin in verschiedenen Wirtschaftszweigen vorkommt. Genannt werden etwa die Renovierung von Gebäuden, Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, Abfallbewirtschaftung oder Brandbekämpfung.
  • Ende 2023 wurden in einer EU-Richtlinie die Regeln zur Asbestexposition am Arbeitsplatz nochmals verschärft.

Das im Osten Österreichs gefundene Asbest wurde von Stadler als kreideartig und leicht zerfallbar beschrieben. Die Argumentation des Burgenlands, dass gebundenes Material nicht akut gefährlich sei, könne er daher nicht nachvollziehen.

Gefunden wurde Asbest unter anderem in Streusplit, Schotter und Asphalt. Als Quelle gelten vier Serpentinit-Steinbrüche im Burgenland, die Anfang Jänner wegen zu hoher Asbestwerte von den Behörden geschlossen wurden. Greenpeace kritisierte unter anderem mangelnden Arbeitnehmerschutz sowie unzureichende Unterstützung für Private, die mit kontaminiertem Material in ihrer Wohnumgebung konfrontiert seien.

Gesundheitsrisiken durch Fasern

Umwelttoxikologe Weis erklärte, dass Asbestbrocken zunächst nicht unbedingt gefährlich seien. Problematisch werde es, wenn daraus lungengängige „WHO-Fasern“ im Mikrometerbereich entstehen.

Gelangen diese Fasern in die Lunge, bleiben sie dort und können Entzündungsreaktionen auslösen, die wiederum Krebs verursachen können. Eine besonders schwere Folge ist die Asbestose, eine Lungenerkrankung, die durch häufig eingeatmete Asbestfasern entsteht und zu einem „bindegewebig-narbigen Umbau von Gewebe der Lunge (Lungenfibrose)“ führen kann.

Trotz des Verbots sei die Zahl der Erkrankungen laut Weis nicht rückläufig. Allein in Deutschland sterben Schätzungen zufolge jährlich 15.000 Menschen an den Folgen. Warum kein Rückgang zu beobachten sei, werde auf noch unbekannte Quellen zurückgeführt.

Dass Asbest im Burgenland schließlich auch im Schotter gelandet ist, bezeichnete der Leiter des Bremer Umweltinstituts als „fast schon kriminell“.

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