Arnold: "Alles war ein riesiger Bluff"

Der ehemalige künstlerische Leiter bei Esterházy fühlt sich hinters Licht geführt und klagt knapp 200.000 Euro ein.

Knapp 13 Monate ist es her, da präsentierte Generaldirektor Stefan Ottrubay im März 2011 stolz seinen neuen künstlerischen Leiter für die Sparte Musik im Hause Esterházy: Joachim Arnold.

Unter der Federführung des Deutschen wollte man wieder verstärkt an jene Traditionen anknüpfen, "die die Fürstenfamilie einst auszeichneten: die Pflege und Förderung der Musik", so Ottrubay. Arnold wäre laut  Konsulentenvertrag vom 1. September 2010 bis zum 31. August 2015 mit der künstlerischen Leitung der Opernfestspiele St. Margarethen (OFS) betraut und für die musikalische Programmierung der Veranstaltungen im Schloss zuständig gewesen. Seine neue Aufgabe bezeichnete Arnold damals als "umwerfend". So richtig umgeworfen hat es ihn aber erst ein paar Monate später.

"Ich musste feststellen, dass das alles nur ein riesiger Bluff war. Entgegen den Ankündigungen wurde mir plötzlich mitgeteilt, dass ich nach der Produktion von Don Giovanni nicht mehr künstlerischer Leiter der Opernfestspiele sein werde", erklärt Arnold. Denn bis Ende 2013 hat Wolfgang Werner, Gründer der OFS, einen Vertrag mit Esterházy und somit auch das Sagen, wer künstlerischer Leiter ist. Arnold hätte also erst frühestens 2014 im Steinbruch inszenieren können.

Kündigung

Da er damit den Vertragsgegenstand nicht mehr gegeben sah, beschloss Arnold im vergangenen Herbst, sich von Esterházy wieder zu trennen. Wochenlang hieß es, man arbeite an einem Vergleich. "Das war aber nur ein Spiel auf Zeit seitens Esterházy. Man wollte sich mit mir gar nicht vergleichen. Das hat mich persönlich tief getroffen", betont Arnold, der daraufhin gegen Esterházy vor Gericht zog, um knapp 200.000 Euro der ausstehenden Gage einzuklagen.

Bei Esterházy hat man für Arnolds Abgang und die Klage kein Verständnis. "Es war doch immer klar, dass 2012 und 2013 die Entscheidung über die künstlerische Leitung bei Werner liegt. Wir haben niemanden über die bestehenden Verträge in Unwissenheit gelassen", sagt Esterházy-Direktor Karl Wessely.

Doch nicht nur Arnold hat dies anders gesehen. Schützenhilfe bekommt er von Guy Montavon, dem Generalintendanten des Theaters Erfurt, der sich ebenfalls um den Job in Eisenstadt beworben hatte. Zu keinem Zeitpunkt sei die Rede von Einschränkungen gewesen oder dass die tatsächliche Verantwortung als künstlerischer Leiter erst nach dem Ablauf von Werners Pachtvertrag erfolgen würde, erklärt Montavon, der seine Aussage auch vor Gericht wiederholen würde. Dort treffen Arnold und  Esterházy-Vertreter am 18. April wieder aufeinander.

( Kurier ) Erstellt am 12.04.2012