Chronik | Burgenland
27.08.2018

Altes Handwerk neu "aufgebürstet"

Tradition und Moderne: Burgenlands letzte Bürstenerzeugerin Melanie Eckhardt besteht am Markt mit Innovation.

In der Werkstatt von Melanie Eckhardt stehen die Maschinen kaum jemals still. Bereits in dritter Generation führt die 43-Jährige gemeinsam mit ihrem Mann Gerald den Familienbetrieb weiter. 1951 hat ihr Großvater das Unternehmen in Mattersburg gegründet. Vier bis fünf Bürstenerzeuger habe es damals alleine in Mattersburg gegeben. „Heute betreiben wir die einzige Bürstenerzeugung im Burgenland“, erzählt die Firmenchefin.

2001 hat sie den Betrieb übernommen – nicht ohne vorher das Handwerk selbst von der Pike auf zu erlernen. Während der Opa noch mit Kehr-, Wasch- und Schrubbbesen das Sortiment ausfüllte, ist die Angebotspalette heute vielschichtiger. Mehrere hundert Bürsten und Besen gibt es im Geschäft zu kaufen. Eckhardts Ziel ist es, altes Handwerk mit neuen Ideen wiederzubeleben. „Wir stellen vor allem Nischenprodukte her, die man in der Massenproduktion nicht bekommt.“

Rückenkratzer für Kühe

Zehn bis 15 verschiedenen Nagelbürsten oder rund ein Dutzend verschiedener Haarbürsten etwa bietet Eckhardt an, ebenso wie vegane Zahnbürsten. Für die Kunden werden auf Wunsch auch Spezialbürsten gefertigt. „Erst dieser Tage haben wir einen Auftrag aus Frankreich zur Herstellung von Hutbürsten erhalten.“ Aber auch Bürsten zum Rückenkratzen für Kühe und Pferde beispielsweise gibt es zu kaufen.

Das Holz für die Herstellung der Besen und Bürsten bezieht Eckhardt unter anderem von einem Tischlereibetrieb aus der Region. Wildschweinborsten, Ziegenhaars und pflanzliche Fasern werden ebenso verwendet.

Kaufen kann man die Bürsten und Pinsel im Geschäft in Mattersburg (Pielgasse 14). Seit einigen Jahren setzt der Traditionsbetrieb aber auch auf den virtuellen Markt. „Rund zehn bis 15 Prozent der Ware wird bei uns online verkauft“, betont die Unternehmerin.

Nichtsdestotrotz setzen die Eckhardts nach wie vor auf das Bodenständige. An 100 Tagen im Jahr fahren sie mit ihrer Produktpalette auf die Märkte im Land. „Auf den Jahrmärkten sind Nischenprodukten sehr gefragt.“ Das Alter des Marktpublikums? „Das ist bunt gemischt. Es kommen sowohl Ältere, als auch die Jungen.“ Dass der Markthandel im Burgenland aller Unkenrufe zum Trotz Potenzial nach oben habe, davon ist Eckhardt überzeugt. Regionale Produkte, so würden Umfragen belegen, würden wieder vermehrt gefragt.

Eines ist auch noch beim Alten geblieben: Die Maschinen in Eckhardts Werkstatt rühren noch von Großvaters Zeiten.

Angst, dass das Handwerk des Bürstenmachers mit ihr im Burgenland aussterbe, hat die 43-Jährige nicht. Auch wenn ihre Söhne, 16 und 22 Jahre, derweil andere Berufe ausüben. „Ich bin optimistisch, dass einer von ihnen einmal den Betrieb übernehmen wird.“

Info: www.buerstenerzeuger.at