Chronik | Burgenland
16.12.2011

14-Jähriger war mit Mama einbrechen

Eine 41-Jährige soll mit Kindern Sauftouren unternommen haben. Nun fasste sie in Eisenstadt für Einbruch mit Sohn ein Jahr Haft aus.

Wein nicht, wir sind starke Leut’“, sagt die 41-Jährige zu ihrem Sohn, als sie mit zwei Justizwachebeamtinnen vor dem Gerichtssaal erscheint. Der 14-jährige Kevin muss sich mit seiner Mutter Pia (Namen von der Redaktion geändert, Anm.) wegen Einbruchsdiebstahl verantworten. Pia wird seitens der Staatsanwaltschaft auch noch Betrug, ein Verstoß gegen das Suchtmittelgesetz und Nötigung vorgeworfen. Den Einbruchsdiebstahl sollen die beiden in der Wohnung von Kevins Freund Stefan (Name von der Redaktion geändert, Anm.) durchgeführt haben. Dabei geht es um eine aufgebrochene Geldkassette, knapp 1500 Euro Bargeld und Schmuck.

Mitleid

Mutter und Sohn behaupten vor Gericht, dass der 12-jährige Stefan die treibende Kraft gewesen sein soll. „Er hat keine gute Kindheit. Mir hat er leid getan“, sagt die Angeklagte, deshalb habe sie zugesehen, wie Stefan die Geldkassette seiner Mutter gebracht und mit Kevin aufgebrochen hätte. Nach dem Vorfall sei sie mit den beiden Buben und weiteren Freunden im Seewinkel auf Shoppingtour gewesen. Und sie hat den Schmuck von Stefans Mutter zu Bargeld gemacht. Der 12-Jährige habe ihrem Sohn einen Xbox-Controller gekauft, ihr habe er zu einer Uhr dazugezahlt. „Sie lassen sich von einem Kind die Hälfte zu einer Uhr dazuzahlen?“, wundert sich Richterin Andrea Rosensteiner, die in diesem Prozess ob der Vielzahl an Versionen, die ihr aufgetischt werden, nicht zu beneiden ist.

Dann tritt der 12-jährige Stefan als Zeuge auf. Der muntere Blondschopf redet wie ein Wasserfall. Er erzählt, wie er Pia und Kevin kennengelernt hat. „Was habt ihr denn da immer unternommen?“, will die Richterin wissen. „Meist haben wir nur Blödsinn gemacht. Die Pia hat Zigaretten, eine Wasserpfeife und Alkohol mitgebracht, und dann sind wir halt mit dem Auto so herumgefahren, haben geraucht und getrunken“, antwortet Stefan. Jetzt klappt auch die Kinnlade von Kevins Pflichtverteidiger nach unten. Dass eine 41-Jährige 12- bis 14-jährige Buben zu ausgedehnten Sauftouren verleitet, sorgt im Gerichtssaal für blankes Entsetzen.

Urteile

Den Einbruchsdiebstahl schildert der 12-Jährige ganz anders. Er sei festgehalten und bedroht worden. Manchmal hat man den Eindruck, dass er es mit der Wahrheit nicht ganz so genau nimmt. Die vielen Details in seinen Ausführungen veranlassen das Gericht jedoch, ihm mehr Glauben zu schenken als Pia und Kevin. Der 14-Jährige muss 80 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Seine Mutter fasst 12 Monate Haft, davon 10 auf Bewährung, aus. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.