Chronik
06.04.2018

Braunbär ohne Scheu vor Menschen soll es an den Pelz gehen

Tier streift stets durch besiedeltes Gebiet. Wildbiologe schlägt Maßnahmen zur Vergrämung vor.

KTN05M“ nennen ihn die Wildbiologen, „Laaker Petzi“ die Bewohner von Ferlach (Klagenfurt Land). Es geht um jenen Bären, der vor einem Monat in Laak bei Ferlach erstmals in diesem Frühling einen Bienenstock geplündert hat und seitdem die Bewohner vom Rosental bis an den südlichen Stadtrand von Klagenfurt verunsichert. Weil er keine Scheu vor Menschen zeigt und sich Siedlungen nähert, werden „Vergrämungsmaßnahmen“ angedacht. Die Fakten:

Wo treibt sich der Bär herum und was weiß man von ihm?

Schon im Vorjahr war er zwischen Ferlach und Maria Rain unterwegs, aber es gab weniger Schadensmeldungen. In den vergangenen fünf Wochen zählte die Polizeiinspektion Ferlach 13 Anzeigen wegen geplünderter Bienenstöcke. „Die Dunkelziffer ist höher, weil nicht jeder die Causa anzeigt, um wegen des Schadens Geld vom Land zu fordern“, sagt die Polizei Ferlach. Der Bär durchschwimmt regelmäßig die Drau und hinterlässt in Maria Rain Spuren. Landeswildbiologe Bernhard Gutleb: „Ich glaube, dass es sich um ein Individuum handelt, das große Distanzen zurücklegt. Dieses Männchen dürfte drei, vier Jahre alt sein.“

Ist der Bär gefährlich?

Laut Gutleb, der die Bezeichnung „Bärenanwalt“ trägt, keineswegs. „Es stimmt, dass es heuer viele Schadensmeldungen gab, aber der Bär kommt in der Nacht und meidet aktiven Kontakt zu Menschen. Auf Dauer werden ihn die Menschen stören“, betont er. Thomas Huber, ebenfalls Wildbiologe aus Kärnten, meint, Panik sei unangebracht, aber man sollte „die Sache nicht auf die leichte Schulter nehmen. Dass der Bär in besiedeltes Gebiet und dem Menschen näher kommt, sich an ihn gewöhnt, ist nicht tolerierbar. Da kann es zu gefährlichen Situationen kommen.“ Er würde eine Vergrämung zumindest andenken.

Wie leben die Menschen vor Ort mit dem ungewöhnlichen Besucher?

Astrid Kirbisch-Marko aus Ferlach hält fünf Schäferhunde im Zwinger. „25-mal hat der Bär in den letzten Jahren in der Nähe Bienenstöcke geplündert. Meine Hunde schlagen in der Nacht oft an, er kommt also sehr nahe“, erzählt sie. Vergrämen müsse man den Bären jedoch nicht. „Er holt sich nur Honig.“ Franz Wigoschnig, Aufsichtsjäger aus Maria Rain, sieht die Sache anders: „Der Bär hat einen 500 Kilo schweren Siloballen aufgerissen und ihn über ein Feld gerollt. Er nähert sich Wohnhäusern auf 20 Meter. Es ist ein Wildtier, das gehört bejagt, bevor es den ersten Angriff auf einen Menschen gibt.“

Wie könnte man das Tier zumindest vergrämen?

Gutleb nimmt die Imker in die Pflicht. „Wenn die Elektrozäune aufstellen würden, müsste sich der Bär das Futter woanders suchen“, meint er. Kollege Huber regt an, man könnte ihn mit Lärm vertreiben. „Weitere theoretische Möglichkeiten wären der Beschuss mit Gummikugeln oder die Betäubung: in der Aufwachphase müsste man dem Tier dann nochmals einen Schrecken einjagen, damit er Menschen meidet.“

Wer gibt die Vergrämung in Auftrag?

Die Naturschutzabteilung des Landes. Politisch ist Rolf Holub (Grüne) zuständig, ab nächsten Donnerstag ein noch unbekannter SPÖ-Landesrat. Aus dem Büro von Landeshauptmann Peter Kaiser heißt es: „Wenn ein Gefahrenpotenzial für Menschen gegeben ist, gibt es entsprechende Möglichkeiten. Das werden wir prüfen, wenn wir das Referat innehaben.“ ÖVP-Neo-Obmann Martin Gruber, der als Landesrat die Jagdagenden übernehmen könnte, sagte, er habe in der Sache noch ein Informationsdefizit.