Chronik
22.04.2018

Amstetten: Das Haus der Schande existiert nicht mehr

Zehn Jahre danach: Aus dem Horrorhaus wurde ein Mietshaus, die Liegenschaften Fritzls vom Masserverwalter verkauft.

„Das ist eine Privatangelegenheit, ich will meine Ruhe.“ Zwei Tage vor seiner Festnahme am Samstagabend des 26. April 2008 wies Josef Fritzl in seinem Haus in der Amstettener Ybbsstraße die telefonische Nachfrage des KURIER-Reporters noch rüde zurück. Seine angeblich plötzlich aufgetauchte 19-jährige Enkelin Kerstin rang im Spital Amstetten mit dem Tod. Am Sonntag den 27. April sorgte dann das Bekanntwerden seiner ungeheuren Schandtaten im geheimen Kellerverlies seines Hauses für einen internationalen Schock und Aufschrei.

In die damals als „Horrorhaus von Amstetten“ weltweit bekannt gewordene Liegenschaft ist nach langem Leerstand wieder Leben eingekehrt. Ein Amstettener Wirt hat das Haus vor zwei Jahren aus der Fritzl-Konkursmasse gekauft und zum Mehrparteienhaus umgebaut. Aus Gründen der Pietät und des Opferschutzes war der Keller 2014 mit Beton verfüllt worden. Obskure Angebote, etwa in dem Haus ein Museum des Schreckens einzurichten, hatten für Entrüstung gesorgt.

Fritzl-Konkurs

Mit seiner Verhaftung und der Verurteilung zu lebenslänglicher Haft im Jahr 2009 war auch die rund 3,3 Millionen Euro schwere Pleite des Immobilienmannes Fritzl unumkehrbar.

Große Liegenschaften in St. Pölten, Waidhofen/Ybbs und Kematen/Ybbs wurden vom Konkursgericht und Masseverwalter Walter Anzböck verkauft. Die Außenstände blieben dennoch beträchtlich. Neben dem lange unverkäuflichen „ Horrorhaus“ besaß Fritzl in Amstetten noch eine alte Villa in der Waidhofener Straße. Dort hatte er – vor dem Auffliegen des Kriminalfalls wurde er noch als „Herr Ingenieur“ angesprochen – versucht, ein mächtiges Wohn- und Bürogebäude zu bauen. Anrainern und Behörden blockierten das Riesenprojekt, weil sich das Grundstück in der roten Hochwasserzone befand. Jetzt steht auf dem Areal ein schmuckes Einfamilienhaus.