Chronik
13.07.2017

Abflug mit Messer im Handgepäck

Küchenmesser mit neun Zentimeter langer Klinge wurde beim Sicherheitscheck übersehen.

Robert K. und seine Familie flogen nach Menorca auf Urlaub. Nach einem Tag am Strand, suchte er in seinem Rucksack nach den Zimmerschlüsseln des Hotels. "Im vorderen Fach fand ich dann, begraben unter Gummibärli und Autoschlüssel, unser Küchenmesser", erzählt K. Er hatte das Messer am 1. Juli unbeabsichtigt im Handgepäck mit in den Urlaubsflieger gebracht. "Ich hatte vor dem Abflug den Rucksack bei einem Ausflug mit, wo ich mit dem Messer Melonen geschnitten habe, und habe vergessen, es auszuräumen", sagt K.

Dass er damit durch die Sicherheitskontrolle am Flughafen gekommen ist, überrascht ihn – die Klinge des Messers ist immerhin neun Zentimeter lang. "Beim Sicherheitscheck war nicht viel los, weil wir wegen unserer kleinen Tochter und ihres Kinderwagens beim Priority-Check waren, um andere Fluggäste nicht aufzuhalten. Hinter uns wartete niemand", erzählt K. weiter. Die Sicherheitsbeauftragten seien bei der Kontrolle der Familie daher wohl nicht unter Stress gestanden.

"Wir am Flughafen tun alles Menschenmögliche, um sicherzustellen, dass keine Gegenstände durchkommen, die nicht durchkommen sollen. Hundert Prozent Sicherheit gibt es aber nicht. Es kann – in absoluten Einzelfällen – vorkommen, dass Gegenstände in Konstellationen so liegen, dass sie nicht als gefährlich erkannt werden können", sagt Airport-Sprecher Peter Kleemann.

Fünf Sekunden haben die Securitys am Flughafen Wien im Schnitt, um sich das Röntgenbild eines Gepäckstücks anzusehen. Die Zeit bleibt immer gleich – egal, ob viel oder wenig los ist, da das Tempo des Förderbandes vorgegeben ist. "Nach maximal zwanzig Minuten in dieser Tätigkeit werden unsere Mitarbeiter daher abgelöst, weil es viel Konzentration erfordert", sagt Sicherheitsleiter Franz Spitzer.

Falsche Interpretation

"Der Röntgenstrahl bricht, wenn er auf Materie trifft, wird abgelenkt und dann in ein Bild umgewandelt. Metallisches wird blau, Organisches orange dargestellt", erklärt Spitzer. Sollten nun mehrere metallische Gegenstände übereinander sein, ist auf dem Bild, das die Sicherheitsbeamten sehen, nicht mehr erkennbar, um welche Dinge es sich handelt.

"So etwas wird Dunkelalarm genannt", sagt Spitzer weiter. Eigentlich müssten die Securitys den Passagier dann auffordern, das Handgepäck zu öffnen, um einsehen zu können, was zum Dunkelalarm geführt hat. "In der Regel sind die verschiedenen Gegenstände für die Fachmänner am Monitor gut erkennbar. Es ist aber nicht unmöglich, wenn ein Messer zum Beispiel in einer bestimmten Konstellation liegt, dass es vom Mitarbeiter nicht richtig interpretiert wird", erklärt Spitzer.

Messer, deren Klinge nicht länger als sechs Zentimeter lang sind, dürfen übrigens mit ins Flugzeug genommen werden. Das Messer von Robert K. wäre aber definitiv verboten gewesen.

Neun Mitarbeiter sind an einer sogenannten Einheit tätig; jede Einheit besteht aus zwei Sicherheitsstraßen. Die Mitarbeiter wechseln alle zwanzig Minuten ihre Position. Insgesamt sind 2000 Mitarbeiter am Flughafen für die Sicherheit zuständig – die Hälfte davon bei den Passagier- und Gepäckkontrollen. Sie durchlaufen eine zehnwöchige Ausbildung in der hauseigenen Sicherheitsakademie, die Theorie- und Praxisblöcke beinhaltet.