Polizeieinsatz bei der Demonstration der Identitären Bewegung Österreichs am Samstag

© APA/HERBERT PFARRHOFER

Wien
06/11/2016

Gewalt bei Identitären-Demo in Wien

Polizisten mussten bei Demo der Identitären Pfefferspray einsetzen.

von Birgit Seiser, Natascha Marakovits, Jürgen Pachner

"Nazis raus! Nazis raus!", tönte es Samstagnachmittag lautstark im Bereich des Westbahnhofs. Rund 1000 "Identitäre" haben sich im Märzpark (Rudolfsheim-Fünfhaus) versammelt. Gleich zu Beginn trafen die rechtsradikalen Aktivisten auf Gegendemonstranten und mussten daher von ihrer geplanten Route abweichen. Linke Aktivisten hatten offenbar erfolgreich versucht, die Polizeiabsperrungen zu umgehen. Rund 1000 Polizisten standen im Einsatz, um die beiden Gruppen auseinanderzuhalten.

Nach einer Änderung der geplanten Route setzte der Demonstrationszug der Identitären seinen Marsch am Gürtel in Richtung Westbahnhof fort. Ab diesem Zeitpunkt war auch Gewalt im Spiel. Immer wieder wurden die Identitären von Gegendemonstranten mit diversen Gegenständen, darunter Flaschen beworfen. Mehrmals explodierten Knallkörper. Schließlich musste die Polizei Pfefferspray einsetzen, um die bis zu 1000 Gegendemonstranten abzudrängen. Nach Informationen der Polizei wurden 13 Personen verletzt, darunter vier Polizisten. Ein Teilnehmer von den Identitären wurde nach dem Verbotsgesetz angezeigt, sieben Teilnehmer der Gegendemonstrationen festgenommen. Die Demo wurde gegen 17 Uhr vorzeitig beendet.

Hörsaal-Stürmer

Indes wurde bekannt, dass einer der Hörsaal-Stürmer der Identitären in der Uni Klagenfurt der ehemalige FPÖ-Obmann des Grazer Bezirks Lend, Luca Kerbl, sein soll. Er ist bereits bei der Dachbesetzung des Parteilokals der Grünen in Graz aufgefallen. FPÖ-Stadtparteichef Mario Eustacchio sah zunächst keinen Anlass, Kerbl aus der Partei zu werfen. "Unsere Mitglieder können bei Pegida oder Identitären mitdemonstrieren", sagte Eustacchio am Freitag zur Kleinen Zeitung. Kurz darauf soll Kerbl aber selbst aus der FPÖ ausgetreten sein.

Identitären-Demo nach Blockaden beendet

Bei der Gegendemonstration gegen den Rechtsradikalen-Aufmarsch am Samstag in Wien haben laut Polizei gegen 13.30 Uhr rund 500 Personen teilgenommen. "Es ist alles ruhig", sagte Sprecher Thomas Keiblinger.

Bisher 200 rechtsradikale Teilnehmer

Im Märzpark vor der Wiener Stadthalle hatten sich indessen die Demonstranten der rechtsradikalen Identitären versammelt. Sie zählten am frühen Nachmittag rund 200 Personen. "Das werden aber sicherlich noch mehr", sagte Keiblinger. Der Abmarsch in Richtung war gegen 14.30 Uhr geplant. Rechtsradikale aus Deutschland, Slowenien, Tschechien und Polen sind angereist.

14.20 Uhr: Die Polizei filmt das Geschehen mit. Die Gegendemonstranten positionieren sich um den Märzpark herum, die Polizei lässt sie jedoch nicht durch die Absperrungen.

14.30 Uhr: Erstes Zusammentreffen der beiden Gruppierungen, als ein Bus aus Bayern eintrifft. Gegendemonstranten bewerfen den Bus mit Wasserballons und Bierdosen, berichtet unsere Reporterin Birgit Seiser.

14.40 Uhr: Die Identitären ziehen los. In der Hütteldorfer Straße werden die Gegendemonstranten von der Polizei blockiert.

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14.50 Uhr: Linke Gegendemonstranten nutzen die Sperrgitter der Polizei um die Rechtsradikalen am Weiterzug zu hindern.

15 Uhr: Die Demonstranten prallen aufeinander. Es wird Pfefferspray versprüht, offenbar gibt es ein paar leicht verletzte. Böller werden verschossen. Es ist nicht klar von welcher Seite.

15.15 Uhr: Mittlerweile sind es rund 800 Demonstranten auf Seiten der Identitären und 500 auf Seiten der Gegendemonstranten. Im Einsatz sind rund 1000 Polizisten. Ein Notarztwagen ist vorgefahren.

15.25 Uhr: Gegendemonstranten skandieren "Nazis raus!". Die Situation ist weiterhin angespannt.

15.50 Uhr: Gegendemonstranten holen Baugitter und Baustellen-Material aus dem Bereich um den Westbahnhof um damit die Straße zu verbarrikadieren. Der Gürtel ist auf der Höhe des Bahnhofs gesperrt.

16.15 Uhr: Eingänge zur U-Bahnstation Westbahnhof wurden aus Sicherheitsgründen gesperrt.

16.30 Uhr: Laut Polizei ist es zu Festnahmen gekommen, deren Anzahl ist aber noch unklar. Wie hoch die Zahl der Gegendemonstranten am Nachmittag war, kann Sprecher Thomas Keiblinger gegenüber der APA nicht sagen. "So lange es so brenzlig ist, ist eine Abschätzung nicht möglich."

16.45 Uhr: Hier eine Video-Aufnahme von vor etwa einer Stunde: Polizisten räumen die Baugitter beiseite, die von Gegendemonstranten aufgestellt worden waren.

17.00 Uhr: Die Identitären haben sich mittlerweile über den Westbahnhof zurückgezogen. Laut Polizei wurden einige Personen durch Wurfgeschosse verletzt, berichtet Birgit Seiser. Auf der Mariahilferstraße hat sich ein Demonstrationszug von etwa 100 Menschen formiert, die gegen Polizeigewalt auftreten.

17.30 Uhr:Die Demo gegen Polizeigewalt hat das Museumsquartier erreicht. Die Atmosphäre hat sich beruhigt.
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