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05.12.2011

Zeit zum Braten: Grillsaison in Wien

Die fünfte Jahreszeit hat begonnen: die Grillsaison. Tausende Wiener tummeln sich wieder auf den Grillplätzen, dasbiber.at hat sich umgesehen.

Es herrscht Ausnahmezustand rund um die Donau. Zu Tausenden scharen sich die großen Sippen auf der Donauinsel und in der Lobau zusammen. Die halbe Esszimmereinrichtung samt Kaffemaschine wird angezarrt, fünfzehn Kilo Schwein, Lamm und ein Würstel-Allerlei werden über großem Feuer gebrutzelt und am Bierchen wird genüsslich genippt.
Den inoffiziellen Start in die Grillsaison läutet der Tag der Arbeit am ersten Mai ein. Diesen begehen sämtliche Exjugoslawen feierlich in Unterleiberl und mit Spießchen in der Hand in der freien Natur auf der Lieblings-Fleecedecke. Diese Tradition ist auch der Stadt Wien bekannt, sodass sie für die Ausnahmesituation von über 6000 Grillenden sogar die erlaubten Grillzonen ausweitet.

Der Mann und sein Fleisch

Jaja, in der Lobau, da trifft sich das Who-is-Who des Dorfes. Egal aus welchem Winkel Serbiens, Bosniens oder Kroatiens man kommt, bei der Grillerei wird der rote Teppich der Balkan-Community ausgerollt. "Sehen und gesehen werden" ist das Motto. Etwa von der halben Verwandtschaft und auch der lieben Nachbarschaft, die man sonst so gekonnt meidet. Es ist auch unmöglich, der verfeindeten Cousine nicht über den Weg zu laufen.
Das alljährliche Grillen weckt die Instinkte der Herren der Schöpfung. Tage vorher werden Lammkoteletts, Spießchen, Würstchen und Hühnerschenkeln eingekauft und gebunkert. Die Männer kümmern sich um genau zwei Dinge: Das Fleisch und den Grillplatz. Das heißt, sie fahren bereits am Vorabend los, um einen Platz zum Grillen zu sichern. Dort übernachten sie dann im Freien, und, juhu, fühlen sich wie "echte" Männer. Nur sie, das Feuer, die Natur, ihre Freunde und drei Kisten Bier. Den Frauen fällt dann die weniger abenteuerliche Aufgabe zu, alles, was man zu den deftigen Fleischbatzen dazu isst (Salat, Gemüse), fein säuberlich herzurichten.

In die "Kiehlbox"

Pro Familie braucht man mindestens: zehn Kilo Tomaten, zehn Gurken, mehrere Stangen Jungzwiebel, Sauerrahm, Ajvar und so weiter. Absolut notwendiges Accessoire für den Transport dieser Köstlichkeiten auf die Donau ist die dekorative Kühlbox (auf dem Grillplatz wird richtigerweise "Kiehlbox" gesagt), wahlweise in Gelb, Pink oder knalligem Rot gehalten. Neben den Köstlichkeiten werden in der Familienkarosse auch Utensilien für den Grill-Komfort der feineren Art herbeigeschafft: Sessel, Tische, Decken, Sonnenschirme, Tischtücher, Servietten, Klopapier, Gläser, Teller, Besteck, Pflaster und natürlich ein Zelt, unter dem das Ganze aufgestellt werden kann. Denn nicht einmal Regen kann Hardcore-Griller dazu bewegen, ihr Revier zu verlassen.

Dress to grill

Doch nicht nur am Geruch duftender Koteletts und frischer Knoblauchbrotleibe kann man sich auf Donauinsel & Co. kilometerlang ergötzen. Nein, nicht nur der Rauch, sondern auch der Grill-Dresscode à la "zamgewürfelt und völlig egal, wie's aussieht" erzeugt eine optische Dauerirritation. Es heißt ja, weniger sei mehr. Nun, in Grill-Couture-Sprache übersetzt heißt das: Es ist egal, was man anzieht, man sieht meistens sowieso aus wie der Tschusch vom Mexikoplatz. Bei den Herren bedeutet das Trainingshosen aus den 90ern in kurz oder lang, Unterleiberl über dem Bierbauch und Arbeiterkäppi zum Finish. Die Damen stehen dem in nichts nach: Zu-knappe-für-zu-breite-Figur-Trainingshose, Nachthemd als Trägertopp, die ausrangierten peinlichen Fake-Puma-Sportschuhe von den Kindern und natürlich der Bikini drunter.

Meistens dauert die Belagerung der Lobau bis in die späten Abendstunden an. Hardcore-Grill-Fans bleiben, bis die Dämmerung beginnt. Erst wenn der letzte Ćevap gegessen, das letzte Bier getrunken, das letzte Stück Kuchen verdrückt ist, und über alle aus dem Dorf ausgiebig gelästert wurde, dann erst wird eingepackt und das Feld geräumt. Bis zum nächsten Wochenende.
Hauptsache Rock'n'Roll.

Grill-Hot-Spots in Wien
11., Am Kanal, Alberner Hafenzufahrtstraße, Nähe Margetinstraße
14., Auhof - Retentionsbecken
16., Steinbruchwiese im Ottakringer Wald
17., Mittereckwiese im Schwarzenbergpark
19., Krapfenwaldgasse an der Höhenstraße, beim Krapfenwaldbad
23., Draschepark, Ecke Triester Straße/Sterngasse
22., Donauinselbereich (insgesamt 16 Grillplätze)

Im Folgenden findet ihr eine ausführliche Checkliste fürs Grillvergnügen.

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